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Otto-Gratzl-Hof

Fakten

Otto-Gratzl-Hof

Engerthstraße 60-74, 1200 Wien

Baujahr: 1954-1957

Wohnungen: 351

Architekt: August Bauer, Josef Hansmann

Weitere Adressen

Stromstraße 47-49, 1200 Wien

Vorgartenstraße 37-45, 1200 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Seit 1850 gehörten die Orte Zwischenbrücken und Brigittenau zu Wien. Sie waren damals Teil der Leopoldstadt und wurden um 1900 zum XX. Wiener Gemeindebezirk erklärt. Der Otto-Gratzl-Hof liegt etwas außerhalb dieser beiden traditionellen Ortskerne. Er befindet sich auf ehemaligem Überschwemmungsgebiet, welches durch die Donauregulierung trockengelegt und ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachhaltig besiedelt und wirtschaftlich genutzt werden konnte. Die Anlage wurde in zwei Bauetappen von 1954-1956 und 1956-1957 errichtet. Bis auf den nachträglichen Zubau von Aufzugsschächten blieb die Anlage in ihrem äußeren Erscheinungsbild seither im Wesentlichen unverändert.

Die Architektur

Die Anlage erstreckt sich zwischen Engerthstraße, Stromstraße und Vorgartenstraße. An den verkehrsreicheren Seiten befinden sich leicht versetzte, L-förmig gekoppelte Trakte. Sie schirmen das Innere der Anlage völlig ab. Der Bau ist zur Vorgartenstraße geöffnet. Zwei frei stehende fünfgeschoßige Trakte liegen hier im rechten Winkel zum Straßenverlauf. Alle Fassadenteile sind annähernd symmetrisch aufgebaut und achsial angeordnet. In der Engerthstraße orientiert sich die Fassade zum siebengeschoßigen Mitteltrakt mit dem Haupteingang. An den Flanken befinden sich sechsgeschoßige, etwas nach vorne versetzte Seitentrakte mit Geschäftszonen. Die Bauteile entlang der Stromstraße sind ebenfalls sechsgeschoßig. Flache Erker und Risalite strukturieren die Fassaden an allen Seiten. Der Haupteingang in der Engerthstraße ist nach außen schlicht gehalten, die Durchfahrt selbst ist als dreireihige Säulenhalle gestaltet. Im Inneren der Anlage befindet sich eine große, zonierte Grünanlage. Die Stiegenzugänge sind von dort aus zu erreichen. Heute ist die Innenansicht der Anlage von verglasten Aufzugsschächten dominiert, welche nachträglich zugebaut wurden. An allen Trakten erschließen Mansarden und Dacherker oberhalb der Hauptgesimse weiteren Wohnraum. Die Balkone sind nach Südosten zur Grünanlage ausgerichtet. Fenster und Türen sind regelmäßig angeordnet und mit schmalen Einfassungen versehen. Insgesamt ist die Fassade der Anlage, wie für die 1950er-Jahre typisch, schlicht gestaltet. Die geschlossene Bauweise entlang der verkehrsreichen Straßenzüge, erinnert an Anlagen aus der Zwischenkriegszeit.

... und die Kunst

Die Wohnanlage ist künstlerisch äußerst reich ausgestaltet. Die Mosaike "Uferschutzbau im 18. Jh." von Alfred Karger (1955) und "Fische, Boje, Vögel" von Franz Elsner (1955) sind an den Flanken der Fassade in der Stromstraße angebracht. Sie stellen einen Bezug zu der Geschichte des Standortes der Wohnanlage her. Im Inneren der Anlage befindet sich ein Brunnen mit kniender weiblicher Skulptur. Diese stammt von Georg Zauner (1955). Rundum sind kreisförmig Bänke aufgestellt. Der Brunnen markiert das kommunikative Zentrum in der streng zonierten Grünanlage. Im Mitteleingang befindet sich eine Gedenktafel für Otto Gratzl.

Der Name

Der Hof wurde 1984 nach Otto Gratzl (1914-1976) benannt. Dieser war als Gewerkschaftsfunktionär, Gemeinderat und Bezirksobmann der SPÖ Brigittenau tätig.

Sanierung

von 1986 bis 1989

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1986 bis 1989 erfolgte unter anderem auch der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 461.473 Euro, davon konnten 369.178 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

August Bauer - August(in) Bauer (1895-1981) studierte ab 1918 bei Friedrich Ohmann an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Stadt Wien plante er unter anderem die Wohnhausanlage Albertplatz 7 in Wien 8 (1953/54) und den ersten Bauabschnitt des Alfred-Wunsch-Hofes in Wien 11, Lorystraße 33-37 (ab 1953).

Josef Hansmann - Josef Hansmann (1906-1961) studierte ab 1941 bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien. Unter anderem entwarf er für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Schimmelgasse 23 in Wien 3 (1952/53).

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