Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Mehlführergasse 22-24

Fakten

Mehlführergasse 22-24

Mehlführergasse 22-24, 1230 Wien

Baujahr: 1975-1978

Wohnungen: 39

Architekt: Hilde Filas, Walter Lagler, Lucia Aichinger

Weitere Adressen

Wagenmanngasse 4, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die weitläufige Wohnhausanlage an der Mehlführergasse 22-24, 26-28 und Keltengasse 4 wurde in den Jahren 1975-78 nach Plänen der Architekten Lucia Aichinger, Hilde Filas und Walter Lagler errichtet. Die insgesamt 33 Stiegen erstrecken sich über einen Verband von vier Gassen und sind als Randbebauung nördlich und südlich der Keltengasse gruppiert. Dieses Gebiet befindet sich nahe dem früheren Zentrum von Atzgersdorf (Kirchenplatz), das 1850 als freie Gemeinde konstituiert wurde. In der Folge entwickelte sich das ehemals landwirtschaftlich geprägte Dorf zur industriellen Gemeinde Wiens mit einer Reihe von Fabriken, wie der sogenannten "Auerstrumpf"-Fabrik, in der der Erfinder des Gasglühlichts (OSRAM), Carl Auer von Welsbach (1858-1929), ab 1892 produzierte. Damit einhergehend stieg die Bevölkerungszahl ebenso wie die Anzahl an Schulen, durch deren Dichte sich der Bezirk Liesing, in den Atzgersdorf 1938 eingemeindet wurde, auch heute noch auszeichnet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien an der Mehlführergasse ist durch die Keltengasse in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Der nördlich der Keltengasse gelegene kleinere Teil umfasst 6 Stiegen (Stg. 8-13) mit heute insgesamt 39 Wohnungen und trägt die Hauptadresse Mehlführergasse 22-24.

Das sechsgeschoßige Gebäude ist als Randbebauung geplant und L-förmig angelegt, es erschließt sich daraus ein Kleinkinderspielplatz sowie eine Grünfläche.

Die Architektur ist geprägt von vor und hinter die Baulinie gesetzten Baukörpern und durch eine mit mehrteiligen Fenstern gegliederte Straßenfassade. Auffallend ist der durch Pfeiler gestützte, offene Laubengang im Erdgeschoß, von dem aus die jeweiligen Stiegenhäuser zu begehen sind. Die vom ersten bis zum fünften Wohngeschoß gezogenen Erkerbauten, die lediglich im Bereich der Stiegenhausachse ausgespart sind, heben sich durch die weiße Tünchung farblich vom überwiegend terrakotta-farbenen Wohnbau ab. Diese Erker wiederholen sich an der dem Hof zugewandten Fassade, beherbergen aber im Gegensatz zur Straßenseite Halbloggien sowie zusätzliche Dachterrassen im 6. Geschoß.

Die gleichen Gestaltungsprinzipien finden sich auch in den dazugehörigen Stiegen an der Mehlführergasse 26-28 (Stg.1-7, 25-40) sowie an der Keltengasse 4 (Stg. 17-20).

Für ausreichend Parkmöglichkeit ist in den umliegenden Gassen gesorgt. Darüber hinaus verfügt die Anlage über eine Tiefgarage mit Zufahrt über die Keltengasse 8.

... und die Kunst

Die Wände der ebenerdigen Laubengänge, von denen aus man zu den jeweiligen Stiegenhäusern gelangt, sind mit Fliesenmosaiken nach Entwürfen des Wiener Künstlers und gelernten technischen Zeichners und Grafikers Roman Haller (geb. 1920) aus den Jahren 1977-78 ausgestattet. Sie tragen die Titel "Ornamentale Struktur" und stammen aus der abstrakten Phase des Künstlers.

Der Name

Die ehemalige Bauergasse erhielt ihren jetzigen Namen im Jahr 1955 und wurde nach dem Gemeinderat von Atzgersdorf Theodor Mehlführer (1880 -1929) in Mehlführergasse umbenannt.

Die quer verlaufende Keltengasse wurde 1967 aufgrund der Funde in der Gegend, die auf Keltensiedlungen hinweisen, so benannt.

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Atzgersdorf gehört auch der Volksschauspieler Karl Skraup (1898-1958), der vor allem durch seine Rollen in Nestroy- und Raimundstücken große Beliebtheit erlangte. Zu seinen Ehren stiftet die BAWAG (Bank für Arbeit und Wirtschaft, heutige BAWAG PSK) seit 1968 den "Karl-Skraup-Preis" für herausragende Ensemblemitglieder. Karl Skraup wurde auf dem Atzgersdorfer Friedhof beigesetzt.

Sanierung

von 2004 bis 2005

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 2004 und 2005 Fenster und Türen erneuert.

Architekten

Hilde Filas - Hilde Filas (geb. 1922, ledig Friedrich) studierte von 1943 bis 1948 an der Technischen Hochschule Wien bei Karl Holey, Friedrich Lehmann und Erich Boltenstern. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst unter anderem in den Büros von Viktor Ruczka und Wilhelm Kroupa mit, bevor sie sich 1951 als Architektin selbständig machte. Vor allem Wohnbauten und Kindergärten entstanden nach ihren Entwürfen, wie etwa das Wohnhaus Markhofgasse 6 in Wien 3 und der Kindergarten Schulsteig in Wien 19, der der Architektin ein besonderes Anliegen war. In einer Architektengemeinschaft wurde die Wohnhausanlage Mehlführergasse in Wien 23 von ihr mitgeplant.

Walter Lagler - Walter Lagler (1939-1995) studierte von 1961 bis 1968 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Unter anderem entwarf er die Reihenhausanlage Viktor-Hagl-Gasse 19 in Wien 14 (1977-1980) und zusammen mit Rudolf Lamprecht die kommunale Wohnhausanlage Hebbelplatz 3 in Wien 10 (1982-1985).

Lucia Aichinger - Lucia Aichinger (geb. Klär, 1921; verh. Stamminger) studierte ab 1941 an der Technischen Hochschule Wien und war bereits in den späten 1940er-Jahren als selbständige Architektin tätig. Von ihr stammt unter anderem der Um- und Dachausbau des Finanzamtes in Wien 15 (Ullmanngasse 54) und der Kindergarten am Kinzerplatz in Wien 21. Während ihrer vorübergehenden Tätigkeit in Deutschland wurde ein Hotel in Pocking (Niederbayern) nach ihren Plänen errichtet. Aichingers bedeutendstes Bauwerk ist das gemeinsam mit Sepp Stein entworfene Institut für Krebsforschung in Wien 9 (Borschkegasse 84, 1972-1976).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+