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Quellenstraße 24a

Fakten

Quellenstraße 24a

Quellenstraße 24a, 1100 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 176

Architekt: Max Hans Joli

Weitere Adressen

Wilczekgasse 9-11, 1100 Wien

Laimäckergasse 12-20, 1100 Wien

Chiarigasse 1-3, 1100 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet von Favoriten noch weitgehend unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung begann erst mit der Errichtung des Arsenals (1849-1856), des Südbahnhofs (1867-1870) und der Bautätigkeit an der Ringstraße, wodurch die in Favoriten ansässigen Ziegelfabriken einen großen Aufschwung erlebten. Die günstige Verkehrsanbindung durch den neuen Südbahnhof hatte zudem die Ansiedlung zahlreicher Betriebe zur Folge. Um Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter zu schaffen, wurde das Gelände bis zur Quellenstraße nach einem Rasterplan mit viergeschoßigen Zinshausblöcken verbaut. Nach dem Börsenkrach 1873 stagnierte allerdings die Bautätigkeit. Ab 1890 kam es durch die Ansiedlung von mittelgroßen Fabriken entlang der Quellenstraße, wie etwa der Ankerbrot-Fabrik (1892), zu einem neuerlichen Wachstumsschub. In dieser Phase wurde auch das Schulgebäude (heute als Kindergarten genutzt) in der Laimäckergasse errichtet (1910-1914), um das man rund 18 Jahre später die Wohnhausanlage erbaute.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage nimmt fast vollständig ein von vier Straßen umschlossenes Areal in der rasterflächigen Verbauung von Favoriten ein. Eingeschoben ist nur ein bereits 1910 bis 1914 errichteter Schulbau an der Laimäckergasse, der in die Wohnhausanlage integriert wurde. Das in Klinker gefasste Erdgeschoß der Hauptfront an der Quellenstraße ist als Geschäftszone ausgebildet. Lange Balkone und rund ausgeschnittene Loggien prägen die Front der drei Obergeschoße. Klinkerverkleidete Eckloggien öffnen die Wohnhausanlage in einem ebenerdigen Torbau zum Innenhof. Schlichte Fensterrahmungen und die Loggien begleitende Gesimse setzen dezente dekorative Akzente, die sich auch an den schlichteren Seitenfronten wiederfinden.

Der Schulbau an der Laimäckergasse ist in zwei massiv vortretende Erkertürme eingefasst. An der Wilczekgasse ist der Mittelteil hingegen zurückversetzt. Beide Fronten werden von rundbogigen Loggienachsen durchbrochen und sind mit Balkonen ausgestattet. Die Rückfront an der Chiarigasse ist dagegen vollkommen geschlossen und zur Mitte hin wehrbauartig vor- und hochgestuft. Dieser überhöhte Mitteltrakt dominiert auch den weitläufigen Innenhof und ist hier repräsentativ in zwei gerahmte, runde ausgeschnittene Loggienachsen aufgelöst. Polygonale Erker und Klinkerfelder leiten zu den niedrigeren Seitentrakten über, die über zahlreiche Balkone und Loggien verfügen.

Der Name

Der Quellenplatz ist seit 1874 nach dem im Bereich Laimäckergasse/Absberggasse befindlichen Behälter der Ersten Wiener Hochquellwasserleitung benannt.

Sanierung

von 1995 bis 1997

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1997 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Erneuerung von Dach, Fenstern und Türen umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden elf neue Wohnungen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits ab 1989. Die Kosten beliefen sich auf 7.624.307 Euro, davon konnten 5.757.557 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Max Hans Joli - Max Hans Joli (1879-1946) absolvierte zunächst die Höhere Staatsgewerbeschule in Wien und studierte im Anschluss daran von 1900 bis 1903 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule von Otto Wagner besuchte. Ab etwa 1905 war Joli als selbstständiger Architekt in Teschen (Österreich-Schlesien; heute Grenzgebiet Tschechien-Polen) tätig. Neben mehreren Landhäusern entstand in dieser Zeit auch das Realgymnasium in Freudenthal (um 1909; gemeinsam mit Eugen Fulda). Ab 1912 war Joli wieder in Wien ansässig. Während des Ersten Weltkriegs wurde er mit dem Bau mehrerer Flüchtlingslager beauftragt, so etwa in Bruck/Leitha und Pottendorf (beide NÖ). Sein einzig bekanntes Bauwerk aus der Zwischenkriegszeit ist die WHA Quellenstraße 24a in Wien 10 (1928/29).

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