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Dernjacgasse 10

Fakten

Dernjacgasse 10

Dernjacgasse 10, 1230 Wien

Baujahr: 1999-2000

Wohnungen: 45

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben geförderten Sanierungen hauptsächlich darauf, die Stadt im Nordosten und Süden zu erweitern (21.000 Wohnungen in vier Jahren). In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung wurden großflächig Siedlungsgebiete erschlossen, so zum Beispiel der Leberberg in Simmering. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den modernen Bevölkerungsstrukturen an, indem sie flexible Wohnungen auch für Alleinerziehende, ältere Menschen und Alleinstehende bieten. Zudem sparen sie durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Durch die Verlängerung der U-Bahn-Linie U6 bis Siebenhirten ist auch das Gebiet südlich von Alt Erlaa zum Ziel neuer Verbauungen geworden. Nach einem städtebaulichen Leitkonzept von Hans Puchhammer und Rudolf Prohazka entstand auf dem Baugrund zwischen Erlaaer Straße im Norden und Perfektastraße im Süden nahe der U-Bahntrasse unter dem Vorzeichen "Kostenoptimierung mehrgeschoßiger, ökologisch sinnvoller Wohnbauten" eine Siedlung, die unter Beteiligung der Architekten Hans Puchhammer, Rudolf Prohazka, Ganahl/Ifsits/Larch, Adolf Krischanitz, Hermann & Valentiny, NFOG und Georg Feferle sehr unterschiedliche Bauten aufweist, die aber trotz ökonomischer Vorgabe durchaus nicht an Material und Qualität sparen. Der Bau von Adolf Krischanitz ist in diesem Kontext zu sehen.

Die Architektur

Der sehr langgezogene kubische Block mit sechs Stiegen ist zwischen der Trasse der U-Bahn-Linie U6 und der Dernjacgasse eingespannt. Die vorgelagerte Tiefgarageneinfahrt und ein ummauerter Müllplatz schaffen etwas Distanz zur Straße. Die Längenausdehnung der glatten Nordfassade des viergeschoßigen Baus wird durch die Sequenzen der horizontalen Bandfenster betont. Tief eingeschnittene Eingänge rhythmisieren diese funktionale Fläche nur wenig. Die südliche Gartenseite mit ihren stufig angeordneten Terrassen und Loggien lässt durch die schottartigen Betonzwischenwände mit eingebautem Schallschutz, die sich vom Erdgeschoß bis zum dritten Geschoß erstrecken, trotz Konzentration der Wohnfläche ein Gefühl privater Abgeschiedenheit aufkommen. Dazu tragen auch die durch Hecken abgeteilten Gartenparzellen im Erdgeschoß bei. Die beiden obersten Geschoße werden durch kubische Vorbauten, die höhen- und seitenversetzt über den Schottwänden der Loggien aus der Mauerfläche ragen, plastisch aufgelöst. Auch hier sind die Fenster wieder zu horizontalen Bändern verbunden. Auf dem Flachdach setzt sich das skulpturale Gestaltungskonzept in den würfelig aufragenden Aufbauten der sechs Lifthäuser fort. Die strenge Rationalität des seriellen Konstruktionsprinzips schlägt sich auch im nüchternen schiefergrauen Anstrich der Nordseite und dem grauen Sichtbeton der Schmalseiten und Trennwände nieder. Die Erinnerung an die Moderne spielt hier eine stärkere Rolle als bei den umgebenden Bauten mit ihren postmodernen Strukturen, könnte aber auch als Anklang an die kubische Expressivität der Gemeindebauten in den 1920er-Jahren gemeint sein, obwohl bei der Nordfassade mehr die Assoziation zu funktionalen Bürogebäuden mitschwingt.

Der Name

Die Dernjacgasse ist nach Josef Dernjac (1851-1920), einem Kunsthistoriker, der als Schriftsteller durch sein Buch "Geschichte von Schönbrunn" (1885) bekannt wurde, benannt.

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