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Johann-Holzer-Hof

Fakten

Johann-Holzer-Hof

Simmeringer Hauptstraße 106-108, 1110 Wien

Baujahr: 1960-1961

Wohnungen: 69

Architekt: Willy Grunert

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Simmering ein von Äckern und Gärten umgebenes, kleines Dorf. Erst Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier große Betriebe an, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, wie etwa die Maschinen- und Waggonfabrik AG und die erste Fabrik der Unternehmerfamilie Mautner Markhof. In der Folge entwickelte sich Simmering zum Arbeiter- und Industrievorort, der 1892 zusammen mit Kaiserebersdorf sowie kleinen Teilen von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk nach Wien eingemeindet wurde.
Gemeinsam mit dem Johann-Holzer-Hof wurde entlang der Simmeringer Hauptstraße eine ebenerdige Geschäftszeile errichtet. Diese wurde jedoch im Zuge der U3-Verlängerung nach Simmering im Jahr 1995 abgerissen und durch einen neuen Gemeindebau (Simmeringer Hauptstraße 108a) ersetzt, weshalb der Johann-Holzer-Hof heute deutlich von der Straße zurückversetzt und abgeschottet erscheint.

Die Architektur

Das frei stehende, acht Geschoße umfassende Wohnhaus liegt heute isoliert hinter einem neuen, an der Simmeringer Hauptstraße errichteten Gemeindebau. Durch seine Höhe und seine Breite wirkt das Gebäude beinahe wie ein Schild, das ursprünglich über den einstigen ebenerdigen Geschäftstrakt an der Straße hinausragte. Die Vorderfront wird von zwei Loggienachsen eingefasst und springt zwischen diesen leicht zurück. Die Fassade ist von der niedrigen Sockelzone bis zum Dachgesims ohne horizontale Einschnitte glatt hochgezogen. Strukturiert wird sie durch Achsen unterschiedlich großer Fenster. Zwei zentrale Achsen von Loggien, deren Brüstungen auf die Fassadenflucht der äußeren Loggienachsen vorgezogen sind, brechen die kompakte Front zur Mitte hin auf. Dadurch kommt es zwar zu einer Zentrierung auf die beiden schmalen Fensterachsen zwischen den Loggien, eine symmetrische Gliederung ist aufgrund der unregelmäßigen Anordnung der äußeren Fensterachsen jedoch nicht gegeben. Der Aufbau der Rückfront folgt einem ähnlichen Schema. Die äußersten Achsen sind hier nun mit Fenstern besetzt. Erst im Anschluss daran befinden sich Loggien, die zur nach hinten versetzten Front überleiten, wodurch die inneren Ecken frei überhängen. Wie an der Vorderseite wurden die Loggien auch hier zum Teil nachträglich verglast.

... und die Kunst

In der Grünanlage steht eine von der Künstlerin Andrea Schrittwieser aus Naturstein hergestellte Spielplastik, eine sehr zierliche, aber dennoch dynamisch geformte Rutsche (1960-1962).

Der Name

Ein Gedenkstein in der Grünanlage erinnert an den Namensgeber der Wohnhausanlage, Johann Holzer (1907-1976). Er trat bereits 1923 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei und war bis 1934 aktiv im Republikanischen Schutzbund tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich am Aufbau des ÖGB. Der langjährige Simmeringer Bezirksrat und stellvertretende Bezirksobmann der SPÖ Simmering war zuletzt Generaldirektor-Stellvertreter der Creditanstalt.

Sanierung

von 2013 bis 2015

Die Sanierung des Johann-Holzer-Hofs fand in den Jahren 2013 bis 2015 statt. Neben der Instandsetztung des Daches umfassten die Arbeiten unter anderem auch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie der Haustechnik. Die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt.

Architekten

Willy Grunert - Der aus Sachsen stammende Willy Grunert (1897-1978) studierte an der Technischen Hochschule und an der Kunstakademie in Dresden. Schon früh arbeitete er als Städteplaner im Atelier von Adolf Muesmann mit. Nach Beendigung seines Studiums machte er sich als Architekt in Dresden selbstständig und nahm bald eine führende Rolle auf dem Gebiet des gemeinnützigen Wohnungsbaus ein. Nach seinen Plänen entstanden in und um Dresden einige Tausend Wohnungen. Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelte Grunert nach Wien, wo er sich vor allem am Wiederaufbau von Wiener Neustadt sowie am Wohnhausbau der Gemeinde Wien beteiligte. Aufgrund seiner Verdienste um den Wohnhausbau wurde ihm das Ehrenamt eines Bezirksrats der Gemeinde Wien übertragen, durch das er entscheidenden Einfluss auf die Assanierungspläne der Wiener Innenstadt hatte.

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