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Davidhof

Fakten

Davidhof

Effingergasse 31, 1160 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 242

Architekt: Walter Broßmann, Alfred Keller

Weitere Adressen

Seitenberggasse 42-48, 1160 Wien

Spindeleggergasse 8, 1160 Wien

Römergasse 47-51, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der im Stil der ersten Wiener Gemeindebauten errichtete Davidhof befindet sich in der Effingergasse (vormals Montléartgasse), einem Straßenzug, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Der Franziszeische Kataster aus den 1830er-Jahren weist keinerlei Verbauung für das Areal auf, auch im Wiener Generalstadtplan von 1912 ist ausschließlich eine Parzellierung des Geländes nachzuweisen. Der in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts errichtete Gemeindebau wurde bereits in den 1960er-Jahren mit Aufzügen ausgestattet, nach 2000 kam es zum Ausbau des Dachgeschoßes.

Die Architektur

Die fünf- bis siebengeschoßige Wohnhausanlage mit teilweise ausgebautem Dachgeschoß wurde in den Jahren 1926 - 1927 von Walter Broßmann und Alfred Keller als Blockrandbebauung ausgeführt. Das rot gefasste, auf Grund des abfallenden Terrains unterschiedlich hohe Erdgeschoß ist mittels eines Gesimsbandes von den Obergeschoßen abgesetzt. Vorspringende Fensterachsen, mehrgeschoßige Spitzerker und hoch aufragende Aufzugstürme rhythmisieren die Fassaden und verleihen dem monumentalen Gemeindebau sein abwechslungsreiches Aussehen. Eine Vielfalt an Fensterformen - rechteckige Fenster, gekoppelte Rundbogenfenster und französische Fenster mit rundem Abschluss - unregelmäßig gesetzte, teils durchlaufende Sohlbankgesimse sowie hohe Giebelformen tragen zusätzlich zur Belebung der langen Straßenfronten bei. Rundbogenportale führen in den großen, begrünten und terrassierten Innenhof, von dem aus die zehn Stiegen des Davidhofs erschlossen werden.

Der Name

Namensgeber der Wohnhausanlage ist der Politiker Anton David, an den auch eine Gedenktafel beim Eingang der Wohnhausanlage erinnert. David wurde 1849 in Smíchov (Böhmen) geboren und arbeitete nach der Volksschule als Seifensieder und Zeitungsherausgeber. 1907 wurde er Reichsratsabgeordneter, von 1913 bis zu seinem Tod 1924 war er Mitglied des Gemeinderates, 1918-1920 bekleidete er das Amt eines Stadtrates und war maßgeblich an der Ausarbeitung der Wiener Stadtverfassung beteiligt.

Sanierung

von 2003 bis 2006

Im Davidhof wurde in den Jahren 2003 bis 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen und ein neuer Spielplatz errichtet. Im Dachgeschoß entstanden 18 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 9.684.100 Euro, davon konnten 5.618.903 Euro durch einen Landeszuschuss gedeckt werden.

Architekten

Walter Broßmann - Walter Broßmann (1882-1948) studierte bei Friedrich Ohmann an der Wiener Akademie der bildenden Künste, wo er 1919 promovierte. Gemeinsam mit Alfred Keller plante er zwei Gemeindebauten für das Rote Wien: den Jean-Jaurès-Hof (Wien 10) und den Anton-David-Hof (Wien 16). In Linz wirkte er ab 1937 bei der Planung der Großfeldsiedlung Kaplanhof mit. Nach Kriegsende übernahm Broßmann 1945 die provisorische Leitung des Hochbauamtes in Linz, die er bis zu seinem Tod innehatte.

Alfred Keller - Alfred Keller (1875-1945) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz. Ab 1908 war er als viel beschäftigter Architekt in Wien tätig. Einen Höhepunkt im Werk des Architekten, Malers und Graphikers stellt die Hochschule für Welthandel (Franz-Klein-Gasse 1, Wien 19) dar. 1930 erhielt er eine Professur für Gebäudelehre an der Technischen Hochschule Wien.

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