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Kurt-Steyrer-Hof

Fakten

Kurt-Steyrer-Hof

Landstraßer Hauptstraße 92-94, 1030 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 70

Architekt: Johann (Hans) Stöhr

Weitere Adressen

Neulinggasse 1, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Im Bereich der heutigen Anschrift Landstraßer Hauptstraße 92 ließ sich ein Mitglied aus dem Haus Brentano-Cimaroli 1799 ein Lusthaus erbauen. Die Familie Brentano entstammte einem alten lombardischen Adelsgeschlecht und war ab dem 17. Jahrhundert in Frankfurt am Main ansässig, wo sie ein bedeutendes Handelsimperium aufbaute. Im Bereich der Nr. 94 stand seit dem 18. Jahrhundert das Haus "Zu den drei Raben". Der rechte Flügel dieses Hauses wurde bereits 1943 niedergerissen, um hier eine Zufahrt für die Erbauung der Flaktürme zu schaffen. 1953 wurden beide Häuser demoliert und die Neulinggasse an die Landstraßer Hauptstraße angebunden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage ist in einem zur Landstraßer Hauptstraße offenen (durch die Neulinggasse unterbrochenen) Viereck angeordnet. Das Erdgeschoß der Vordergebäude an der Landstraßer Hauptstraße ist als Geschäftszone ausgebildet. Die spärliche Wandfläche zwischen den Schaufenstern ist mit Nuten durchzogen. Darüber sitzt die glatte, sechs Stockwerke umfassende Fassade, in die die Fenster, nur mittels leichter Vertiefungen gerahmt, eingesetzt sind. Die Fensterachsen sind an den Straßenfronten nach außen gerückt, wodurch die geschlossenen Fassadenfronten den Charakter eines monumentalen Torrahmens erhalten. Auflockernde Akzente setzen hier nur die Achsen französischer Fenster am linken Flügel und an der Innenseite des rechten Flügels. Die fünf Stiegenhäuser werden über den "Innenhof" und die Durchfahrt am hinteren Gebäudeblock erschlossen. Das Hintergebäude umfasst sieben Geschoße und ein zum Teil ausgebautes Dachgeschoß. In die zweigeteilte Durchfahrt der Neulinggasse sind glatte Rundpfeiler eingestellt. Seitlich davon befinden sich schlicht eingeschnittene Passagen für Fußgänger, deren rechteckige Pfeiler wie das gesamte Erdgeschoß der rückseitigen Gebäude genutet sind. Sowohl an den Hoffassaden als auch an Rückseiten wird auch beim Hintergebäude versucht, durch Achsen bzw. Reihen französischer Fenster auflockernde Akzente zu setzen.

... und die Kunst

An der Neulinggasse vor dem Kindergarten befindet sich die Spielplastik "Bär" (1953/1956) von Josef Schagerl. Die Figurengruppe "Familie" (1953/1956) von Margarethe Hanusch steht an der Ecke Landstraßer Hauptstraße/Neulinggasse.

Der Name

2008 wurde die Wohnhausanlage nach dem Arzt und Politiker Kurt Steyrer (1920-2007) benannt. Kurt Steyrer war von 1952 bis 1981 Betriebsarzt bei der Simmering-Graz-Pauker AG und hatte von 1975 bis 1983 einen Sitz im Nationalrat. Von 1981 bis 1985 war er Bundesminister für Gesundheit und Umweltschutz.

Sanierung

von 2011 bis 2012

Die Wohnhausanlage wurde von 2011 bis 2012 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten unter anderem die Instandsetzung der Aufzüge, Wasch-, Trocken- und Abstellräume sowie des Kellers. Die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen.

Architekten

Johann (Hans) Stöhr - Johann (Hans) Stöhr (1897-1981) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt (MA 19) ein, dessen Leiter er bis 1963 war. In dieser Funktion war er vor allem in der Zeit des Wiederaufbaus an der Errichtung zahlreicher kommunaler Bauten beteiligt. So wurden ein Teil der Stadtrandsiedlung Leopoldau in Wien 21 und der Bauteil Ost der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Wien 10 nach seinen Entwürfen errichtet. 1950 wurde seine berufliche Tätigkeit in dokumentierter Form als Dissertation an der TU Wien anerkannt.

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