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Ella-Lingens-Hof

Fakten

Ella-Lingens-Hof

Steinergasse 36, Stg. 1-9, 1230 Wien

Baujahr: 1997-1999

Wohnungen: 491

Architekt: Peter Nigst, Atelier Geiswinkler und Geiswinkler, Architekturbüro Henke und Schreieck, Architekturbüro Hermann & Valentiny, Hugo Potyka, Roland Hagmüller

Weitere Adressen

Carlbergergasse 10, 1230 Wien

Leopodigasse 16, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben Sanierungsarbeiten auf die Stadterweiterung (21.000 Wohnungen in vier Jahren). Gemeinsam mit der Stadtplanung werden großflächig Siedlungsgebiete im Nordosten und Süden Wiens erschlossen. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den heutigen Bevölkerungsstrukturen an und sparen durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Die Wohnhausanlage liegt im Bezirksteil Atzgersdorf, einem ehemaligen Gassendorf, das bis ins 19. Jahrhundert von Viehzucht und Ackerbau geprägt war. Mit der Errichtung der Südbahn 1841 begann die Ansiedlung von Fabriken entlang des Liesingbaches, der zur Energiegewinnung genutzt wurde. Nach der Aufhebung der Grundherrschaft 1850 wurde Atzgersdorf als selbständige Gemeinde gegründet und 1904 dem Bezirksgericht Liesing eingegliedert. Im Zuge der Schaffung eines "Groß-Wien" kam Liesing 1938 als 25. Bezirk zur Stadt. 1945 wurde Wien allerdings wieder in den Grenzen von 1937 hergestellt und Atzgersdorf eine niederösterreichische Gemeinde. 1954 wurde es als Teil des neu geschaffenen 23. Bezirks wieder Wien eingemeindet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Atzgersdorf zu einem Industriezentrum und erwarb sich den Ruf eines Arbeiterviertels. Erst gegen Ende des 20. Jahrhundert wandelte sich die Struktur durch die Errichtung großer Wohnhausanlagen, wie etwa jener in der Steinergasse. Sie wurde auf den ehemaligen Konsum-COOP-Gründen errichtet, die seit den 1960er-Jahren als Standort für Lagerhäuser und Produktionsbetriebe der Konsumgüterindustrie gedient hatten.

Die Architektur

Errichtet wurde die 19 Stiegenhäuser umfassende Wohnhausanlage nach einem Leitprojekt des Architekturbüros Henke und Schreieck. Sie besteht im Wesentlichen aus einem langgezogenen Baukörper, der parallel zur Lastenstraße ausgerichtet ist, sowie aus einer kammartig angelegten Häusergruppe an der Steinergasse.
Der lange Block an der Lastenstraße umfasst sieben Hauptgeschoße und ein aufgesetztes, blechverkleidetes Dachgeschoß. Das Erdgeschoß ist weiträumig durchbrochen, hier sind vorwiegend Geschäfts- und Versorgungsräumlichkeiten und ein Kindertagesheim untergebracht. Die Front zur Lastenstraße ist von einer filigranen Struktur aus offenen Laubengängen und Loggien überzogen. Die Dominanz der horizontalen Linie wird nur durch die Glaskörper der Stiegenhäuser unterbrochen. Vertikale Akzente setzen die paarweise angeordneten Eingangstüren und die französischen Fenster der Maisonetten. Ein Netz von Loggien strukturiert auch die in Glas aufgelöste Front zur Steinergasse: Je nach Wohnungstyp ist es ein- oder zweigeschoßig gestrickt.
Die beiden an der Ecke Steinergasse/Carlbergergasse situierten Baukörper zeigen hingegen geschlossene Fronten, denen Loggien eingeschnitten bzw. vorgelagert sind. Eine beeindruckende Treppenanlage überwindet das abfallende Gelände zur Steinergasse. Sie dient zugleich als Sitzgelegenheit und begrenzt L-förmig den begrünten Hofbereich sowie eine Arena. Die vier L-förmigen Bauten an der Steinergasse werden durch ein durchgehendes Flachdach kammartig aneinandergehängt. Etwas versetzt schließen an drei der Kammzähne weitere Riegelbauten an. Die Fronten dieser Häusergruppe sind größtenteils ebenfalls von einer transparenten Struktur aus Loggien und Laubengängen umhüllt. Bemerkenswert ist der freistehende Stiegenhausturm der Stiege 17, der hier direkt in den Laubengang des obersten Stockwerkes führt, von wo aus die oberen Maisonetten erschlossen werden. Der die Stiegen 18 und 19 beherbergende Baukörper fällt vor allem durch seine großflächig verglaste, konkav geschwungene Front ins Auge, die ihn deutlich von den anderen Bauten der Wohnhausanlage, an denen die gerade Linie dominiert, abhebt.

