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Karl-Volkert-Hof

Fakten

Karl-Volkert-Hof

Thaliastraße 75, 1160 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 226

Architekt: Franz Schacherl, Franz Schuster

Weitere Adressen

Klausgasse 40-44, 1160 Wien

Kreitnergasse 41, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Am 24. März 1931 wurde die Wohnhausanlage "Karl-Volkert-Hof" benannt. Im Gestaltungsprogramm waren unter anderem eine gut lesbare Aufschrift an der Fassade und eine Gedenktafel für den Sozialpolitiker im Eingangsbereich vorgesehen. Bereits 1934, zu Beginn des Ständestaates, wurde das Karl-Volkert-Denkmal entfernt, nach 1935 montierte man auch noch die Aufschrift der Wohnhausanlage ab. In der Zweiten Republik wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Die Architektur

Die monumentale, zwei Höfe umschließende Wohnhausanlage weist gegen die Thaliastraße eine achtachsige und gegen die Kreitnergasse eine 36 Achsen umfassende Fassade auf. Diese von horizontalen Putzauflagen dominierten Schauseiten werden mittels zwei- und dreiflügeliger Fenster gegliedert, wobei am längeren Fassadenteil auch andersfarbige flache viergeschoßige Erker als segmentbildende Elemente zum Einsatz kommen. Die besonders hohe, in der Kreitnergasse auch aufgrund der Hanglage abgetreppte, mit Raubeton versehene Sockelzone reicht bis über das Erdgeschoß hinaus und wird lediglich an den beiden hohen Eingangsportalen von einer horizontal gebänderten Klinkerverkleidung unterbrochen. Die monumentale Gestaltung der Eingänge wird auch in den Durchgängen fortgesetzt. Nach oben hin wird die vierstöckige Wohnhausanlage von einem kleinen Hauptgesims abgeschlossen.

... und die Kunst

Das so genannte "Volkert-Denkmal" befindet sich im zweiten Hof der Wohnhausanlage. Dieses aus einer Porträtbüste über einem Quadratpfeiler bestehende Denkmal wurde im Jahr 1930 vom Bildhauer Siegfried Bauer geschaffen.

Der Name

Die große Wohnhausanlage ist nach dem sozialdemokratischen Politiker Karl Volkert (1868-1929) benannt. Dieser war ab 1911 Abgeordneter zum Reichsrat und gehörte der Nationalversammlung, später - von 1918 bis 1929 - auch dem Nationalrat an. Eine Tafel im Hausdurchgang sowie ein Denkmal im zweiten Hof erinnern an den Sozialpolitiker.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Im Karl-Volkert-Hof wurde in den Jahren 1993 bis 1995 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Außerdem wurde ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 23 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 8.289.645 Euro, davon konnten 7.113.850 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Schacherl - Franz Schacherl (1895 -1943) besuchte die Höhere Baufachschule in Wien und studierte danach an der TH-Wien. Nach seinem Abschluß 1918 arbeitete er für das Wiener Siedlungsamt in Arbeitsgemeinschaft mit Franz Schuster, Adolf Loos u. Margarethe Schütte-Lihotzky. Schacherl veröffentlichte den programmatischen Aufsatz "Proletarische Architektur" und war Schriftleiter des sozialist. Baujournals "Der Aufbau". Nach 1934 gelang ihm die Flucht nach Angola.

Franz Schuster - Franz Schuster (1892-1972) studierte Architektur an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow, dessen Mitarbeiter er nach seinem Abschluss wurde. Nach einem Aufenthalt in Dresden wurde er zum Chefarchitekten des Österreichischen Verbandes für Siedlungs- und Kleingartenwesen berufen. In verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, unter anderem mit Adolf Loos und Franz Schacherl, war er an der Realisierung der Gemeindesiedlung "Süd-Ost" in Wien 10, Laaer-Berg-Straße 151-203 (1921), der Kriegerheimstätte Hirschstetten I in Wien 22 (1921) sowie der Pioniersiedlung der GESIBA "Denglerschanze" in Wien 21, Josef-Zapf-Gasse 1-37 (1921/22), beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er der Kommission zur Wiederherstellung des Stephansplatzes an und leitete von 1952 bis 1957 die Forschungsstelle für Wohnen und Bauen der Stadt Wien. In dieser Zeit entstand neben mehreren Kindergärten, Schulbauten und sozialen Einrichtungen auch der Emil-Fucik-Hof in Wien 10, Gudrunstraße 55-103 (1950-1952), nach seinen Plänen.

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