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Otto-Probst-Straße 32

Fakten

Otto-Probst-Straße 32

Otto-Probst-Straße 32, 1100 Wien

Baujahr: 1990-1992

Wohnungen: 87

Architekt: Günther Oberhofer

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben Sanierungsarbeiten auf die Stadterweiterung (21.000 Wohnungen in vier Jahren). Gemeinsam mit der Stadtplanung werden großflächig Siedlungsgebiete im Nordosten und Süden Wiens erschlossen. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den heutigen Bevölkerungsstrukturen an und sparen durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Die Geschichte des Wienerberges ist von der langen Tradition der Ziegelproduktion geprägt. Um 1820 wurde die Ziegelfabrik am Wienerberg zur größten Europas. Die Ziegelarbeiter hausten in Massenquartieren und einfachen Baracken, die im Umfeld der Fabrik entstanden. Erst in den 1960er-Jahren wurde der Lehmabbau unrentabel, und die Ziegelwerke wurden stillgelegt. Für die Neugestaltung des Areals wurden mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Das Konzept für die Siedlung entlang der Otto-Probst-Straße ging aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervor, der 1980 von Otto Häuselmayer gewonnen wurde. Die insgesamt 2.000 Wohnungen wurden 1984 und 1996 in drei Etappen realisiert. Als Auftraggeber fungierten sowohl öffentliche als auch private Bauträger. Trotz der Hinwendung zur Urbanisierung wurde auf eine möglichst geringe Wohndichte und die unmittelbare Integration naturnaher Freiräume Wert gelegt.

Die Architektur

Die U-förmige Hofanlage umfasst insgesamt vier Hauptgeschoße. Ihre schmale Front zur Otto-Probst-Straße hin ist durch Regenrinnen in drei Abschnitte gegliedert, die mit je einem über zwei Geschoße reichenden, verglasten Erkerblock besetzt sind. Die Erdgeschoßzone unterhalb der Erker weist weiträumige Öffnungen auf, hier befinden sich der Durchgang zum Innenhof, Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage sowie Geschäftslokale. Eingefasst wird die Straßenfront von den markanten, in Loggien aufgelösten Eckpartien. Spitz vorgezogene Balkone und die etwas zurückversetzten, gerundeten Ecken wirken beinahe dekonstruktivistisch und brechen die an sich geschlossene, kompakte Linie des Baukörpers auf. Die etwas längeren Fronten der Seitenflügel werden durch Regenrinnen und in die Baumasse eingeschnittene Loggiengruppen in jeweils vier Zonen gegliedert. Die Fassadenfläche um die Loggien bzw. Erker ist durchgehend glatt verputzt, wodurch, unterstützt vom abschließenden Gesims des Flachdaches, der Eindruck einer geschlossenen, schlichten Schachtelform gewahrt wird. Die reduzierte Gestaltung findet sich auch im Innenhof wieder. Werden die Seitenflügel hier ebenfalls durch Loggien strukturiert, dominieren großflächige, französische Fenster die Hoffront des Straßenblocks. Markant ist hier die konkav geschwungene Rückseite des Baukörpers an der Otto-Probst-Straße.

Der Name

Benannt ist der quer durch die Siedlung verlaufende Straßenzug nach dem Politiker Otto Probst (1911-1978). Der Sozialdemokrat begann seine Karriere in der Jugendschutzstelle der Arbeiterkammer in Wien. Unter dem NS-Regime war er zunächst im KZ Buchenwald inhaftiert und kam 1943 in eine Strafkompanie der Wehrmacht an die Ostfront. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Probst Zentralsekretär der SPÖ. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft und von 1970 bis 1974 Obmann der SPÖ Wien. Der langjährige Nationalratsabgeordnete verstarb 1978 in seinem Arbeitszimmer im Parlament.

Architekten

Günther Oberhofer - Günther Oberhofer (geb. 1939) war nach dem Abschluss seines Architekturstudiums an der Technischen Universität Wien 1965 für verschiedene Architekturbüros tätig. 1978 gründete er sein eigenes Büro. Für die Stadt Wien realisierte er mehrere Projekte, darunter den Federico-Garcia-Lorca-Hof (Schliemanngasse 25, Wien 21, gemeinsam mit Wolfgang Eder) und das Wohnhaus Haberlgasse 86 (Wien 16, gemeinsam mit Josef Krawina).

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