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Heinrich-Hajek-Hof

Fakten

Heinrich-Hajek-Hof

Oeverseestraße 13-19, 1150 Wien

Baujahr: 1954-1956

Wohnungen: 248

Architekt: Josef Schmelzenbart, Hans Riedl, Otto Erhartt, Wilhelm (Willi) Reichel

Weitere Adressen

Kannegasse 9, 1150 Wien

Pilgerimgasse 10-20, 1150 Wien

Wurmsergasse 46, 1150 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Um 1910 wurde mit der Besiedelung des Landstreifens zwischen Oeverseestraße und Hütteldorfer Straße begonnen, doch der Ausbruch der Ersten Weltkriegs unterbrach das Bauvorhaben. Die so entstandenen Baulücken wurden in der Zwischenkriegszeit unter anderem durch Gemeindebauten geschlossen, das Gebiet des heutigen Heinrich-Hajek-Hofes blieb jedoch noch unverbaut. Im Jahr 1942 erwarb die gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft "Siedlungs-Union" den Baugrund von der Stadt Wien, tauschte diesen jedoch im März 1954 wieder gegen in Kagran gelegenes Bauland ein. Die Stadt Wien übernahm nun die Verbauung des Gebietes und bereits im April 1954 wurde mit dem Bau begonnen.

Die Architektur

Der Gemeindebau besteht aus drei Baublöcken mit 14 Stiegen und umschließt einen begrünten Hof, der sich gegen Süden zur Pilgerimgasse hin öffnet. Die Monumentalität der Anlage erinnert an die großen Höfe der Zwischenkriegszeit, die Gestaltung der Fassaden entspricht jedoch den stilistischen Tendenzen der Architektur des sozialen Gemeindebaus der 1950er-Jahre. Über einem niedrigen Sockel erheben sich die fünf Geschoße und das Dachgeschoß hinter glatten, ungegliederten Fronten. Die Fassaden werden nur durch Fensterfaschen geschmückt, die vorspringenden Stiegenhäuser lockern die glatten Flächen auf. Erwähnenswert ist vor allem der als kleiner Park gestaltete Hof, der auch Spaziergänger zum Flanieren durch die Anlage einlädt.

... und die Kunst

Im Hof nahe dem Eingang Wurmsergasse befindet sich die Skulptur "Liegender Jüngling", eine Kunststeinplastik in Form einer Vogeltränke von Artur Hecke. Von Hecke stammen mehrere Kunstwerke an Wiener Gemeindebauten. Luise Wolf schuf die Steinschnitt-Sopraporte "Drei Kinder" am hofseitigen Eingang an der Oeverseestraße. Die Bildhauerin Wolf gilt als eine der bekanntesten, lang gedientesten "Kunst-am-Bau-Künstlerinnen" in Wien. Das Natursteinrelief "Ruhende Frau" am straßenseitigen Eingang Oeverseestraße stammt von Marijan Matijevic - auch für die Wohnhausanlage Kärchergasse 3-13 im 3. Wiener Gemeindebezirk schuf Matijevic eine "Ruhende Frau" als Sopraporte. An einer der Hausfassaden in der Pilgerimgasse ist das monumentale Mosaikbild "Herbstliches Maisfeld" von Wilhelm Jaruska zu finden. Jaruska arbeitet auch als Illustrator von Kinderbüchern. Im Jahr 1963 erhielt er den Illustrationspreis der Stadt Wien für seine Bilder zu dem Buch "Alle meine Pferde" von Alexis Steiner.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde am 6. 5. 1969 nach Heinrich Hajek (16. 9. 1900 - 12. 10. 1967) benannt. Hajek war von 1946 bis 1963 Bezirksvorsteher des 15. Bezirks und von 1946 bis 1959 Bezirksobmann der SPÖ Fünfhaus. Eine Gedenktafel am Hauseingang in der Wurmsergasse erinnert an ihn.

Sanierung

von 1996 bis 2000

Bereits 1987 wurde im Zuge von Sanierungsmaßnahmen mit dem Einbau der Aufzüge begonnen. Die Kosten dafür beliefen sich auf 851.071 Euro, davon konnten 839.378 Euro durch Förderungen gedeckt werden. In den Jahren 1996 bis 2000 wurden Dach, Fenster und Türen erneuert.

Architekten

Josef Schmelzenbart - Josef Schmelzenbart (1906-1978) studierte an der Hochschule für angewandte Kunst und an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterklasse von Alexander Popp besuchte. Nach dem Studium etablierte er sich als Architekt in Wien vor allem im Bereich Hotelbau. Nach 1946 erweiterte er das Schloss Velden um mehrere Neubauten. Neben diversen Geschäftslokalen wurden in Wien auch Villenbauten und einige Wohnhäuser nach seinen Plänen realisiert.

Hans Riedl - Hans (Johann) Riedl (1920-1993) studierte von 1940 bis 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Heinrich-Hajek-Hof in Wien 15, Oeverseestraße 13-19 (1954-1956), und der Anlage Engerthstraße 232-238 in Wien 2 (1963/64).

Otto Erhartt - Otto Erhartt (1919-2008) studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der Technischen Universität Wien. Als selbständiger Architekt führte er vor allem Industrie- und Gewerbebauten aus, wie etwa die Straßenmeistereien von Spitz (NÖ), Krems (NÖ) und Eggenburg (NÖ). Für die Gemeinde plante Erhartt unter anderem die Wohnhausanlage Sechtergasse 8-10 in Wien 12 (1979-1981) und beteiligte sich an den Entwürfen zum Heinrich-Hajek-Hof in Wien 15 (Oeverseestraße 13-19, 1954-1956).

Wilhelm (Willi) Reichel - Wilhelm (Willi) Reichel (geb. 1917) studierte von 1935 bis 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien und besuchte ebendort 1951/52 auch die Meisterschule. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Paulinengasse 13 in Wien 18 (1950-1952) und Ottakringer Straße 188 in Wien 16 (1984/85).

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