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach der Juristin und Ärztin Ella Lingens (1908-2002). Gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Lingens versteckte sie unter dem NS-Regime zahlreiche jüdische Familien in ihrem Haus am Rande Wiens und verhalf ihnen zur Flucht. 1942 wurden sie allerdings verraten und verhaftet. Kurt Lingens wurde einer Strafkompanie in Russland zugewiesen, Ella Lingens kam 1943 in das KZ Auschwitz und von dort 1944 in das KZ Dachau. Als Häftlingsärztin versuchte sie auch in den Konzentrationslagern, den Inhaftierten so weit wie möglich zu helfen. Bereits in den ersten Jahren nach der Befreiung begann sie die Vergangenheit aufzuarbeiten und ging als Zeitzeugin in Schulen und zu Lehrerseminaren. Als Ärztin war sie in verschiedenen Kliniken tätig und wurde Ministerialrätin im Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz. In Österreich weitgehend unbekannt, erhielt sie im Ausland große Ehrenbezeugungen, wie etwa in Israel durch den Yad Vashem (1980). 2003 erschien ihr Buch "Gefangene der Angst - Ein Leben im Zeichen des Widerstandes".

Architekten

Peter Nigst - Peter Nigst (geb. 1946 in Wien) studierte bis 1973 Architektur an der Technischen Universität Wien, wo er später auch dissertierte. Bereits während seines Studiums arbeitete Nigst im Atelier von Gustav Peichl mit. Seit 1987 ist er als Architekt tätig und lehrt zudem seit 2002 an der FH Technikum Kärnten. Zu seinen beachtenswertesten realisierten Projekten gehört die Neugestaltung des Zugangs zur Alhambra in Granada/Spanien (mit Erich Hubmann und Andreas Vass, 1997).

Atelier Geiswinkler und Geiswinkler - Kinayeh Geiswinkler-Aziz (geb. 1964 in Bagdad) und Markus Geiswinkler (geb. 1956 in Wien) studierten Architektur an der Technischen Universität Wien, wo sie später beide auch lehrend tätig waren. 1990 gründete das Ehepaar ein gemeinsames Architekturbüro. Zu ihren realisierten Projekten zählen unter anderem das Vertikal-Gartenhaus Alxingergasse in Wien 10 (2005), das Besucherzentrum des österreichischen Parlaments in Wien 1 (2005) und der Umbau samt Erweiterung der Rettungsstation Hernals in Wien 17 (2006).

Architekturbüro Henke und Schreieck - Dieter Henke (geb. 1952 in Kössen) und Marta Schreieck (geb. 1954 in Innsbruck) studierten Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie die Meisterklasse von Roland Rainer besuchten. 1982 gründeten sie ihr eigenes Architekturbüro. Zu ihren bedeutendsten Bauwerken gehören der Mega baumax Schwechat (1997/98), das Park Hotel Hall/Tirol (2002/03) und die AHS Heustadelgasse in Wien 22 (2000-2002).

Architekturbüro Hermann & Valentiny - Das Architekturbüro Hermann & Valentiny wurde 1980 von Hubert Hermann (geb. 1955 in Wiener Neustadt) und Francois Valentiny (geb. 1953 in Remerschen, Luxemburg) gegründet. Hermann studierte bis 1980 bei Wilhelm Holzbauer an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit 2003 ist er Professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. Valentiny besuchte die Architekturschule in Nancy (Frankreich) und die Universität für angewandte Kunst Wien, wo er ebenfalls 1980 bei Wilhelm Holzbauer abschloss. Zu den bedeutendsten Realisierungen des Architekturbüros mit Sitz in Luxemburg und Wien gehören das Einkaufszentrum in Halle (Deutschland, 2000), die Siedlung Telephonweg in Wien 22 (2001) und die Commerzbank in Luxemburg-Kirchberg (2000¬-2003).

Hugo Potyka - Hugo Potyka (geb. 1927) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien und an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterklasse von Lois Welzenbacher besuchte. 1962 erwarb er die Befugnis eines Architekten und war in der Folge in mehreren Arbeitsgemeinschaften tätig. Besondere Verdienste erlangte er für seine Planungstätigkeiten für den Donauraum, den Gürtel und den Marchfeldkanal. Er beteiligte sich auch maßgeblich am Umbau des Alten AKH zum Universitätscampus (Wien 9). Bis zu seiner Pensionierung war Potyka Honorarprofessor für Städtebau und Siedlungswesen an der Universität für Bodenkultur.

Roland Hagmüller - Roland Hagmüller (geb. 1941) studierte zunächst von 1959 bis 1963 an der Technischen Hochschule Wien, bevor er an der Akademie der bildenden Künste die Meisterschule von Ernst A. Plischke besuchte, wo er 1968 sein Diplom erhielt. Noch während des Studiums arbeitete er unter anderem in den Ateliers von Ernst A. Plischke und Hans Hollein mit. Nach Praxistätigkeiten in Stockholm bei Bengt Englund und im Büro von Wilhelm Holbauer machte er sich 1973 als Architekt selbstständig. Zu seinen wichtigsten Bauwerken zählen die Reihenhausanlage Pappelweg in Wien 22 (1988 - 1992), der Wohnpark Trillergasse in Wien 21 (1995 - 1998) und die Wohnhausanlage Breitenleer Straße 217 in Wien 22 (2000 - 2002).

Freie Garagenplätze

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