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Adelheid-Popp-Hof

Fakten

Adelheid-Popp-Hof

Possingergasse 39-51, 1160 Wien

Baujahr: 1932-1933

Wohnungen: 237

Architekt: Karl Ehn, Karl Kotal, Franz Otto Böhm

Weitere Adressen

Dehmelgasse 2-10, 1160 Wien

Gablenzgasse 100-104, 1160 Wien

Herbststraße 99, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Der Adelheid-Popp-Hof wurde in zwei Bauabschnitten errichtet: Der erste Gemeindebau wurde zwischen 1932 und 1933 nach Plänen von Karl Ehn erbaut, der zweite stammt von den Architekten Franz Otto Böhm und Karl Kotal aus den Jahren 1949 und 1950. 1951 wurde das Dachgeschoß des ersten Bauteils ausgebaut.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus zwei U-förmigen Bauteilen, die zusammen einen Straßenblock um einen großen, terrassierten Innenhof umschließen. An den Straßenfronten wird das stark abfallende Gelände von der Sockelzone aufgenommen, die beiden viergeschoßigen Bauteile sind überdies in der Höhe gestaffelt. Das fünfte Geschoß ist ausgebaut und öffnet sich straßenseitig über zahlreiche Dachgaupen. Die streng gegliederte und schmucklose kubische Architektur aus den 1930er-Jahren zeigt das Abwenden Karl Ehns vom Expressionismus seiner früheren Bauten. Die Straßenfassaden sind als glatte Lochfassaden ausgeführt, die Hauptfront mit zwei über die Gebäudeecken reichenden Erkern, dem Geschäftsportal der Apotheke und den flankierenden Erschließungstürmen - ursprünglich ebenfalls Erker - ist der Herbststraße zugewandt. Die Hoffassaden sind durch ein umlaufendes Gesims über dem vierten Geschoß und den Klinkersockel horizontal gegliedert. Die Stiegeneingänge sind durch plastische Klinkerrahmungen hervorgehoben.
In der glatten Putzfassade des Ergänzungsbaus aus den 1950er-Jahren sorgen nur die französischen Fenster mit den Gitterbrüstungen für Auflockerung. Die dreiteilige Gliederung des Haupteingangs an der Gablenzgasse wiederholt das Motiv vom Geschäftsportal des Vorgängerbaus. Er öffnet sich in einem breiten, von vier Säulen getragenen Durchgang in den Hof. Nachträgliche Liftanbauten geben den Hoffassaden eine starke vertikale Betonung.

... und die Kunst

Laut Felix Czeike, Bezirkskulturführer Ottakring, befand sich in der Gablenzgasse 100-104 eine mit einem Mosaik belegte Brunnenschale mit drei bronzenen Seelöwen von Maria Biljan-Bilger (1951). Sie ist jedoch heute nicht mehr dort aufgestellt.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde am 6. März 1949 nach der Abgeordneten der Konstituierenden Nationalversammlung und Gemeinderätin Adelheid Popp (11.2.1869 bis 7.3.1939) benannt, die die sozialdemokratische Arbeiterinnenbewegung Österreichs aufgebaut hat. Als Chefredakteurin der "Arbeiterinnen-Zeitung" stand sie für die Rechte der Frauen ein, insbesondere für ihre Gleichberechtigung in der Gesetzgebung.

Sanierung

von 1997 bis 2000

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1997 bis 2000 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 32 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 9.199.200 Euro, von denen 5.671.032 Euro durch Förderungen gedeckt werden konnten.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

Karl Kotal - Karl Kotal (1920-2005) studierte - durch den Kriegsdienst unterbrochen - an der Universität für Angewandte Kunst in Wien unter anderem bei Franz Schuster. Gemeinsam mit diesem sowie Roland Rainer, seiner Frau Herta Kotal und anderen engagierte sich der Architekt für die Initiative SW (= Soziale Wohnkultur).

Franz Otto Böhm - Franz Otto Böhm (1918-2001) war in den Jahren 1946 und 1947 Assistent für Architektur, Wohnungsbau und Raumgestaltung an der Hochschule für angewandte Kunst Wien. Als Architekt war er unter anderem an den Entwürfen zur Erweiterung des Adelheid-Popp-Hofes in Wien 16, Possingergasse 39-51 (1950/51), beteiligt.

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