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Salvatorgasse 10

Fakten

Salvatorgasse 10

Fischerstiege 1-7, 1010 Wien

Baujahr: 1952-1954

Wohnungen: 116

Architekt: Otto Niedermoser

Weitere Adressen

Salvatorgasse 10, 1010 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 m² auf 55 m² angehoben.

Geschichte

Nach umfangreichen Kriegszerstörungen im Bereich des so genannten Textilviertels war ein Wettbewerb mit städtebaulichem Anspruch zur Neugestaltung desselben ausgeschrieben worden. Die baukünstlerisch und architektonisch ansprechendsten Entwürfe stammten von Otto Nadel, Alfred Kratochwil und vom Architektenduo Boltenstern-Wachberger. Das Projekt von Otto Niedermoser und Hans Petermair bot jedoch in städtebaulicher Hinsicht die überzeugendste Lösung und kam schließlich zur Ausführung. Das Gesamtprojekt, das im April 1951 vom Gemeinderat abgesegnet wurde, legte im Entwurf 148 Wohnungen, über 800 m2 Geschäftsräume und etwa 1.290 m² Büroräume an. Auch der für die Nachkriegszeit noch relativ untypische Ausbau des Dachgeschoßes zu Ateliers war von Beginn an vorgesehen.

Die Architektur

Bei den wenigen Gemeindebauten der Nachkriegszeit in der Innenstadt handelt es sich in erster Linie um die Schließung von Bombenlücken aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Anlage Fischerstiege (diese umfasst sowohl den Bau mit der Hausnummer 4-8 als auch die gegenüberliegende Nummer 1-7) kann man jedoch von einer größeren städtebaulichen Überbauung sprechen, die einerseits auf den bestehenden Altstadtgrundriss Bezug nahm, andererseits aber das moderne Modell der "Wohnhöfe" akzeptierte. Die gesamte Wohnanlage wurde in die - über fünf Meter hohe - Geländekante gebaut. Diese spezielle Niveausituation wurde sehr geschickt genützt, sodass der Bau eine besonders ansprechende, weil Abwechslung bietende Gestaltung der beiden Innenhöfe erlaubte. Die einfach verputzte Lochfassade mit diskret gerahmten Fenstern fügt sich gestalterisch in die umliegende Bebauung ein. Ebenso wurden diverse direkt angrenzende Gesims- und Traufenhöhen aufgenommen und in ein leichtes Fassadenspiel übertragen. Daraus und aufgrund des stark abfallenden Straßenniveaus der Fischerstiege ergibt sich eine horizontal abgetreppte Fassaden¬struktur. Die vertikale Gliederung in Erdgeschoß mit Geschäftseinbauten, Zwischengeschoß (einfach oder doppelt) und Hauptzone mit vier bzw. fünf Regelgeschoßen wird nach oben hin in einem der Architektursprache des Viertels Genüge tragenden Steildach mit Dachgaupen abgeschlossen. Der Eckbau weist in der Salvatorgasse eine zweite Schauseite auf, wo die gestalterischen Elemente der Nachbarhäuser noch direkter übernommen wurden: Das Erdgeschoß ist hier mit Bänderung und Rundbogenfenstern ausgeführt.

... und die Kunst

Das Eingangstor in der Salvatorgasse ist mit einem Taubenfries von Josef Pillhofer (1953) geschmückt. Der Eingangsbereich in der Fischerstiege zeigt ein als Steinrelief ausgeführtes Motiv aus Fischerzunft und Fischhandel: "Fischer" von Rudolf Schwaiger 1953.

Der Name

Urkundlich wurde die Fischerstiege erstmals 1373 erwähnt. Vor dem Haus Nr. 3, welches selbst in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einer Einsturzkatastrophe zum Opfer fiel, stand bis Ende des 18. Jahrhunderts das zur Babenbergischen Stadtmauer gehörige Fischertor - ein kleines Tor, das unter der Regierungszeit Josef II. entfernt wurde. Eine Gedenktafel an der Wand des Hauses Nr. 3 zeigte die Abbildung einer über eine Brücke zur Stadtmauer und zum Stadttor führenden Stiege und war mit der Inschrift "Dieses Haus steht in Gottes Hand, zur Fischerstiege wird es benannt" versehen. Der Name der Straße ist also auf jenen ursprünglichen Zustand zurückzuführen, da eine Stiege die Stadtbewohner über Brücke und Stadttor mit den Fischern und Fischhändlern und deren lebensnotwendigen Produkten am kiesigen Strand der Donau, dem heutigen Donaukanal, verband.

Sanierung

von 1988 bis 1990

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 bis 1990 erfolgte neben dem Anschluss an die Fernwärme Wien unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 402.389 Euro, davon konnten 230.838 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Otto Niedermoser - Otto Niedermoser (1903-1976) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule Bühnenbild bei Alfred Roller und Architektur bei Josef Hoffmann. 1925 wechselte er an die Akademie der bildenden Künste, wo er sein Studium bei Peter Behrens abschloss. Niedermoser war vor allem als Innen- und Filmausstatter tätig, wie etwa bei den Filmen "Der Engel mit der Posaune" (1948) und "1. April 2000" (1952). Sein bedeutendstes architektonisches Werk ist der mit Hans Petermaier geplante Wiederaufbau der Fischerstiege und der angrenzenden Wohnhäuser in Wien 1 (1952-1954).

Freie Lokale

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