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Pirquethof

Fakten

Pirquethof

Herbststraße 101, 1160 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 238

Architekt: Wilhelm Baumgarten, Josef Hofbauer

Weitere Adressen

Dehmelgasse 1, 1160 Wien

Gablenzgasse 106-110, 1160 Wien

Zagorskigasse 2-12, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die nach dem Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet benannte Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1929/30 nach den Plänen der Architekten Josef Hofbauer und Wilhelm Baumgarten errichtet. Auf 16 Stiegen wurden zwischen Herbststraße, Dehmelgasse, Gablenzgasse und Zagorskigasse 247 Wohnungen, ein Kindergarten, ein Jugendhort und mehrere Werkstätten untergebracht. Nach einer vollständigen Renovierung, dem Einbau von Aufzügen, einigen Wohnungszusammenlegungen und dem Ausbau einiger Dachwohnungen besteht die großzügige Anlage heute aus 239 Wohneinheiten. Im großen, parkartigen Innenhof befindet sich auch ein Kinderspielplatz. Seit 1995 verfügt die Anlage über eine Tiefgarage mit 120 Dauerparkplätzen mit reserviertem Stellplatz. In der Zagorskigasse, wo sich die Einfahrt zur Tiefgarage befindet, hat auch der Pensionistenklub "Franz Schuhmeier" der Stadt Wien seinen Sitz.

Die Architektur

Der Pirquethof wurde als geschlossene Blockverbauung zwischen Herbststraße, Dehmelgasse, Gablenzgasse und Zagorskigasse um einen großen Innenhof angelegt. Die Schlichtheit der Fassade wird von Sohlbank- und Sturzgesimsen, die einen Teil der großteils zweiflügeligen Fenster bandartig zusammenfassen, durchbrochen. Der expressionistisch gestaltete Portalbereich in der Herbststraße und eine kleinere Durchfahrt in der Gablenzgasse wurden mit Klinker verblendet. In der Dehmelgasse prägen mehrere Loggiengruppen mit schweren Konsolen- und Überlagermotiven die Fassade, als Kontrast kragen in der Gablenzgasse schlichte Gitterbalkone aus der Mauer. In der Zagorskigasse fasst ein Klinkerfeld den Bereich des Klublokals und die daneben liegende Einfahrt zur Tiefgarage zusammen. Mansardenaufbauten beleben die Dachsilhouette der Wohnhausanlage. Der Innenhof wird von einer plateauartigen Rasenfläche mit Bäumen und Sträuchern, einem Spielplatz und einer mit Sitzgarnituren ausgestatteten Terrasse eingenommen. Hier befinden sich auch die Stiegenabgänge zur 1995 unter der Wohnhausanlage eingebauten Tiefgarage. Mit Gesimsen verzierte Erschließungstürme und breite Loggiengruppen gliedern die Hoffassade.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde 1930 nach dem Wiener Kinderarzt Clemens Freiherr von Pirquet (1874-1929) benannt. Nach seinem Studium wirkte er als Professor in Baltimore und Breslau. Ab 1911 wurde er Vorstand der Universitätskinderklinik in Wien. Er entwickelte neue Methoden zur Tuberkulosediagnostik und gilt als Schöpfer des Allergiebegriffs. Nach dem Ersten Weltkrieg organisierte Pirquet die amerikanische Kinderhilfsaktion in Wien, die täglich bis zu 400 000 Kinder ernährt hat. Zur selben Zeit wurde er Vorsitzender des Völkerbundkomitees für Säuglingsfürsorge. An ihn erinnern zwei kleinere Gedenktafeln in den Einfahrten und eine große mit Portraitmedaillon, das ihn im Profil zeigt.

Sanierung

von 1996 bis 1998

Im Pirquethof wurde in den Jahren 1996 bis 1998 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden zwölf neue Wohnungen. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits 1989/90. Die Kosten beliefen sich auf 7.953.360 Euro, davon konnten 6.112.493 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Wilhelm Baumgarten - Wilhelm Baumgarten (1885-1959) studierte von 1907 bis 1910 an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. In der 1921 mit Josef Hofbauer gegründeten Bürogemeinschaft entstanden für das Wiener Wohnbauprogramm der Pirquethof (Wien 16) und die Wohnhausanlage in der Bürgergasse 24 (Wien 10). 1940 emigrierte Baumgarten in die USA, wo er bis zu seiner Pensionierung Architektur am North Carolina State College lehrte.

Josef Hofbauer - Josef Hofbauer (1875-1936) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste bei Friedrich Ohmann. Seinen ersten großen Auftrag erhielt er bereits 1908: die Errichtung der Kaiser-Franz-Josefs-Jubiläumsschule in Mauerbach. 1921 gründete er mit seinem Studienkollegen Wilhelm Baumgarten (1885-1959) eine Bürogemeinschaft, die sich vor allem im Bereich des Schulbaus einen Namen machte.

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