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Mexikoplatz 1

Fakten

Mexikoplatz 1

Mexikoplatz 1, 1020 Wien

Baujahr: 1961-1962

Wohnungen: 172

Architekt: Franz Mörth, Rudolf Angelides, Lutz Lernhart

Weitere Adressen

Wehlistraße 164-166, 1020 Wien

Engerthstraße 179-183, 1020 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Das Areal um den Mexikoplatz war zum Teil bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Augebiet. Die heutige Uferkante des Donaustroms entstand erst durch die 1875 abgeschlossene Donauregulierung. In der Folge wurde auf dem neu gewonnenen Bauland entlang des Donauufers durch die Anlage von Vorgartenstraße, Engerthstraße und Wehlistraße eine Rasterverbauung konzipiert, die bis 1910 vor allem aus Zweckbauten, wie Fabriken, Lagerhäusern und Schiffsstationen, gemischt mit einfachen Wohnbauten bestand. Der heutige Mexikoplatz wurde 1884 angelegt, als Bindeglied zwischen der ersten, 1876 eröffneten Reichsbrücke und der zum Praterstern führenden Lassallestraße. Die großflächigen Baulücken um den Platz wurden nach 1945 mit Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien geschlossen.

Die Architektur

Die zehn Stiegenhäuser beherbergende Wohnhausanlage besteht aus einer fast geschlossenen, auf den Mexikoplatz ausgerichteten Vierkantverbauung zwischen Wehlistraße und Engerthstraße und einem davon abgetrennt dahinter liegenden Bauteil (Stiege 10) an der Engerthstraße. Das Erdgeschoß der Hauptfront am Mexikoplatz ist etwas hinter die Fassadenflucht zurückversetzt, in große Glasflächen aufgelöst und als Geschäftszone ausgebildet. Darüber erhebt sich die glatte Front der fünf Obergeschoße, die von zwei symmetrisch angelegten Blöcken großzügiger Balkone dominiert wird. Eine Achse mit zum Teil nachträglich verglasten Loggien öffnet den Bau zur Wehlistraße. Gliedernde Akzente werden hier durch französische Fenster gesetzt. Die Front zur Engerthstraße ist zudem mit Balkonen ausgestattet. Ein farblich abgesetztes Dachgesims schließt die Blockrandverbauung kompakt nach oben hin ab. Sowohl von der Wehlistraße als auch von der Engerthstraße aus führt ein schlicht ausgeschnittener Durchgang in den Innenhof. Hier bestimmen neben Loggien und Balkonen die großzügig verglasten Stiegenhäuser den Fassadenaufbau. Sie sind leicht hinter die Fassadenflucht gesetzt und werden durch Dachaufbauten für die Aufzüge turmartig überhöht. Im hinteren Hofbereich befindet sich ein ebenerdiges, als Gemeinschaftssaal konzipiertes Gebäude. Der abgesetzte Bauteil in der Engerthstraße grenzt einen hier befindlichen Autoabstellplatz ein.

... und die Kunst

Im Hof der Wohnhausanlage befindet sich - in ein rechteckiges, gemauertes Becken gesetzt - eine von Margarete Bistron-Lausch gestaltete Brunnenplastik aus Bronze (1960-1963).

Der Name

Der Platz, an dem die Wohnhausanlage steht, wurde 1956 nach dem Staat Mexiko benannt. Der Grund hierfür ist, dass Mexiko der einzige Staat war, der 1938 formell gegen die Besetzung Österreichs durch Deutschland protestierte. Bis 1884 wurde der Platz nach der in der Nähe befindlichen Schwimmschule "Schwimmschulmais" bezeichnet, 1884 - 1919 Erzherzog-Karl-Platz, nach dem Sieger von Aspern, 1919 - 1934 Volkswehrplatz, nach der 1918 zum Schutz Österreichs gebildeten Volkswehr, danach wieder Erzherzog-Karl-Platz.

Sanierung

von 2010 bis 2013

Die Wohnhausanlage wurde bis 2013 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie die Instandsetzung der Loggien und Balkone. Die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen.

Architekten

Franz Mörth - Franz Mörth (1902-1962) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien (Diplom 1926). Nach dem Studium war er zunächst im Büro von Robert Oerley beschäftigt, machte sich aber 1928 als freischaffender Architekt in Wien selbstständig. Eines seiner frühen Werke ist die Villa für Franz Hoffmann in Wien 13 (Mühlbachergasse 14, 1929/30). Während des Krieges war er vor allem im NS-Industriebau tätig, so bei den Saurer-Werken und den Steyr-Werken. Nach dem Zweiten Welkrieg entwarf er Werksiedlungen für die VOEST in Linz, Kapfenberg und Donawitz. In Wien entstand das Gemeindewohnhaus Hohenbergstraße 24-32 in Wien 12 nach seinen Plänen. Sein bedeutendster Aufrag war die Beteiligung am Bau der Arbeiterkammer Wien (gemeinsam mit Kurt Vana und Alexis Franken, Wien 4, 1957/60).

Rudolf Angelides - Der in Konstantinopel (heute Istanbul/Türkei) geborene Rudolf Angelides (1917-2000) studierte ab 1937 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1943 während eines Studienurlaubs vom Kriegsdienst sein Diplom erhielt. Nach dem Krieg war er zunächst bei der Baufirma Schärdinger und später im Büro von Robert Kotas beschäftigt. 1951 machte sich Angelides als Architekt selbständig, wobei er neben zahlreichen Wohnbauten vor allem auch Gebäude für das evangelische Kirchenbauamt ausführte. So wurden unter anderem die evangelischen Kirchen in Berndorf (NÖ, 1958), in Bruck/Leitha (NÖ, 1962) und die evangelischen Gemeindezentren Sebastianplatz 4 in Wien 3 (1958) und Jagdschlossgasse 44 in Wien 13 (samt Kirche, 1957-1960) nach seinen Plänen errichtet.

Lutz Lernhart - (Alois) Lutz Lernhard (1915-2005) begann bereits vor dem Zweiten Weltkrieg sein Architekturstudium bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien, das er ebendort nach dem Krieg bei Clemens Holzmeister beendete. Zusammen mit Rudolf Angelides plante er etwa die kommunale Wohnhausanlage Haeckelstraße 4 in Wien 23 (1953/54).

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