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Siegelhof

Fakten

Siegelhof

Redtenbachergasse 22-32, 1160 Wien

Baujahr: 1930-1931

Wohnungen: 96

Architekt: Franz Kuhn

Weitere Adressen

Degengasse 30-32, 1160 Wien

Wilhelminenstraße 37, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Auf dem Grundstück des heutigen Siegelhofes, das damals dem Grundeigentümer Heinrich Fischer gehörte, standen von 1923 und 1926 drei hölzerne, eingeschoßige Fischhallen, die als Verkaufshütten dienten. Sie wurden wahrscheinlich nicht erst abgetragen, um der Wohnhausanlage Platz zu machen, sondern schon einige Zeit davor, als sie ausgedient hatten.

Die Architektur

Die viergeschoßige, U-förmige Verbauung des Siegelhofes umschließt einen begrünten Innenhof. Hofseitig befinden sich Balkone, während die glatt verputzten Straßenfassaden beinahe gänzlich ohne dekorative oder plastische Elemente auskommen. Der einfache Baukörper mit stark reduzierter Tektonik entspricht Stiltendenzen, die sich im Wiener Gemeindebau ab 1930 immer mehr durchgesetzt haben.

Die mit 48 Fensterachsen längste Fassade an der Redtenbachergasse springt leicht hinter die Hauskante zurück und ist durch fünf farblich hervorgehobene Stiegenhäuser in regelmäßige vertikale Abschnitte unterteilt. Der mit einer Nut abschließende Sockel nimmt das leicht abfallende Gelände auf. Das nur wenig vorkragende Dachgesims läuft um den ganzen Baublock herum.

Die Schauseite des Gemeindebaus beherbergt ein Geschäftslokal und zeigt zur Wilhelminenstraße. Die Fassade an der wenig befahrenen Degengasse weist drei Reihen Gitterbalkone auf. Von beiden Seiten führen Durchfahrten in den Innenhof. Doppel- und Einzelreihen von Gitterbalkonen strukturieren in regelmäßigen Abständen die mit 34 Fensterachsen längste der drei Hoffassaden.

Der Name

Die städtische Wohnhausanlage in der Redtenbachergasse 22-32 erhielt am 3. 9. 1949 unter Bürgermeister Theodor Körner den Namen "Siegelhof" nach dem sozialdemokratischen Politiker Franz Siegel (1876-1927). Siegel war von 1918 bis 1920 Stadtrat, Obmann der Gewerkschaft für Bauarbeiter sowie von 1920 bis 1927 amtsführender Stadtrat für Technische Angelegenheiten. Er übertrug kommunale Bauvorhaben nicht nur an beamtete, sondern auch an selbstständige Architekten, was wesentlich zur architektonischen Vielfalt der Bauten des "Roten Wien" beitrug.

Architekten

Franz Kuhn - Franz Kuhn (1889-1952) studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule u.a. bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow. Kuhn war zunächst Angestellter der Wiener Werkstätten, für die er Stoffmuster und Plakate entwarf. Später war er auch Mitglied des Österreichischen Werkbundes. Als selbstständiger Architekt entwarf er zwei Wohnbauten für die Gemeinde Wien.

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