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Rasumofskygasse 22

Fakten

Rasumofskygasse 22

Rasumofskygasse 22, 1030 Wien

Baujahr: 1803-1807

Wohnungen: 9

Architekt: Louis de Montoyer

Wohnen in Wien

Nach dem endgültigen Zurückdrängen des Osmanischen Reiches zu Ende des 17. Jahrhunderts konnte in Wien und seinen zerstörten Vorstädten mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Die stark einsetzende Bautätigkeit hatte eine Barockisierung des Stadtbildes zur Folge. Die weitreichenden Reformen unter Joseph II. führten 1783 auch zur Modernisierung der Stadtverwaltung. Die Einführung der ersten Hausnummern (Konskriptionsnummern) sowie die Entwicklung der Kanalisation und Straßenreinigung fallen in diese Zeit. Die Auflassung zahlreicher Klöster und Friedhöfe schuf zudem neue Bauplätze.

Geschichte

Ab 1806 ließ der russische Gesandte in Wien, Fürst Andrej Kyrillowitsch Rasumofsky, vom Architekten Louis de Montoyer das noch heute bestehende Palais Rasumofsky errichten. Der Gebäudekomplex Rasumofskygasse 20-24 wurde ab 1803 als Stall- und Wirtschaftsgebäude des gegenüberliegenden Palais erbaut. Nach dem Tod des Fürsten 1836 wechselte die Anlage mehrmals den Besitzer. Ab 1848 wurden die ein- bis zweigeschoßigen Wirtschaftsgebäude aufgestockt und als Zinshäuser adaptiert.

Die Architektur

Die abgestufte Fassadenfront nimmt Bezug auf den Grundriss des Palais, das einst einen repräsentativen Vorplatz umschloss. Wie das Palais wurden auch die Wirtschaftsgebäude in strengen klassizistischen Formen errichtet, wie noch an den unteren Geschoßen zu erkennen ist. Der Gebäudeteil Nr. 20 ist durch schlichte Wandvorlagen gegliedert, welche die zwei unteren Geschoße umfangen. Die zentrale Fensterachse wird von gedoppelten Wandvorlagen eingefasst. Die beiden anschließenden Gebäudeblöcke sind, der ursprünglichen Nutzung als Remisen und Stallungen entsprechend, mit Rundbogentoren versehen. Das Gebäude Nr. 22 wird im Erdgeschoß nur von horizontalen Kanneluren durchzogen, die sich allerdings über den gesamten Komplex erstrecken.
Die beiden später aufgesetzten Etagen vereinheitlichen den gesamten Gebäudekomplex. Sie sind der Zeit entsprechend mit historistischem Dekor versehen. Während die untere Fensterreihe mit einem Relieffeld und Gebälk abgeschlossen wird, finden sich über den darüber liegenden Fenstern Dreiecksgiebel. Am Haus Nr. 20 werden die beiden mittleren Fensterachsen durch einen massiven Dreiecksgiebel zusammengefasst. Am Haus Nr. 22 sind es jeweils die beiden äußersten Achsen, die zusammengezogen sind und dadurch Akzente setzen. Die Fenster des obersten, noch später aufgesetzten Geschoßes werden nur durch eine leichte Profilierung umrahmt.

Prominente Bewohner

In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts wohnte hier der jüdische Schriftsteller und Herausgeber Karl Emil Franzos (1848-1904). Sein Werk ist von dem Versuch gekennzeichnet, das Judentum mit dem Deutschtum in Einklang zu bringen. Seine in Ostgalizien angesiedelten Ghettoromane gewähren Einblick in eine damals völlig unbekannte Welt.

Sanierung

von 1983 bis 1985

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1983 bis 1985 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung von Fassade, Fenstern und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Louis de Montoyer - Louis de Montoyer (um 1749-1811) war zunächst für den habsburgischen Statthalter, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, in Brüssel tätig, für den er dort den Königspalast (Schloss Laeken) errichtete. 1795 folgte er Albert nach Wien und baute für ihn die "Albertina" in klassizistischer Manier um. In der Hofburg entstanden nach Montoyers Plänen der Zeremoniensaal und die Hofkapelle. 1807 wurde er von Kaiser Franz I. zum Hofarchitekten ernannt.

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