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Oskar Helmer Hof

Fakten

Oskar Helmer Hof

Roda-Roda-Gasse 1, 1210 Wien

Baujahr: 1960-1967

Wohnungen: 778

Weitere Adressen

Gmündstraße 3, 1210 Wien

Schwarzenauweg 3, 1210 Wien

Roda-Roda-Gasse 5, 1210 Wien

Schwarzenauweg 2, 1210 Wien

Prager Straße 282-284, 1210 Wien

Meriangasse 6, 1210 Wien

Meriangasse 3-5, 1210 Wien

Mayerweckstraße 2-8, 1210 Wien

Litschauweg 5, 1210 Wien

Litschauweg 1, 1210 Wien

Heidenreichsteinweg 2, 1210 Wien

Heidenreichsteinweg 1, 1210 Wien

Göpfritzgasse 6, 1210 Wien

Göpfritzgasse 1, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Der Oskar-Helmer-Hof befindet sich unter anderem auf Gründen des 1933 errichteten Strebersdorfer Militär-Barackenlagers. Im Jahr 1945 wurden hier flüchtende Sudetendeutsche in großer Zahl untergebracht. Vor 1945 war das Areal, wie der gesamte XXI. Bezirk, als letzter Stützpunkt der deutschen Wehrmacht in Wien massiv von Kriegsschäden betroffen. Auch die Luftangriffe 1944 und 1945 versehrten diesen Teil von Strebersdorf. Nach Kriegsende erwies sich die Nutzung der Grundstücke als unzweckmäßig - die beschädigten Gebäude harrten ihrer Abtragung. In den 1950er-Jahren erwarb schließlich die Gemeinde Wien nach und nach die Parzellen zwischen Rußberg-, Mayerweck- und Prager Straße und begann mit einer grundlegenden städteplanerischen Neugestaltung des Areals. Ein gänzlich neues Gassennetz entstand bei der Errichtung vier großer Wohnanlagen. Mit dem Bau des Oskar-Helmer-Hofs konnte ab 1960 begonnen werden. Die Anlage wurde in mehreren Etappen bis 1967 ausgebaut. Die angrenzende Schule in der Roda-Roda-Gasse wurde nach Plänen der Architektin Elise Sundt errichtet. Ein Kinderfreibad sowie Kinderbetreuungseinrichtungen, Geschäfte und Cafés bieten den Bewohnern eine hervorragende Infrastruktur. Ab 2007 erfolgte die farbliche Neugestaltung der Anlage im Zuge einer groß angelegten Sanierung. 2008 wurde hier der erste Nachbarschaftsgarten im Gemeindebau eingerichtet.

Die Architektur

Der Oskar-Helmer-Hof wurde zu Beginn der 1960er-Jahre als verkehrsarme Mustersiedlung geplant. Die Anlage umfasst insgesamt 112 Stiegen, welche in mehreren Bauetappen errichtet wurden. Die Stiegen sind zu langen, zeilenförmigen Trakten mit zwei bis drei Geschoßen gekoppelt. Die Eingänge befinden sich nach Norden hin und sind farblich sowie durch die versetzten Fenster der Stiegenhäuser akzentuiert. An den Südseiten wird das Fassadenbild von Loggien bestimmt. Diese sind ebenfalls farblich different gestaltet und werden in Teilen der Anlage zusätzlich von vorgelagerten Fassadenelementen gerahmt. Die zweckmäßige Anordnung der Fenster strukturiert und rhythmisiert die Fassaden an den Nord- und Südseiten. An den Schmalseiten mancher Zeilen befinden sich Loggien, Balkone und französische Fenster. Die sonst schlichten Fassaden sind von durchgängigen Hauptgesimsen abgeschlossen. Die Giebeldächer sind sehr flach gehalten. In einem quer ausgerichteten Trakt an der Prager Straße sind Wohnungen für ältere Menschen eingerichtet. Auf Geschäftszonen im Bereich des Erdgeschoßes wurde verzichtet. Durch die Errichtung einer Ladenbauzeile konnte eine funktionelle Trennung von Wohnen und Einkaufen erreicht werden. Das große, als Bauplatz zur Verfügung stehende Areal machte hier die Umsetzung eines städtebaulichen Ideals der 1960er-Jahre möglich. Schlichte Formensprache, hoher Wohnkomfort, eine großzügig angelegte, öffentliche Grünanlage sowie die Zeilenform der Wohnblöcke sind die wesentlichen Merkmale dieses architektonischen Entwurfs.

... und die Kunst

In der Meriangasse befindet sich die Plastik "Elch" von Gertrude Fronius. Die Tierfigur wurde in Naturstein und Bronze ausgeführt. Die Figurengruppe "Straßenmusikanten" von Alexander Wahl, auf einer Grünfläche in der Anlage, besteht ebenfalls aus Naturstein. Beide Figuren entstanden in den Jahren 1963 bis 1966. Die kunststeinerne Spielplastik "Knödelfresser" (1960/61) von Franz Pixner befindet sich im angrenzenden Kindergarten. Die Schule in der Roda-Roda-Gasse ist mit dem farbigen Steinzeugrelief "Ornamentale Figurengruppe" von Peter Weihs und der Natursteinplastik "Sitzendes Mädchen" von Hilde Uray ausgestattet. An der Seitenwand der lang gestreckten Hauptzeile in der Meriangasse ist eine Gedenktafel für Oskar Helmer angebracht.

Der Name

Die Wohnanlage wurde 1970 nach Oskar Helmer (1887-1963) benannt. Oskar Helmer trat nach seiner Ausbildung zum Schriftsetzer 1903 der SDAP bei. Er wurde aktiver Gewerkschafter und Sekretär der Wiener Neustädter Parteiorganisation. Obwohl er sich um innenpolitische Ruhe und Zugeständnisse an die Christlichsozialen bemühte, wurde Oskar Helmer 1934 verhaftet. Auch von den Nationalsozialisten wurde er inhaftiert. Nach 1945 arbeitete er intensiv im Rahmen des Wiederaufbaus. Besonders engagierte er sich für den Aufbau einer demokratischen Exekutive, die Zurückdrängung des Einflusses der sowjetischen Besatzungsmacht und der KPÖ in Verwaltung und Polizei sowie eine funktionierende "Großen Koalition" mit der ÖVP. Von 1945 bis 1947 war Oskar Helmer Landesobmann der SPÖ Niederösterreich, bis 1959 stellvertretender Bundesparteiobmann und danach Bundesrat und Präsident des Aufsichtsrates der Österreichischen Länderbank.

Sanierung

von 2006 bis 2009

Der Oscar-Helmer-Hof wurde in den Jahren 2006 bis 2009 umfassend saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie durch das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Gesamtkosten betrugen 7.355.500 Euro, davon konnten 2.207.619 Euro über Förderungen abgedeckt werden.

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