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Heinz-Nittel-Hof

Fakten

Heinz-Nittel-Hof

Ruthnergasse 89, 1210 Wien
Ruthnergasse 91, 1210 Wien
Schwanngasse 11, 1210 Wien
Skraupstraße 24, 1210 Wien
Berzeliusgasse 14, 1210 Wien
Brünner Straße 140, 1210 Wien

Baujahr: 1979-1983

Wohnungen: 1422

Architekt: Harry Glück

Wohnen in Wien

Zwischen 1978 und 1981 wurde zur Wohnungsverbesserung in Wien insgesamt ein Darlehensvolumen für über 48.000 Wohnungen zugesichert. 39 Wohnanlagen wurden fertig saniert, an weiteren 86 mit einem Kostenaufwand von 52 Mio. Euro gearbeitet. Zusätzlich wurden über 6.000 neue Wohnungen fertig gestellt. Die Architektur wandelte sich - dank des technischen Fortschritts in der Plattenbauweise - vom Zeilenbau hin zu flexibler gestalteten Anlagen mit individuellem Charakter und mieterfreundlichen Grundrissen. Gleichzeitig verstärkte sich das Mietermitspracherecht und serviceorientierte Wohnungsberatungszentren wurden etabliert.

Geschichte

Der Heinz-Nittel-Hof wurde östlich des ehemaligen Straßendorfes Großjedlersdorf auf dem so genannten "Wanekl Aecker" errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Großjedlersdorf um 1150 als "Vrliugestorf". Die Ortschaft lag ursprünglich in der Mulde eines verlandeten Donauarms direkt an der Brünner Straße, diese wurde aber im Zuge der Neutrassierung unter Kaiser Karl VI. ab 1728 weiter nach Osten verlegt. Im Jahre 1904 erfolgte die Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Großjedlersdorf zum 21. Bezirk Floridsdorf, woraufhin das Gebiet langsam vom Süden aus städtebaulich erschlossen wurde - vor allem durch Gewerbe- und Gemeindewohnbauten.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus vier unterschiedlich großen Wohnblöcken, die schlangenförmig, von einem Schulgelände unterbrochen, von Westen nach Osten verlaufend angeordnet sind. Zwischen den Blöcken erstreckt sich eine weitläufige Hügellandschaft, die einerseits die Gebäude voneinander trennt und andererseits dem ursprünglich ebenen Gelände einen idyllischen Charakter verleiht.
Die ersten fünf Geschoße der in Fertigbauweise errichteten, meist acht Geschoße umfassenden Wohnblöcke sind an ihrer Südseite mit vorgezogenen stufenförmigen Terrassen gestaltet. Die Fronten der drei darüber liegenden Ebenen sind in Loggien aufgelöst. Der Block an der Ruthnergasse ist etwas niedriger und umfasst nur fünf terrassierte Geschoße. Die Terrassen und Loggien der Wohnbauten sollen nicht nur Freiraum schaffen, sondern, mit Blumenwannen ausgestattet, auch den Grünraum in die Architektur miteinbeziehen.
Die nördlich orientierten Fronten sind vollkommen geschlossen und nach oben hin vorgestuft. Der Konstruktionsweise der 1980er-Jahre entsprechend, sind sie mit Blechplatten verkleidet, die eine Hinterlüftung ermöglichen. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt über Mittelgänge. Entlang dieser Gänge sind sämtliche Nutzräume angeordnet, wodurch für die Wohnräume möglichst viel Platz an den Außenfronten geschaffen wurde. Wie bei den Wohnhausanlagen von Harry Glück üblich, ist auch der Heinz-Nittel-Hof mit einer Reihe von Gemeinschaftseinrichtungen ausgestattet. So verfügt er über acht Dachschwimmbäder, 15 Saunen, einen Kindergarten und zwei Geschäftszeilen. Zudem ist dem Wohnblock an der Ruthnergasse die ebenfalls von Harry Glück geplante Pfarre des Hl. Markus angefügt; ein schlichter oktogonaler Zentralraum mit kreuzförmig angebunden Nebenräumen.

... und die Kunst

An der Marco-Polo-Promenade befindet sich die Skulptur "Katharina von Österreich" der Künstlerin Gerda Fassel (1983).

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach Heinz Nittel (1930-1981). Der in Klagenfurt geborene Politiker war ab 1954 zehn Jahre lang Obmann der Sozialistischen Jugend und von 1970 bis 1976 Abgeordneter zum Nationalrat. Als Wiener Stadtrat leitete er ab 1979 die Geschäftsgruppe Straße, Verkehr und Energie. Zudem war Heinz Nittel Mitbegründer des Jewish Welcome Service Vienna und Generalsekretär der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft. Er wurde am 1. Mai 1981 vor seinem Wohnhaus in Wien-Hietzing von einem palästinensischen Extremisten ermordet.

Architekten

Harry Glück - Harry Glück wurde 1925 in Wien geboren. Nach einer Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung als Bühnenbildner in Österreich, Deutschland und der Schweiz studierte er Architektur an der Technischen Hochschule in Wien, wo er 1960 sein Studium abschloss. Ab 1966 führte er eine Bürogemeinschaft mit Werner Höfer und Carl Auböck; ab 1975 arbeitete er mit Tadeusz Spychala, Rudolf Neyer und anderen zusammen. Er verfasste zahlreiche Publikationen zu seinem Arbeitsschwerpunkt, dem sozialen Wohnbau. In Wien plante er unter anderem den Neubau des Franz-Josefs-Bahnhofs, das Wohnhaus in der Angeligasse (10. Bezirk; 1969-1971), die Wohnhausanlage in der Heiligenstädter Straße 131-135 (19. Bezirk; 1971-1974), die Wohnhausanlage in der Magdeburgstraße (22. Bezirk; 1973-1975), den Wohnbau in der Hadikgasse 128-134 (14. Bezirk; 1974-1977), die Wohnhausanlage "Marco-Polo-Gründe" (21. Bezirk; 1974-1979) und das Bezirkszentrum am Elterleinplatz 9-12 in Wien 17 (1984-1986).

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