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Landstraßer Hauptstraße 173-175

Fakten

Landstraßer Hauptstraße 173-175

Landstraßer Hauptstraße 173-175, 1030 Wien

Baujahr: 1953-1956

Wohnungen: 394

Architekt: Rudolf Jarosch, Alfred Bartosch, Ferdinand Zimmermann, Friedrich Albrecht, Franz Mörth

Weitere Adressen

Dr.-Bohr-Gasse 2-10, 1030 Wien

Viehmarktgasse 2, 1030 Wien

Rennweg 95, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Ab Mitte des 13. Jahrhunderts gab es im Bereich der Wohnhausanlage das Siechenhaus St. Lazar. Es handelte sich dabei um eine jener Anstalten, die an den Einfallstraßen der Städte errichtet wurden, um Personen mit ansteckenden Krankheiten noch vor Betreten der Stadt aufzunehmen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde hier eine Kapelle errichtet, die dem Hl. Markus geweiht war und dem Viertel seinen noch heute gebräuchlichen Namen St. Marx gab. Bereits im 14. Jahrhundert wurde die Einrichtung als Bürgerspital geführt und es findet auch ein Bräuhaus Erwähnung, das auf dem gleichen Gelände untergebracht war. 1784 übersiedelten die Kranken in das neu errichtete Allgemeine Krankenhaus. Das Bürgerspital wurde in der Folge als Versorgungshaus für arme und gebrechliche Personen genutzt, die hier bis 1856 untergebracht waren. Nach Auflassung des Versorgungshauses diente der Gebäudekomplex zur Gänze der Mautner’schen Brauerei. 1945 durch Bombenangriffe schwer beschädigt, musste die Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen werden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich entlang der Landstraßer Hauptstraße von der Viehmarktgasse bis zum Rennweg. Ein Gelenk aus Glasbausteinen an der Ecke Viehmarktgasse/Landstraßer Hauptstraße leitet vom schlichten, siebengeschoßigen Block in der Viehmarktgasse zum neun- bzw. zehngeschoßigen, L-förmigen Baublock an der Landstraßer Hauptstraße über. Durch seine Höhe und den Rücksprung von der Straße, durch den ein kleiner begrünter Platz umschlossen wird, bietet er ein imposantes städtebauliches Bild. Entlang der Landstraßer Hauptstraße erstreckt sich eine lange, geschlossene Front, die bis zum Rennweg reicht. Das Erdgeschoß ist durchgehend als Geschäftsbereich ausgebildet. Die lange Front umfasst sechs Geschoße, wird jedoch an zwei Stellen über je sechs Fensterachsen, am Rennweg über drei Achsen um ein Geschoß aufgestockt. An diesen siebengeschoßigen Bauabschnitten erfolgt jeweils ein dezenter Rücksprung der Baulinie, wodurch die leichte Biegung des Straßenverlaufs bewältigt wird. Zwischen den zwei höheren Bauteilen sind je zwei Fensterachsen erkerartig vor die Fassadenflucht gezogen. Sie flankieren die Gedenkschrift zur Erbauung und geben der langen Front eine zentrale Schauseite. Zugleich sind die Vorsprünge in ihrer grünen Färbung der turmartigen Eckverbauung angeglichen, wodurch der Komplex auch eine farbliche Gliederung erhält. Rhythmisch angeordnete Achsen kleiner und großer Fenster strukturieren die einzelnen Fassadenabschnitte. Ecke Rennweg/Landstraßer Hauptstraße sorgen Achsen französischer Fenster für zusätzliche Auflockerung. Die Durchgänge zum Innenhof, von dem aus die Stiegenhäuser erschlossen werden, sind unauffällig in Trapezform in die Geschäftszone eingeschnitten. Die großzügig mit Balkonen ausgestatteten Hofseiten werden von den nachträglich errichteten Glastürmen der Aufzüge dominiert. Im lang gestreckten Hof wurden drei weitere, jeweils zwei Stiegenhäuser umfassende Wohnblöcke errichtet, die in ihrer schlichten Gestaltung der Straßenverbauung angeglichen sind.

... und die Kunst

Im Hof befindet sich die Natursteinplastik "Frau mit Hasen" von Fred Gillesberger (1954/55). Walter Auer gestaltete am Kinderspielplatz die Spielplastik "Robbe" (1958-1960). An der Fassade ist ein von Viktor Salma geschaffenes Bronzerelief mit der Büste von Josef Madersperger (1954-1961) angebracht. Einst befand sich an der Fassade auch eine Gedenktafel mit der Aufschrift: "Erbaut im Jahre der Befreiung 1955"; diese ist aber mittlerweile verschwunden.

