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Kühnplatz 1-4

Fakten

Kühnplatz 1-4

Kühnplatz 1-4, 1040 Wien

Baujahr: 1914-1915

Wohnungen: 97

Architekt: Leopold Ramsauer, Otto Richter

Weitere Adressen

Schleifmühlgasse 16, 1040 Wien

Mühlgasse 7, 1040 Wien

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Als einer der frühen sozialen Wohnbauten der Gemeinde Wien entstand die Anlage an der Stelle des ab 1913 demolierten "Freihauses" im gleichnamigen Viertel. Das "Freihaus" war eines der größten Mietshäuser Wiens, es vereinigte Wohnungen und Werkstätten um mehrere Höfe. Es gab sogar ein Theater, in dem Mozart 1791 seine Oper "Die Zauberflöte" uraufführte. Mit der Kombination von Ladenlokalen und Wohnungen knüpft der "Wiedenhof" an die Tradition des Freihauses an. Im Kellergeschoß und Souterrain des Hauses befanden sich früher Lagerräume und Werkstätten für die Händler vom Naschmarkt; später wurde der Keller zu einer Tiefgarage umgebaut.

Die Architektur

Die Wohnanlage mit ursprünglich 144 Kleinwohnungen gilt als Vorläufer des Wiener Gemeindebaus nach dem Ersten Weltkrieg. Wie bei den Gemeindebauten spielten sowohl die Wohnungsgröße als auch der städtebauliche Aspekt eine wichtige Rolle. Die Anlage bildet einen Platz: Sie begrenzt die gesamte Ost- und Nordseite des Kühnplatzes und reicht bis in die Mühlgasse. Die lange und mit sieben Geschoßen sehr hohe Fassade wird durch Gurtgesimse horizontal in einzelne Zonen gegliedert. Die über vier Geschoße reichenden Erker setzen vertikale Akzente. Die einzelnen Fassadenzonen sind durch unterschiedliche Putzoberflächen dekoriert: Das Mezzanin und die Erker sind genutet, die Hauptgeschoße glatt und das Attikageschoß rau verputzt.

... und die Kunst

Die fünf Hauseingänge sind mit runden Fenstern und Umrahmungen mit Muscheln und Blattranken in barocken Formen kunstvoll gestaltet. In den Stiegenhäusern sind die schlichten Geländer im Stil der Wiener Secession bis heute erhalten.

Der Name

Die Wohnanlage ist nach dem Bezirk "Wiedenhof" benannt. Der Platz davor erinnert an den Gemeinderat Josef von Kühn (1833-1913), der sich der gemeinnützigen Arbeit widmete. Er gilt als Schöpfer des Volksküchengedankens und gründete 1873 den ersten Wiener Volksküchenverein.

Sanierung

von 1993 bis 1996

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1996 saniert. Neben der Instandsetzung von Dach und Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits 1987/88. Die Kosten beliefen sich auf 1.881.573 Euro, davon konnten 612.917 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Leopold Ramsauer - Leopold Ramsauer (1874-1916) lernte an der Staatsgewerbeschule in Wien, bevor er als beamteter Architekt im Innenministerium tätig war. Gemeinsam mit Otto Richter gewann er 1904 den Wettbewerb der Kaiser-Franz-Josef I.-Jubiläumsstiftung für ein Männerheim in der Meldemannstraße in Wien 20. Diesem Bau folgten weitere Aufträge der Jubiläumsstiftung für Volkswohnungen und Wohlfahrtseinrichtungen und der Ersten Gemeinnützigen Baugesellschaft für Kleinwohnungsbau in Wien. Leopold Ramsauer gilt als wichtiger Vertreter der Kleinwohnungsbauten und trug mit seinen an den Bedürfnissen orientierten Wohnungsgrundrissen zur Reform des Wohnens bei.

Otto Richter - Otto Richter (1875-1919) studierte von 1894 bis 1896 an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Arbeitsgemeinschaft mit Leopold Ramsauer plante er einige Wohlfahrtseinrichtungen und Volkswohnhäuser für die Kaiser-Franz-Josef I.-Jubiläumsstiftung und für die Erste Gemeinnützige Baugesellschaft für Kleinwohnungsbau. Otto Richter gilt als wichtiger Vertreter der Kleinwohnungsbauten und trug mit seinen "Zwei Zimmer-Küche-Kabinett"- bzw. "Zwei Zimmer-Küche"-Wohnungen zur Reform des Wohnens bei. Die beiden Architekten planten auch den 1908/09 errichteten Jubiläums-Werkstättenhof "Mariahilf" in Wien 6 (Mollardgasse 85-85a), der zu den bedeutendsten Wiener Industriebauten der Jahrhundertwende zählt.

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