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Dr.-Friedrich-Becke-Hof

Fakten

Dr.-Friedrich-Becke-Hof

Thalhaimergasse 32-38, 1160 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 204

Architekt: Cesar Poppovits

Weitere Adressen

Brüßlgasse 33-37, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Architekt Cesar Poppovits war von Otto Wagners Neuerungen fasziniert und verband seine Architektur vielfach mit dem Kunstgewerbe. Er beschäftigte sich vor allem mit der Wirkung von Baukeramik, die er gezielt bei seinen sonst eher nüchtern wirkenden Wohnhausanlagen einsetzte. Dem Dr.-Friedrich-Becke-Hof verleihen die cyanfarbenen Keramiken - Tierplastiken und dekorative Tafeln von Robert Obsieger - eine expressive, fast exotische Wirkung. Nicht nur die Hoffassaden und der große Innenhof, sondern auch die Durchgänge zu den Lichthöfen sind mit besonderer Liebe zum Detail gestaltet, Klinkerverblendungen und -verzierungen schmücken jeden Winkel und verwandeln den Hof in einen reich ausgestatteten "Innenraum".

Die Architektur

Die an der Thalhaimergasse mit 32 und an der Brüßlgasse mit 23 Fensterachsen ausgesprochen langen Straßenfronten bilden eine breit gelagerte Baulückenverbauung mit großzügigem Innenhof. Dieser liegt deutlich tiefer und ist über Treppenabgänge von den Eingängen von beiden Straßenseiten aus erreichbar. Der obere Abschluss der dreiteiligen Portale nimmt das die Fassaden bestimmende Motiv der Spitzerker auf und ist mit schmiedeeisernen Toren verschlossen.

Die fünfgeschoßigen Straßenfassaden sind mit ihren in Dreiergruppen aneinandergereihten Spitzerkern und dem erhöhten Mitteltrakt, der das sechste Geschoß bildet, annähernd gleich gestaltet. Die hohe Sockelzone nimmt das abfallende Gelände auf. Die Fensterbankgesimse des Erdgeschoßes und des fünften Obergeschoßes laufen über die gesamte Fassadenlänge. Schmale Gesimsstreifen gliedern die Fassaden horizontal. Die Dachgesimse übernehmen jeweils die Höhe der benachbarten Gebäude, wobei ein vier Fensterachsen breiter Baukörper an der Thalhaimergasse um ein Geschoß niedriger ist, um sich an das Nachbarhaus anzugleichen. Vertikale Gliederung erhalten die lang gestreckten Fassaden zusätzlich durch über vier Geschoße reichende Einschnitte, in denen sich die kleinen Fenster der Nassräume befinden.

Die vier Fassaden des tiefer liegenden Innenhofes verfügen zusätzlich über ein Hochparterre, das durch eine Klinkerverkleidung und keramische Tierplastiken in den Fenstergiebeln besonders hervorgehoben wird. Keine Fassade gleicht der anderen, gemeinsame Gestaltungselemente sind lediglich die Gesimsstreifen und die Staffelung in der Tiefe, die den Fassaden eine beeindruckende Plastizität verleiht. Erker wechseln sich mit Loggien, die teilweise auf schweren Konsolen lasten, und filigranen Balkonen ab. Expressive Klinkerverkleidungen wie der dreilaibig umrahmte Torbogen oder eine in einzelne Ziegel aufgelöste Trennmauer überziehen die gesamte Sockelzone bis in die hintersten Lichthöfe und halten so das sonst eher inhomogene Erscheinungsbild zusammen.

... und die Kunst

In den Fenstergiebeln des Erdgeschoßes und über den Stiegeneingängen der Hoffassaden stehen keramische Plastiken von Robert Obsieger (1884-1958), die die vielseitige Tierwelt darstellen. Obsieger unterrichtete an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Erstaunlich ist, dass die Auswahl der Tiere nicht ausschließlich aus der heimischen Tierwelt stammt: Neben einem Eichhörnchen, einer Katze, einem Hund, einem Hahn, einer Ente, einem Fuchs und einem Hasen findet man auch zwei Affen, zwei Bären, einen Koala und ein Faultier. Ornamentale keramische Fassadentafeln bilden mit zu Fünfergruppen zusammengefassten Stiegenhausfenstern geometrische Rautenmuster.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde 1926 nach dem Mineralogen und Petrographen Johann Karl Friedrich Becke (31. 12. 1855, Prag - 18. 6. 1931, Wien) Dr.-Friedrich-Becke-Hof benannt. Becke erfand eine Bestimmungsmethode für Mineralien aufgrund ihrer optischen Eigenschaften und ist Namensgeber für die "Beckesche Linie". Als Obmann des Vereins "Volksheim" und Generalsekretär der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erwarb er sich große Verdienste im Bereich Bildung. Eine Gedenktafel befindet sich im Eingang in der Thalhaimergasse.

Sanierung

von 2003 bis 2006

Im Dr.-Friedrich-Becke-Hof wurde in den Jahren 2003 bis 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 7.843.500 Euro, davon konnten 5.294.363 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Cesar Poppovits - Cesar Poppovits (1876-1938) studierte an der Technischen Hochschule Wien. In der Josefstadt plante er die beiden wichtigsten kommunalen Wohnbauten des Bezirks: den Ludo-Hartmann-Hof in der Albertgasse 13-17 und den Theresia-Schlesinger-Hof in der Schlösselgasse 14. Gemeinsam mit den bildenden Künstlern Alfred Basel und Leopold Forstner gründete er 1912 das erste Unternehmen für "Wiener Friedhofskunst".

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