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Otto-Probst-Straße 5 - Block A-F

Fakten

Otto-Probst-Straße 5 - Block A-F

Otto-Probst-Straße 5 - Block A-F, 1100 Wien

Baujahr: 1987-1989

Wohnungen: 391

Architekt: Herbert Prehsler, Pauline Lamprecht, Georg Lisner, Richard Hübschmann, Günter Krisch, Josef Hinterhölzl

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bildeten ein neuer Stadtentwicklungsplan und ein Stadterneuerungsfonds die Grundlage für eine sanfte Stadterneuerung Wiens. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten. So konnten die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, saniert werden. Darüber hinaus fanden für Neubauten Wettbewerbe statt, um möglichst viele neue Ideen in die Architektur einzubringen.

Geschichte

Die Geschichte des Wienerberges ist von der langen Tradition der Ziegelproduktion geprägt. Um 1820 wurde die Ziegelfabrik am Wienerberg zur größten Europas. Die Ziegelarbeiter hausten in Massenquartieren und einfachen Baracken, die im Umfeld der Fabrik entstanden. Erst in den 1960er-Jahren wurde der Lehmabbau unrentabel, und die Ziegelwerke wurden stillgelegt. Für die Neugestaltung des Areals wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Das Konzept für die Siedlung entlang der Otto-Probst-Straße ging aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervor, der 1980 von Otto Häuselmayer gewonnen wurde. Die insgesamt 2.000 Wohnungen wurden 1984 und 1996 in drei Etappen realisiert. Als Auftraggeber fungierten sowohl öffentliche als auch private Bauträger. Trotz der Hinwendung zur Urbanisierung wurde auf eine möglichst geringe Wohndichte und die unmittelbare Integration naturnaher Freiräume Wert gelegt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage Otto-Probst-Straße 5 umfasst insgesamt 48 Stiegen, die sich auf fünf Häusergruppen verteilen. Sie wurden von verschiedenen Architekten bzw. Architektenteams geplant und präsentieren sich dementsprechend unterschiedlich. Die Anordnung der Bauten auf dem Grundstück ist vor allem durch die Vorgaben des Geländes geprägt und folgt vorwiegend dem Prinzip der Blockrandverbauung.
Die Front des an der Otto-Probst-Straße gelegenen Bauteils wird durch spitz verdachte Stiegenhausachsen gegliedert. Sie folgt dem kurvigen Verlauf der Straße und wirkt in ihrem geschlossenen Aufriss beinahe monumental. Die Rückfront ist in Loggien aufgelöst und umschließt gemeinsam mit einem leicht gebogenen Riegelbau einen Innenhof. Dieser Baukörper fällt vor allem durch seine Modellierung mittels blockartiger Einschnitte auf. Das dahinter liegende abfallende Gelände ist als Park gestaltet, in dessen Zentrum sich ein alter Ziegelteich befindet. Daran anschließend wurden die beiden Blöcke der Stiegen 15 bis 22 und 23 bis 28 errichtet. Durch geschickte 90-Grad-Verwinkelungen entstehen in dieser Gebäudegruppe zwei U-förmige Höfe.

Die zusammenhängenden Blöcke der Stiegen 23 bis 28 sind im Zentrum konkav geschwungen und bilden gemeinsam mit dem Hof der zuvor genannten Blockgruppe einen erweiterten Raum. Auffallend sind vor allem die großzügigen Loggien, bemerkenswert ist der über zwei Geschoße reichende Kolonnadengang des konkaven Bauteils.
Dahinter liegen zwei weitere, mehr oder weniger in sich geschlossene Wohnhöfe. Sie sind durch mehrere Durchgänge und ein System kleiner Wege miteinander sowie auch mit den anderen Teilen der Anlage verbunden. Diese schlichten Bauten werden in erster Linie durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge der Fronten und durch ein differenziertes Farbschema strukturiert. Unterschiedliche Loggienformen öffnen die Wohnräume zum Grünbereich und setzen zudem dekorative Akzente.

... und die Kunst

Am Rande des Grünbereichs im Zentrum der Wohnhausanlage befinden sich drei von Manfred Wakelbinger geschaffene Stelen aus Ziegelsteinen. Sie sollen an die Ziegelproduktion, die es hier bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab, erinnern.

