Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Karl-Heinz-Hof

Fakten

Karl-Heinz-Hof

Gerichtsgasse 3, 1210 Wien

Baujahr: 1974-1975

Wohnungen: 71

Architekt: Günter Krisch, Josef Ludwig Kalbac

Weitere Adressen

Peitlgasse 4, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Der Karl-Heinz-Hof ist eine Versuchs- und Vergleichswohnhausanlage. Im Jahr 1971 entwickelte der Wiener Architekt Josef Proksch die Großtafel-Fertigteilbauweise "Proktor". Diese Bauweise zeichnet sich vor allem durch an Ort und Stelle hergestellte Wand- und Deckenelemente, eine so genannte Feldfertigung und die Verwendung von Ziegelbausteinen als Baustoff (anstelle von Beton bei der herkömmlichen Plattenbauweise) aus. Das im Auftrag des Österreichischen Instituts für Bauforschung durchgeführte Projekt diente vorwiegend dazu, die herkömmliche Bauweise mit gemauerten Ziegelsteinen und die "Proktor"-Bauweise miteinander zu vergleichen. Dazu wurden zwei idente Wohngebäude in unterschiedlicher Art hergestellt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus zwei Wohnblöcken, die parallel zueinander im rechten Winkel zur Gerichtsgasse angeordnet sind. Die beiden fünfgeschoßigen Baukörper bestehen aus jeweils drei innen liegenden Stiegenhäusern, die je zwei Wohnungen mit ca. 75 Quadratmetern Nutzfläche erschließen. Aufgrund der Versuchs- und Vergleichsanforderung sind beide Bauten nach außen hin ident. Die nordöstlich angeordneten Eingänge sind jeweils durch fünf Meter breite und 50 Zentimeter tiefe Risalite gekennzeichnet. Die beiden Giebelfassaden sind eher zurückhaltend gestaltet. Eine vertikale Reihe von Fenstern, die je Geschoß ein dahinterliegendes Badezimmer belichten, ist in einem Risalit zusammengefasst, der in einer Länge von 3,5 Metern 15 Zentimeter vorspringt. An den Südwestfassaden dominieren halbintegrierte 2,5 Meter tiefe Loggien, die knapp einen Meter aus der Fassadenebene ragen. Zwischen je zwei Loggienreihen sind wiederum ca. zweieinhalb Meter breite und 30 Zentimeter tiefe Risalite angeordnet. Die Geländer der Loggien bestehen aus einem dreigeteilten, grünen Stahlblech mit darüber liegendem Handlauf. Die Gebäude sind mit einem nach innen geneigten Pultdach ausgestattet.

Der Name

Karl Heinz wurde am 16. September 1895 in Wien geboren. Er war Abgeordneter zum Nationalrat und Vorsitzender der Sozialistischen Jugendinternationalen. Nach der Auswanderung in die USA war er Lektor an der Universität Berkeley, Kalifornien. Am 7. November 1965 starb Karl Heinz in Berkeley. Am 11. März 1982 wurde im Gemeinderatsausschuss beschlossen, die Wohnhausanlage in Karl-Heinz-Hof umzubenennen.

Sanierung

von 2000 bis 2001

Der Karl-Heinz-Hof wurde in den Jahren 2000 und 2001 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 685.668 Euro, davon konnten 228.556 durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Günter Krisch - Günter Krisch (1922-1995) studierte ab 1948 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurden unter anderem die Wohnhausanlagen Sautergasse 40-42 in Wien 17 (1964/65) und Görgengasse 8 in Wien 19 (1969/70) errichtet.

Josef Ludwig Kalbac - Josef Ludwig Kalbac (1902-1980) studierte nach Abschluss einer handwerklichen Lehre bei Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule Wien Architektur. Als gelegentlicher Mitarbeiter im Büro Josef Hoffmanns war er unter anderem an den Inneneinrichtungen von dessen Reihenhäusern in der Wiener Werkbundsiedlung (1931/32) beteiligt und errichtete gemeinsam mit Hoffmann einen Wohnbau für die Gemeinde Wien im 5. Bezirk in der Blechturmgasse 23-27. Neben industriellen Holzhäusern für eine Wohnsiedlung in Wien Schwechat 1940/41 entstanden auch zahlreiche Projekte für Einfamilienhäuser und Siedlungen; im Jahr 1948-51 errichtete Josef Kalbac den Gemeindebau in der Malfattigasse 27-31.

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+