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Leopold-Horacek-Hof

Fakten

Leopold-Horacek-Hof

Lenkgasse 1-3, 1220 Wien

Baujahr: 1975-1977

Wohnungen: 124

Architekt: Heinrich Schmid

Weitere Adressen

Anton-Sattler-Gasse 64-68, 1220 Wien

Steigenteschgasse 2-4, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Der Wohnbau liegt nahe der Wagramer Straße, die von der Alten Donau über Kagran in Richtung Marchfeld führt. In der Umgebung der Anlage gab es um die Jahrhundertwende vereinzelt Fabriken, im Osten eine Gummiwaren-Fabrik und weiter westlich wurde eine Bleicherei und Färberei betrieben. In den 1920er-Jahren wurde die Wohnbautätigkeit in diesem Gebiet verstärkt in Angriff genommen. Mit dem Bau der betreffenden Wohnhausanlage wurde eine freie Baulücke zwischen der Anton-Sattler-Gasse und einem älteren Wohnbau geschlossen.

Die Architektur

Der Wohnbau aus den 1970er-Jahren erstreckt sich über einem rechteckigen Areal entlang der Anton-Sattler-Gasse, zwischen der Lenkgasse und der Steigenteschgasse. Die Stiegenhäuser sind durchwegs über den Hof zugänglich, der über je einen Durchgang in der Lenkgasse und in der Steigenteschgasse zu erreichen ist. Die Anlage verläuft über einem langgezogenen U-förmigen Grundriss und schließt im Osten mit den beiden Seitentrakten direkt an einen Wohnbau aus den 1920er-Jahren an. Mit der Wahl der
Grundrisslösung wurde auf die gegebene Situation, vor allem auf die Form und Größe des Bauplatzes, Rücksicht genommen. Da der Wohnbau in der Höhe gestaffelt angelegt ist, passt er sich trotz der sechs bis sieben Geschoße gut in die umliegende Bebauung ein. Die Erdgeschoßzone neben den beiden Eingängen wird von einem einfachen Arkadengang eingenommen, über dem sich die restlichen Stockwerke erheben. Das Motiv der Staffelung wird an der Fassade aufgenommen, risalitartige Bauteile sorgen für einen plastischen Gesamteindruck. Die unterschiedliche Farbigkeit und Rahmung der Fenster sorgt sowohl für eine regelmäßige Gliederung als auch für eine Auflockerung der Wohnhausanlage. Dazwischen sind mehrere Achsen mit verglasten Loggien ausgestattet, die den lebendigen Charakter des Wohnbaus ergänzen.

... und die Kunst

Im Innenhof der Wohnhausanlage befindet sich eine Plastik von Rudolf Schwaiger. Die Figurengruppe mit dem Titel "Drei Grazien" stellt drei weibliche Akte dar, die eng aneinander geschmiegt Rücken an Rücken stehen.

Der Name

Der Wohnbau ist nach dem ersten Bezirksvorsteher von Donaustadt benannt. Leopold Horacek (1907 - 1977) musste wegen seines Engagements für den Republikanischen Schutzbund im Februar 1934 mehrere Monate in Haft verbringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis 1959 als Bezirksvorsteher verantwortlich für den Wiederaufbau. Eine Gedenktafel am südlichen Durchgang zum Innenhof soll an seine Verdienste erinnern.

Sanierung

von 1999 bis 2000

Der Leopold-Horacek-Hof wurde in den Jahren 1999 und 2000 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 1.734.400 Euro, davon konnten 578.133 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Heinrich Schmid - Heinrich Schmid (1885-1949) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. 1912 eröffnete er mit seinem Studienkollegen Hermann Aichinger ein gemeinsames Atelier in Wien, das bald zu einem der führenden Architekturbüros der Zwischenkriegszeit wurde. Neben zahlreichen Wohnhausanlagen wie etwa dem Rabenhof (Wien 3) und dem Julius-Popp-Hof (Wien 5) wurden auch das Hanusch-Krankenhaus (Wien 14, Heinrich-Collin-Straße 30) und das Österreichische Verkehrsbüro (Wien 1, Friedrichstraße 7) nach ihren Entwürfen errichtet.

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