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Kundmanngasse 30-32

Fakten

Kundmanngasse 30-32

Kundmanngasse 30-32, 1030 Wien

Baujahr: 1962-1963

Wohnungen: 30

Architekt: Ferdinand Riedl

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

An der Stelle der Wohnhausanlage befanden sich zwei Althäuser, die lange Zeit ein Gasthaus und eine Apotheke beherbergten. In dem ab 1962 errichteten Neubau war das von Robert Kotas mit 604 Sitzplätzen geplante Capitol-Kino untergebracht. Eingangsbereich und Warteraum befanden im Erdgeschoß des Wohnhauses, von dort gelangte man über einen Gang in den Kinosaal im Hintergebäude. Zur Zeit des großen Kino-Booms in den 1960er-Jahren gab es allein im 3. Bezirk 17 Kinos. Anfang der 1970er-Jahre wurden zahlreiche Kinos aufgelassen. Die Räumlichkeiten des Capitol-Kinos wurden 1974 in einen Supermarkt umgewandelt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich über 21 Fensterachsen entlang der Kundmanngasse. Sie umfasst drei Stockwerke und wird über vier Stiegenhäuser erschlossen. Der gesamte Erdgeschoßbereich ist als großzügig verglaste Geschäftszone ausgebildet. Hier ist auch ein schlichter öffentlicher Durchgang eingeschnitten, der die Kundmanngasse mit der Rochusgasse verbindet. Ein markantes, durchgezogenes Band, das zur Anbringung der Geschäftsnamen dient, unterteilt das Erdgeschoß in große Schaufenster und kleine Lüftungsfenster darüber. Dieses Band unterstreicht ebenso wie die Fassadengliederung die Länge des Baublocks. Die Wandflächen zwischen den Fensterreihen sind leicht erhaben und mit einem etwas dunkleren Putz versehen. Sie ziehen sich so als Bänder über die gesamte Gebäudefront, wodurch auch die Fensterreihen zu horizontalen Einheiten zusammengefasst werden. Eine kaum merkbare vertikale Strukturierung der Fassade erfolgt durch die unrhythmische Achsenanordnung großer und kleiner Fenster. Im Gegensatz dazu zeigt die Rückfront ein sehr heterogenes Bild. Die aus den Reihen versetzten Stiegenhausfenster durchbrechen die horizontale Gliederung und lassen die Fassade zusammen mit den kleinen Fenstern der Sanitärräume lockerer und unruhiger erscheinen.

Der Name

Benannt wurde die Gasse 1919 nach dem Bildhauer Carl Kundmann (1838 - 1919), der zahlreiche Skulpturen für die Wiener Ringstraße schuf. Von Kundmann stammen unter anderem das Schubert-Denkmal im Wiener Stadtpark und der Athene-Brunnen vor dem Parlamentsgebäude.

Architekten

Ferdinand Riedl - Ferdinand Riedl (geb. 1920) studierte zunächst von 1939 bis 1941 an der Technischen Hochschule Wien und von 1941 bis 1944 an der Akademie der bildenden Künste Dresden. Von 1945 bis 1998 führte er ein eigenes Architekturbüro in Wien und von 1969 bis 1990 zudem in München. Zahlreiche Wohn- und Gewerbebauten wurden weltweit nach Ferdinand Riedls Plänen ausgeführt, darunter auch ein 16-stöckiges Hotel in Oslo/Norwegen und ein 1.000-Betten-Krankenhaus in Caracas/Venezuela. In Deutschland plante er etwa für die Olympiade 1972 ein Wohnhaus mit Einkaufszentrum und ein Ärztehochhaus mit Wohnungen, in Karlsruhe konnte Ferdinand Riedl das Hotel Hilton realisieren. Unter seinen zahlreichen Bauwerken in Wien befindet sich auch das Generali-Center in Wien 6, Mariahilfer Straße 77-79 (mit Hannes Lintl). Besondere Verdienste erlangte er auch als Musikwissenschafter; so war er 1966 Gründungsmitglied des Vereins der Freunde der Wiener Staatsoper. 2005 wurde Ferdinand Riedl das Goldene Ehrenzeichen 1. Klasse der Republik Österreich verliehen.

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