Der Name

Benannt ist der quer durch die Siedlung verlaufende Straßenzug nach dem Politiker Otto Probst (1911-1978). Der Sozialdemokrat begann seine Karriere in der Jugendschutzstelle der Arbeiterkammer in Wien. Unter dem NS-Regime war er zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert und kam 1943 in eine Strafkompanie der Wehrmacht an die Ostfront. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Probst Zentralsekretär der SPÖ. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft und von 1970 bis 1974 Obmann der SPÖ Wien. Der langjährige Nationalratsabgeordnete verstarb 1978 in seinem Arbeitszimmer im Parlament.

Architekten

Herbert Prehsler - Herbert Prehsler (geb. 1926) studierte bis 1951 an der Technischen Hochschule Wien. Zunächst arbeitete er in Partnerschaft mit Eduard F. Sekler. Als selbständiger Architekt plante er vor allem Industriebauten, wie etwa mehrere ORF-Sendeanlagen. Seine bedeutendsten Leistungen liegen aber im Bereich von Renovierungsarbeiten. Von 1977 bis 1989 war er mit der Renovierung des Palmenhauses im Schlossgarten von Schönbrunn beschäftigt. Im Anschluss daran erfolgte die Renovierung des Palmenhauses im Burggarten.

Pauline Lamprecht - Pauline Lamprecht (geb. 1945 in Wien) studierte Architektur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1976 legte sie die Ziviltechnikerprüfung ab und eröffnete im darauf folgenden Jahr ihr eigenes Architekturbüro. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in den Bereichen Wohnbau, Inneneinrichtung und Revitalisierung. So war sie um 1980 unter anderem an der Revitalisierung mehrerer Häuser am Spittelberg in Wien 7 beteiligt: Burggasse 11, Gutenberggasse 11, 12 und 14. Zusammen mit Dieter Bernstein entwarf sie für die Gemeinde Wien den Hedwig-Lehnert-Hof in Wien 21, Prager Straße 92-96 (1981-1983). 1991 legte Pauline Lamprecht ihre Ziviltechniker-Befugnis zurück und widmet sich seitdem ganz ihrem Gesundheitsinstitut.

Georg Lisner - Georg Lisner (geb. 1934) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien unter anderem bei Karl Kupsky und Erich Boltenstern. Mit seiner eineinhalb Jahre älteren Schwester Miroslawa Lisner (verheiratete Böhnel) gründete Georg Lisner 1964 ein eigenes Büro. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem die Wohnhausanlage Embelgasse 53-55 in Wien 5 (1977/78) und zusammen mit Edgar Göth und Georg Popper die Wohnhausanlage am Hofgartel 3-7 in Wien 11 (1995-1997). Darüber hinaus beteiligte sich das Architektenbüro an mehreren Sanierungsprojekten, wie etwa am Projekt "Alte Donau".

Richard Hübschmann - Richard Hübschmann (geb. 1925 in Klosterneuburg) studierte ab 1946 an der Technischen Hochschule Wien. Bereits 1954 wurde er als selbständiger Architekt gemeinsam mit seinem Kollegen Huberst Steinhauer mit der Errichtung von sieben Wohnbauten in Klosterneuburg-Kierling beauftragt. Im Laufe seiner 40-jährigen Tätigkeit hat er für Klosterneuburg insgesamt 133 Gebäude geplant, neben zahlreichen Wohnbauten etwa auch das Amtshaus Kritzendorf, das Zentralsparkassengebäude Niedermarkt und das Bezirksgericht Weidlingerstraße. Weiters entstanden nach seinen Plänen das Schwesternheim und Ärztehaus Tulln, die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld und mehrere Industrie- und Verwaltungsbauten in Wien, wie etwa für die Firma Kodak und Rotaprint.

Günter Krisch - Günter Krisch (1922-1995) studierte ab 1948 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach seinen Plänen wurden unter anderem die Wohnhausanlagen Sautergasse 40-42 in Wien 17 (1964/65) und Görgengasse 8 in Wien 19 (1969/70) errichtet.

Josef Hinterhölzl - Josef Hinterhölzl (1929-1991) war bereits 1947/48 als a. o. Hörer an der Technischen Hochschule inskribiert, wo er schließlich von 1950 bis 1958 Architektur studierte. Nach seinen Plänen wurde unter anderem die kommunale Wohnhausanlage Rudolf-Zeller-Gasse 4-8 in Wien 23 (1982-1984) errichtet.

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