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Plocekhof

Fakten

Plocekhof

Denisgasse 54, 1200 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 120

Architekt: Paul May, Adolf Paar

Weitere Adressen

Spaungasse 12, 1200 Wien

Karl-Czerny-Gasse 11, 1200 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bei der Bombardierung Wiens im Jahr 1944 wurde auch die kleine, unscheinbare Denisgasse teilweise zerstört: Insgesamt wurden 13 Häuser beschädigt, darunter auch der Plocekhof, der gleich zweimal getroffen wurde. Erst im Jahr 1955 gelang es, die zerstörten Bauteile in den Stiegen 1, 3, 4 und 5 wiederherzustellen.

Die Architektur

Der Plocekhof wurde in klassischer Blockrandbebauung ausgeführt, wobei an der Ostseite auf bestehende Bebauung aufgeschlossen wurde, sodass er im Grundriss ein U beschreibt. Das Gebäude weist drei nahezu gleichwertige Schauseiten auf, lediglich der Haupteingang, der an der Westfassade - also an der Denisstraße - liegt, erfährt eine besondere Akzentuierung mittels Pilastergruppe, Erkeranlage und Überhöhung des obersten Geschoßes. Auf sechs Geschoßen werden über fünf Stiegen 120 Wohnungen erschlossen, ursprünglich waren es 134. Es handelt es sich um einen monumentalen, geschlossen wirkenden Baukörper mit sparsamer und dennoch expressiver Fassadengestaltung: Die durchgängigen, stark hervortretenden Gesimsbänder, die wuchtigen Dreieckserker und das optisch hochgezogene Sockelgeschoß verleihen dem Bau einen festungsartigen Charakter. Erwähnenswert ist außerdem die für Wien untypische architektonische Lösung der Stiegenhaus-Situation in den beiden Gebäudeecken: Es handelt sich um eine offene, lichtdurchflutete, an Pawlatschen erinnernde Kombination von Treppen und Erschließungsbalkonen.

Der Name

Der Schlosser Johann Plocek (1890-1943) gehörte einer antifaschistischen Gruppe von Straßenbahnern im Betriebsbahnhof Brigittenau an. Er wurde am 21. 1. 1942 wegen Betätigung für die KPÖ von der Gestapo erkennungsdienstlich erfasst, am 8. 12. 1942 vom Volksgerichtshof wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt und am 30. 3. 1943 im Landesgericht Wien hingerichtet.

Sanierung

von 2015 bis 2018

In der Wohnhausanlage wird eine Sockelsanierung durchgeführt. Unter anderem wird das Dach erneuert, die Fassade gedämmt, die Fenster werden getauscht und die Türen instandgesetzt und erneuert. Durch diese Maßnahmen werden die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter gesenkt und die Umwelt geschont. Außerdem werden die Aufzüge nachgerüstet bzw. neu hergestellt und andere Arbeiten am Gebäude und in den Außenanlagen vorgenommen.

Architekten

Paul May - Der in Fünfkirchen, Ungarn, geborene Paul May (1886-1973) studierte ab 1904 an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1911 sein Diplom erhielt. Über sein berufliches Schaffen ist fast nichts bekannt; lediglich beim Plocekhof in Wien 20, Denisgasse 54 (1925/26) ist seine Mitarbeit nachweisbar.

Adolf Paar - Der in Mähren geborene Adolf Paar (1889-1964) besuchte zunächst die Wiener Kunstgewerbeschule, bevor er nach geleistetem Kriegsdienst an der Technischen Hochschule Wien und an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens studierte, wo er 1923 sein Diplom erhielt. In Arbeitsgemeinschaft mit seinem Bruder Hans Paar plante er in den 1920er-Jahren mehrere Wohnanlagen für die Gemeinde Wien, so etwa den Plocekhof in Wien 20 (Denisgasse 54, 1925; zusammen mit Paul May) und das Wohnhaus Hickelgasse 12 in Wien 14 (1928). Ab 1930 waren die Brüder vorwiegend in ihrer alten Heimat Mähren tätig.

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