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Karl-Marx-Hof

Fakten

Karl-Marx-Hof

Heiligenstädter Straße 82-92, 1190 Wien

Baujahr: 1927-1930

Wohnungen: 1272

Architekt: Karl Ehn

Weitere Adressen

Boschstraße 1-19, 1190 Wien

Geistingergasse 1, 1190 Wien

Grinzinger Straße 110, 1190 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Karl-Marx-Hof wurde in den Jahren 1927 bis 1930 auf dem Gelände der ehemaligen "Hagenwiese" erbaut. Früher führten Seitenarme der Donau durch dieses Gebiet, später diente das Gelände als Kleingartensiedlung. Der Grund war infolge seiner Beschaffenheit schwierig zu bebauen. Um einen tragfähigen Boden zu schaffen, mussten schwebende Pfeiler in die Erde gesetzt werden. Die Errichtung des Karl-Marx-Hofes hatte für die Wiener Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit symbolhaften Charakter. Die von Bürgermeister Karl Seitz am 12. Oktober 1930 eröffnete Wohnanlage sollte das neue Selbstverständnis der Arbeiterschaft demonstrieren. Sie wirkt wie ein Palast, eine Festung. Damit stellte der Hof für die politische Gegenseite, die im Inneren ein Waffendepot vermutete, eine Provokation dar. Durch seine Geschichte wurde der Karl-Marx-Hof wohl zum berühmtesten der Wiener Gemeindebauten. Im Zuge des Bürgerkrieges 1934 entbrannten auf dem Gelände des Karl-Marx-Hofes heftige Kämpfe. Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes und Arbeiter verschanzten sich in der Wohnhausanlage und kamen unter Artilleriebeschuss von Polizei, Heimwehr und Militär. Die ersten Schüsse fielen am 12. Februar 1934. Während der Kämpfe kamen mehrere Arbeiter zu Tode, einige wurden gefangen genommen und gefoltert. Der örtliche Anführer wurde hingerichtet. Eine Plakette erinnert an den 15. Februar 1934, an dem der Karl-Marx-Hof fiel. 1938/39 vertrieb das nationalsozialistische Regime 66 Familien aus religiösen oder rassistischen Gründen aus der Wohnhausanlage. Im Zweiten Weltkrieg fielen infolge der geografischen Nähe zum strategischen Ziel Heiligenstädter Bahnhof zahlreiche Bomben auf den Karl-Marx-Hof.

Die Architektur

Der Karl-Marx-Hof imponiert mit massiven Mauern, riesigen bogenförmigen Durchfahrten, mächtigen Toren und Fahnenmasten. Die Fassaden zeigen kleine Fenster. Einziger Schmuck der gleichförmigen Fronten sind fortlaufende Balkone. Auf einer Gesamtfläche von 156.000 m² befinden sich große Innenhöfe mit weitläufigen Gartenflächen, Plätzen und Wegen. Als Ort der Begegnung sollen die Höfe den Bewohnern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Sicherheit vermitteln. Darüber hinaus verfügt die Wohnhausanlage über eine Reihe von Gemeinschaftseinrichtungen wie Mütterberatungsstelle, Zahnklinik, Apotheke, Postamt, Bücherei, Jugendheim, zahlreiche Geschäfte, Zentralwäschereien etc. In der Mitte der über einen Kilometer langen Gebäudefront öffnet sich der "Ehrenhof" zur Heiligenstädterstraße hin. In seiner Rückwand begrenzt der höchste Teil der Anlage mit fünf Stockwerken und sechs Turmaufbauten den Hof. Dieser Teil enthält auch die bogenförmigen Durchfahrten. An den Flanken fällt die Höhe in einem ruhigen Übergang in vier- und dann in dreistöckige Gebäude ab.

... und die Kunst

Eine überlebensgroße Bronzefigur von Bildhauer Otto Hofner stellt einen "Sämann" dar. Sie schmückt den gärtnerisch ausgestalteten Ehrenhof.
Die vier feingliedrig und schmal gearbeiteten Figuren des Künstlers Josef Riedl zieren den Mitteltrakt und symbolisieren die "Freiheit", die "Fürsorge", die "Aufklärung" und die "Körperkultur". Die Darstellungen betonen die Grundlagen für ein gesundes, gemeinschaftliches Wohnen im Sinne der Sozialdemokratie.

Der Name

Namensgeber der Wohnhausanlage war Karl Marx (1818-1883, Philosoph, politischer Journalist). Er galt als einflussreichster Theoretiker des Kommunismus. Seine politischen Schriften prägten auch die Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts. Nach den Februarkämpfen 1934 führte der Karl-Marx-Hof kurzzeitig den Namen "Biedermann-Hof". Karl Biedermann (1890-1945) war 1934 Kommandant der österreichischen Heimwehr. Im Rahmen der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus bereitete er die kampflose Übergabe Wiens an die "Rote Armee" vor. Im April 1945 wurde er von den Nationalsozialisten öffentlich gehängt.
1935 wurde der Wohnbau dann in "Heiligenstädterhof" umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Karl-Marx-Hof wieder seinen ursprünglichen Namen.

Sanierung

von 2010 bis 2019

Im Karl-Marx-Hof wurde in den Jahren 1986 bis 1992 eine Sockelsanierung durchgeführt. Durch die Erneuerung von Fassade, Fenstern und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem umfassten die Arbeiten die Neuverlegung der Wasserleitungen, den Einbau 50 neuer Aufzüge, den Anschluss an die Fernwärme Wien sowie die Instandsetzung des Spielplatzes. Die Kosten beliefen sich auf 32.410.849 Euro, davon konnten 29.239.215 Euro durch Förderungen gedeckt werden.
Seit 2010 werden Sanierungsmaßnahmen der Dächer durchführt, die Aufzüge instandgesetzt und die Fassade mit einem Anstrich versehen. Weiters werden Stiegenhäuser instandgesetzt, die Kanalanlagen erneuert und in den Höfen zusätzliche Geräteabstellboxen errichtet.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

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