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Rudolfine-Muhr-Hof

Fakten

Rudolfine-Muhr-Hof

Volkgasse 1-13, 1130 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 216

Architekt: Wilhelm Hubatsch, Hans Fleischer, Friedl Grueber

Weitere Adressen

Wattmanngasse 51-63, 1130 Wien

Hanselmayergasse 7, 1130 Wien

Elisabethallee 22-24, 1130 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Wie viele Wohnhausanlagen im 13. Bezirk entstand auch diese Anlage im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach dem Zweiten Weltkrieg und der Erschließung zusätzlicher Wohngebiete in den 1950er-Jahren. Bereits um 1800 wurden die Äcker und Weiden in dieser Gegend als Bauland verkauft. Zahlreiche Baugründe zwischen Hanselmayergasse und Elisabethallee gelangten später in den Besitz der Gemeinde Wien und wurden zur Naherholung oder für Schrebergärten genutzt. Zwischen 1954 und 1970 entstanden fünf Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien in diesem Gebiet - der Rudolfine-Muhr-Hof war die erste davon. Zur Versorgung der Bewohner wurde beim Bau der Anlage auch ein Geschäftslokal eingeplant. Ende der 1950er-Jahre wurde zusätzlich ein provisorischer Verkaufsladen des Konsumvereins errichtet.

Die Architektur

Die Anlage ist ein typisches Beispiel für den Wohnhausbau der 1950er-Jahre. Auf einem leicht abschüssigen, auf allen Seiten von Straßen umgebenen Grundstück sind entsprechend der Tendenz zur offenen Bauweise jener Zeit elf frei stehende Wohnblöcke mit je zwei Stiegen parallel und senkrecht entlang der Grundstücksgrenze angeordnet. Die Flächen zwischen den Wohnblöcken und zu den Straßen hin sind als Grünanlagen gestaltet. Der Wohnblock an der Elisabethallee verfügt über ein Geschäftslokal. Ein runder Ruhe- und Spielplatz bildet das Zentrum der Anlage.

Die Architektur ist der Zeit entsprechend zurückhaltend und verzichtet auf schmückende Details. Die durchgängig dreigeschoßigen Wohnblöcke besitzen flächige Putzfassaden und Walmdächer mit breiten Dacherkern für die Dachgeschoßwohnungen. Die regelmäßige Fensterverteilung stellt das wichtigste Gliederungselement dar, sodass ein Fassadenraster aus Fenstern entsteht, unterbrochen von den vertikalen Stiegenhausachsen. Schlichte Gitterbalkone beleben die Fronten. Auch der farbige Verputz ist ein kennzeichnendes Element: Die einzelnen Wohnblöcke sind in warmen Rosa-, Gelb- und Grüntönen gehalten.

... und die Kunst

In der Anlage befindet sich die Bronzeplastik einer "Giraffe" von Hannes Haslecker aus dem Jahr 1955. Ernst Paar schuf eine frei stehende Betonwand mit Mosaiken - das 1958 bis 1962 entstandene Kunstwerk stellt Szenen "Aus dem Biedermeier" dar. Ein 14 Meter hohes Wandbild mit Sonnenuhr aus den Jahren 1954/55 trägt den Titel "Generationen". Es stammt von Hubert Tuttner und schmückt die Hauswand des an der Elisabethallee liegenden Wohnblocks.

Der Name

Rudolfine Muhr (1900-1984) wurde mit 14 Jahren Metallarbeiterin und war als Gewerkschaftsmitglied bereits nach Ende des Ersten Weltkriegs Betriebsrätin. In der Zeit des Ständestaates nach 1934 und der NS-Diktatur ab 1938 wurde sie sowohl aufgrund ihrer illegalen Tätigkeit in der damals verbotenen Gewerkschaft als auch in der Sozialdemokratischen Partei mehrmals verhaftet. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sie sich für den Aufbau der sozialdemokratischen Frauenbewegung sowie im Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer und war neben Josef Afritsch und Bruno Kreisky 1947 Gründungsmitglied der Volkshilfe. Von 1945 bis 1949 gehörte Muhr dem Wiener Gemeinderat an, von 1949 bis 1969 war sie Mitglied des Bundesrates. Eine Gedenktafel erinnert an die Namensgeberin der Wohnhausanlage.

Sanierung

von 2007 bis 2009

Der Rudolfine-Muhr-Hof wurde in den Jahren 2007 bis 2009 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Wilhelm Hubatsch - Wilhelm Hubatsch (1904-1974) lernte zunächst im Architekturbüro seines Vaters Josef Hubatsch bevor an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens sowie an der Technischen Hochschule Wien studierte. In Arbeitsgemeinschaften, unter anderem gemeinsam mit seinem Vater und dem Baumeister Fritz Grüll, sowie selbstständig entwarf er zahlreiche Schul- und Wohnbauten in Wien und Mödling. Für die Gemeinde Wien plante er unter anderem das Wohnhaus Neuwaldegger Straße 19-21 in Wien 17 (1956). Ein besonderes Anliegen war Wilhelm Hubatsch aber die Verbesserung von Schulbauten, für die eigene Modelle entwickelte, bekannt als "Hubatsch-Schulen". Als seine herausragendste Arbeit gilt das BRG XIX, Krottenbachstrasse 11-13 in Wien 19 (1964-1966).

Hans Fleischer - Über Ausbildung und Schaffen des Architekten Hans Fleischer (1887-1958) gibt es kaum Informationen. Für die Gemeinde Wien war er an den Entwürfen zum Rudolfine-Muhr-Hof in Wien 13, Volkgasse 1-13 (1954/55), beteiligt.

Friedl Grueber - Über die Ausbildung des Architekten Friedl Grueber (1913-1999) sind keine Daten bekannt. Für die Gemeinde Wien plante er gemeinsam mit Wilhelm Hubatsch und Hans Fleischer den Rudolfine-Muhr-Hof in Wien 13, Volkgasse 1-13 (1954/55).

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