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Molitorgasse 15

Fakten

Molitorgasse 15

Molitorgasse 15, 1110 Wien

Baujahr: 1983-1985

Wohnungen: 255

Architekt: Sepp Frank, Kurt Vana, Heinz Neumann, Harald Wutscher, Kurt Buchta

Weitere Adressen

Dopplergasse 2, 1110 Wien

Dopplergasse 2a, 1110 Wien

Urschenböckgasse 14, 1110 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bildeten ein neuer Stadtentwicklungsplan und ein Stadterneuerungsfonds die Grundlage für eine sanfte Stadterneuerung Wiens. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten. So konnten die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, saniert werden. Darüber hinaus fanden für Neubauten Wettbewerbe statt, um möglichst viele neue Ideen in die Architektur einzubringen.

Geschichte

Vor dem Pestjahr 1679 war das Gebiet des heutigen Simmering - damals noch ein kleines Dorf im Bereich der St.-Laurenz-Kirche - ein ertragreiches Weinbaugebiet. Nach der Verwüstung durch die Türken 1683 vollzog sich im Ort eine Rückbildung zur bäuerlichen Struktur mit vielen kleinteiligen Feldern. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Simmering ein Dorf. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte es sich durch den Zuzug großer Unternehmen, denen es im Stadtgebiet zu eng wurde, zu einem Industrie- und Arbeitervorort. Ein wichtiger Schritt dazu waren die im Bereich der Simmeringer Hauptstraße 1-3 errichteten Rinnböckhäuser - damals die zweitgrößte Wohnhausanlage Wiens -, die Simmering ein Stück näher an die Stadt rückten und zum Teil heute noch erhalten sind. 1892 wurden Simmering und Kaiserebersdorf sowie kleine Teile von Kledering, Schwechat und Albern als 11. Bezirk eingemeindet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich, die Molitorgasse überspannend, sichelförmig zwischen Urschenböckgasse und Dopplergasse. Der Baukörper besetzt hier basteiartig die Terrassenkante zwischen der lockeren Mischverbauung der Simmeringer Haide und der dichten Wohnbebauung entlang der Simmeringer Hauptstraße. Die Anlage umfasst insgesamt 19 Stiegenhäuser und verfügt über fünf Hauptgeschoße sowie ein ausgebautes Dachgeschoß. Ins Erdgeschoß sind überwiegend schlichte Eckpfeiler eingestellt, die einen offenen Kolonnadengang bilden. Ein ähnliches Kolonnaden-Motiv wurde - hier in Form einer dezenten Wandvorlage - für die Gestaltung weiterer Fassadenteile gewählt. Diese reichen allerdings bis über das erste Obergeschoß hinaus und verleihen der Baumasse zusammen mit den zurückversetzten obersten Geschoßen eine mehrschichtige Struktur. Die Fenster sind schlicht und regelmäßig verteilt in die glatte Putzfassade eingesetzt. Akzente setzen große französische Fenster und einzelne Loggienachsen. Bemerkenswert sind die T-förmig angebrachten Regenrinnen, die die Fassade rhythmisch gliedern. In den beiden obersten, mit Blech verkleideten Stockwerken sind zum Teil Maisonetten untergebracht. Ihnen sind zum begrünten Hof der Anlage Terrassen vorgelagert. Das drei Geschoße umfassende Gebäude im Hof wird von der Optik der Blechverkleidung dominiert. Hier ist neben weiteren Wohnungen auch ein Kindertagesheim untergebracht.

... und die Kunst

Im Grünbereich an der Molitorgasse befindet sich eine Steinplastik des Künstlers Franz Anton Coufal.

Der Name

Der ursprünglich als Blumengasse bezeichnete Straßenzug wurde 1894 nach Johann Konrad von Molitor (1628-1708) benannt. Er war Pfarrer der St.-Laurenz-Kirche in Simmering, die er nach ihrer Beschädigung durch die Kämpfe gegen die Türken (1683) wieder instand setzte.

Architekten

Sepp Frank - Sepp Frank (geb. 1942) studierte ab 1960 an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1970 promovierte. Im Anschluss daran ging er mit Heinz Neumann eine Bürogemeinschaft ein, in der eine Reihe von Industriegroßprojekten entworfen wurde, wie etwa das Postzentrum Erdberger Lände 36 - 48 (Wien 3, 1980 - 1985). 2006 realisierte Frank mit seinem 1998 gegründeten Büro Architekten Frank & Partner den Gate Tech Tower (Donau-City-Straße, Wien 22). Besondere Verdienste erlangte er durch die Sanierung und Adaptierung historischer Bauten, darunter die Generalsanierungen des Oberen und Unteren Belvederes (Wien 3, 1991 - 1996) und der Dachausbau des Hotels Sacher (Wien 1, 2002 - 2005).

Kurt Vana - Kurt Vana (geb. 1923) studierte an der Technischen Universität Wien, wo er 1953 promovierte. Bereits 1948 wurde er Partner seines Vaters Heinrich Vana, dessen Büro er 1960 übernahm und das heute von Gerhard Vana geführt wird. In den 1950er- und 1960er-Jahren war Kurt Vana zusammen mit seinem Vater vor allem für die Gemeinde Wien tätig. Sein bedeutendstes Werk ist die gemeinsam mit Heinrich Vana (sowie Franz Mörth und Alexis Franken) geplante Arbeiterkammer Wien (Wien 4, Prinz-Eugen-Straße 20-22; 1955-1960).

Heinz Neumann - Heinz Neumann (geb. 1941) studierte an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1967 sein Diplom erhielt. Erste praktische Erfahrungen sammelte er im Büro von Alvar Aalto in Finnland. Nach vorübergehender Mitarbeit im Büro von Karl Schwanzer, ist er seit 1973 als selbständiger Architekt tätig. Zusammen mit Adolf Krischanitz gewann Neumann den Wettbewerb zur Bebauung der Wiener Donauplatte (Donau-City), es entstanden dort unter anderem der Ares Tower (1999 - 2001) und der Saturn Tower (mit Hans Hollein, 2003/2004). Sein prominentestes Bauwerk ist der 2004 fertig gestellte UNIQA Tower am Wiener Donaukanal (Wien 2). Seit 1999 hat Neumann einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Wien.

Harald Wutscher - Harald Wutscher (geb. 1943) studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 1976 ist er als selbständiger Architekt tätig. Unter seiner Bauleitung wurden ca. 150 Projekte realisiert. Für die Gemeinde Wien war er etwa an der Planung der Wohnhausanlage Molitorgasse 15 in Wien 11 (1983-1985) beteiligt.

Kurt Buchta - Kurt Buchta (1921-2004) studierte von 1939 bis 1948 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er das Wohnhaus Gymnasiumstraße 38 in Wien 18 und war an den Plänen zu den Anlagen Jedleseer Straße 77 in Wien 21 (1963-1965) und Ruthnergasse 56-60 in Wien 21 (1969/70) beteiligt.

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