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Hedwig-Lehnert-Hof

Fakten

Hedwig-Lehnert-Hof

Prager Straße 92-96, 1210 Wien

Baujahr: 1981-1983

Wohnungen: 182

Weitere Adressen

Josef-Zapf-Gasse 6, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Seit der Jahrhundertwende hatte sich Floridsdorf durch seine Lage an der Donau, den Verlauf der Nord- bzw. Nordwestbahn und Niederlassungen zahlreicher Produktionsstätten kontinuierlich zu einem Industrie- und Verkehrszentrum entwickelt. Dem Wohnungsbedarf der Arbeiter entsprechend, wurde bereits früh mit der Errichtung großer Wohnanlagen begonnen. Während des Zweiten Weltkrieges war Floridsdorf massiv von den Kriegszerstörungen betroffen, zumal der Bezirk letztes Rückzugsgebiet der Nationalsozialisten in Wien war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Industrie nur teilweise wieder errichtet. Die Tradition im Wohnbau hingegen wurde mit dem Bau großer Anlagen fortgesetzt. Einige Grundstücke waren noch unverbaut. 1980 wurde die Baubewilligung für den Hedwig-Lehnert-Hof erteilt. Während der Bauzeit wurde auch der angrenzende Denglerpark angelegt. 1984 war der Komplex benutzungsbereit und ist heute, bis auf kleinere Umbauten, in seiner ursprünglichen Form erhalten. Die Wohnanlage in der Prager Straße 192 reflektiert in ihrer Gestaltung die Ortsgeschichte.

Die Architektur

Die Wohnanlage erstreckt sich zwischen der Prager Straße, der Josef-Zapf-Gasse und dem Denglerpark auf abgetrepptem, üppig begrüntem Gelände. Sie umfasst 15 Stiegen. Diese sind zu zwei langen Zeilen gebunden, welche annähernd in Form eines offenen Paralellogramms mit zahlreichen Druchfahrten bzw. Durchgängen auf dem Grundstück errichtet wurden. Die Anordnung der Baukörper ermöglicht Lärm- und Windschutz. Die Grünräume sind im Südosten und Süden gelegen. Sie schließen unmittelbar an den Denglerpark an. Ein differenziertes Angebot an Wohnungstypen mit zu den Grünflächen hin orientierten Haupträumen steht den Bewohnern zur Verfügung. Zur Prager Straße bildet ein zweigeschoßiger Trakt die einzige Straßenfassade. Diese ist funktional-blockhaft gestaltet. Das Erdgeschoß ist von der zwischen Wandpfeilern eingesenkten Geschäftszone ausgefüllt. Mit schmalen, durchgängigen Fensterbändern, einer breiten Einfahrt und einem hinter dem Gebäude aufragenden "Schlot" (eines der Stiegenhäuser) erinnert dieser Trakt eher an ein Industriegebäude als an eine Wohnanlage. Die Fassaden der gesamten dahinter befindlichen Anlage sind vom additiven Charakter ineinander gestaffelter Blockformen geprägt. Sie vermitteln den Eindruck modulartiger Flexibilität. Zwischen unterschiedlich vor- und zurückversetzten Blöcken, Balkonen und Wandpfeilern liegen horizontal verlaufende Elemente mit Rasterwirkung. Die Baukörper sind zwischen ein und sechs Geschoße hoch. Die Erdgeschoße haben Privatgärten, im vierten und fünften Obergeschoß sind Maisonettewohnungen untergebracht. Die Stiegenhäuser sind in massiven, runden, von der restlichen Fassade deutlich abgesetzen Turmmodulen untergebracht. Diese wirken wie Gelenke an den Knickpunkten der Baukörper. Insgesamt zeichnet sich die Anlage durch hohe Wohnqualität und eine optimale Grünraumversorgung aus.

... und die Kunst

Die Künstlerin Elisabeth Ernst gestaltete 1982 drei Durchgänge und sieben Hauseingänge in der Wohnanlage. Die großflächigen Wandbilder aus rechteckigen Kacheln sind mit dem Leben in der Wohnanlage, Freizeit, Natur- und Tierdarstellungen befasst. In einem der Durchgänge befindet sich die Darstellung eines Aktes, auch Mutterschaft ist ein Thema. Die Figuren sind stark schematisiert und gleichen Piktogrammen, wie sie in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren beliebt waren. Die figuralen Elemente sind - meist Schwarz auf Weiß - von den umgebenden Gegenständen und raumsuggerierenden, rechteckigen Farbfeldern unterschiedlicher Größen abgehoben. Teilweise weisen die Darstellungen einen erzählenden Charakter mit Denkverbindungen zwischen den einzelnen Tafeln auf. Raster und Muster lenken den Blick. Die Wandbilder fügen sich in die architektonische Gestaltung des Baus ein, beziehen sich stark auf diese und stellen Elemente der Architektur dar.

Der Name

Hedwig Lehnert (1898-1977, geb. Ratzenberger) wurde zunächst Kindergärtnerin. Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie nach Wien und trat 1925 der SDAP bei. Bald darauf wurde sie Funktionärin der Sektion Kagran, welches damals zu Floridsdorf gehörte. 1934 und 1935 wurde Hedwig Lehnert wegen ihrer politischen Tätigkeit mehrere Wochen inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie Bezirksobmannstellvertreterin und Landtagsabgeordnete. Sie gehörte bis 1963 dem Wiener Gemeinderat an und war Vorsitzende des Gemeinderates für öffentliche Unternehmungen.

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