Der Name

Die ehemalige Vorstadt "Landstraße" entwickelte sich aus einer Ansiedlung um das einst im Bereich des heutigen Rochusmarktes gelegene Kloster St. Nikolai. Um 1200 wurde diese Dorfgemeinschaft vor den Mauern Wiens als "Niklasvorstadt" bezeichnet. Die Straße entlang der Ansiedlung wurde bereits im 2. Jahrhundert von den Römern genutzt. Etwa um 1300 findet sich erstmals die Erwähnung "An der Landstraße". Sie führte vom Stubentor direkt nach Ungarn und gab der Vorstadt später ihren Namen. 1850 erfolgte im Zuge der Stadterweiterung die Zusammenlegung der Vorstädte Landstraße, Erdberg und Weißgeber zum 3. Wiener Gemeindebezirk.

Prominente Bewohner

Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an Josef Madersperger, den Erfinder der Nähmaschine (1768-1850). Der geborene Kufsteiner kam 1780 nach Wien, wo er 1814 die erste Nähmaschine herstellte. Madersperger konnte allerdings seine Erfindung, die er ständig weiterentwickelte, kommerziell nicht verwerten und starb völlig verarmt im St. Marxer Versorgungshaus, das sich einst an der Stelle der Wohnhausanlage befand. Im Volksmund wird die Wohnhausanlage aufgrund der Gedenktafel auch "Maderspergerhof" genannt.

Sanierung

von 1995 bis 1997

Die Ausstattung der Stiegenhäuser mit Aufzügen erfolgte bereits 1986. Die Kosten dafür beliefen sich auf 276.884 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden. Eine umfassende Sanierung wurde in den Jahren 1995 bis 1997 durchgeführt. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und der Spielplatz instand gesetzt.

Architekten

Rudolf Jarosch - Rudolf Jarosch (1917-2004) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Schrödingerhof in Wien 10, Gußriegelstraße 42-50 (1961-1963), und Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956).

Alfred Bartosch - Alfred Bartosch (1901-1969) studierte ab 1920 Architektur bei Franz Krauss und Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien. Bartosch war vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt, wie etwa am Dr.-Ellenbogen-Hof in Wien 20 (Brigittenauer Lände 148-154, 1959-1961) und an der Anlage Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956).

Ferdinand Zimmermann - Ferdinand Zimmermann (1922-1977) studierte bereits 1940/41 und nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1948 Innenarchitektur und Möbelbau an der Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann. Als selbstständiger Architekt beteiligte er sich vor allem in größeren Architektengemeinschaften am Wohnhausbau der Gemeinde Wien. So wirkte er etwa an der Planung der Wohnhausanlagen Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956) und Dieselgasse 11-17 in Wien 10 (1959-1960) mit.

Friedrich Albrecht - Friedrich Albrecht (1922-2004) studierte Innenarchitektur und Möbelbau an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Carl Witzmann. Für die Gemeinde Wien entwarf er vorwiegend in Zusammenarbeit mit mehreren anderen Architekten einige große Wohnhausanlagen. Unter anderem war er an den Anlagen Dieselgasse 11-17 in Wien 10 (1959-1960), Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956) und an der Wohnanlage "Ankerbrotgründe" in Wien 10 (Absberggasse, 1980-1985) beteiligt.

Franz Mörth - Franz Mörth (1902-1962) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien (Diplom 1926). Nach dem Studium war er zunächst im Büro von Robert Oerley beschäftigt, machte sich aber 1928 als freischaffender Architekt in Wien selbstständig. Eines seiner frühen Werke ist die Villa für Franz Hoffmann in Wien 13 (Mühlbachergasse 14, 1929/30). Während des Krieges war er vor allem im NS-Industriebau tätig, so bei den Saurer-Werken und den Steyr-Werken. Nach dem Zweiten Welkrieg entwarf er Werksiedlungen für die VOEST in Linz, Kapfenberg und Donawitz. In Wien entstand das Gemeindewohnhaus Hohenbergstraße 24-32 in Wien 12 nach seinen Plänen. Sein bedeutendster Aufrag war die Beteiligung am Bau der Arbeiterkammer Wien (gemeinsam mit Kurt Vana und Alexis Franken, Wien 4, 1957/60).

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