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Breitenfurter Straße 291-297

Fakten

Breitenfurter Straße 291-297

Breitenfurter Straße 291-297, 1230 Wien

Baujahr: 1976-1978

Wohnungen: 63

Architekt: Jan Koci, Ilse Koci

Weitere Adressen

Breitenfurter Straße 305-311, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die Anlage liegt an der Breitenfurter Straße nahe dem historischen Kern von Atzgersdorf, das als Gassengruppendorf westlich der Straße entstand. Die Struktur dieses Dorfes ist heute noch im Bereich um den Kirchenplatz erkennbar, der etwas weiter nördlich der Anlage liegt. Im 17. Jahrhundert gelangte Atzgersdorf in die Grundherrschaft des Jesuitenkonvikts St. Barbara und nach Aufhebung des Ordens ging die Grundherrschaft an den Fürsten Starhemberg, den Grundherrn von Erlaa. Als freie Gemeinde scheint Atzgersdorf erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts auf. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden wie in Liesing ehemalige Weide- und Ackergründe parzelliert, vorwiegend im Gebiet zwischen Breitenfurter Straße und Brunner Straße. In der Nachkriegszeit wurde Atzgersdorf Sitz von Schwerindustriebetrieben, wuchs mit der Liesinger Industriezone zusammen und galt als Arbeiterviertel. Die charakteristische Verbauung mit eingeschoßigen Arbeiterhäusern wird heute immer mehr von weitläufigen Wohnhausanlagen verdrängt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus zwei langgezogenen Trakten entlang der Breitenfurter Straße, die einen kleinen Platz zwischen ihren Schmalseiten aussparen. Im Westen und im Osten schließen sie unmittelbar an Nebengebäude auf. Der östliche Trakt mit vier Stiegenhäusern und mittigem Durchgang nimmt die leichte Biegung des Straßenverlaufs auf. Der westliche Trakt mit drei Stiegenhäusern ist gerade angelegt. Beide Trakte sind viergeschoßig und durch eine Nebenfahrbahn mit Parkplätzen etwas von der Straße zurückgesetzt. Straßenseitig und auf den freien Schmalseiten ist das Erdgeschoß zurückgesetzt. Die Geschoße darüber werden durch schwarze Rundpfeiler abgestützt. So entsteht ein seichter Laubengang, von dem aus Geschäftslokale und eine im Westtrakt integrierte Post wettergeschützt zugänglich sind. Das steile Mansarddachgeschoß, das mit grauen Eternitschindeln verkleidet ist, ist ebenfalls zurückgesetzt. Die beiden Hauptgeschoße sind abwechselnd durch klinkerverkleidete rotbraune und einfach weiß verputzte Abschnitte gegliedert. Letztere setzen sich als sehr flache Risalite von den Klinkerflächen ab und sind nach einer äußeren Fensterachse zu den Stiegenhäusern hin schräg eingefaltet. Auf Nasszellenöffnungen in den Wandschrägen folgen im Zusammenstoß der tiefen Faltung die hochrechteckigen Fensteröffnungen des Stiegenhauses. Das Flugdach über dem Eingang ist gegengleich dreiecksförmig nach vorne gezogen.

Auf der Südseite verändert sich der Charakter der Trakte. Das Mansarddach mutiert hier zu einem Flachdach. Die Fassade mit leichten Risaliten ist in einem satten, dunklen Rotbraun gehalten. An die Risalite docken, gegengleich zu den Einfaltungen an der Straßenfront, kurze viergeschoßige Quertrakte mit polygonalen Enden an. Sie sind etwas schmäler und niedriger als die Risalite und hellgrau gestrichen. Trotz der geringen Grundstückstiefe wird so eine Folge intimer U-förmiger Gartenhöfe ermöglicht. Zwischen den Risaliten sind Loggienbahnen mit weißen Brüstungen eingespannt, während an den Westfassaden der Anbauten neben einer Fensterachse zusätzlich eine Loggienachse mit roten Brüstungen eingeschnitten ist. Um die Risalite und die abgeschrägten Ecken der Quertrakte ziehen sich mehrteilige Fenster. Insgesamt erhält die Anlage durch den Wechsel von Raum- und Farbkontrasten eine spannungsreiche Optik.

... und die Kunst

Die Plastik "Vater und Sohn" von Oskar Bottoli steht halb verdeckt im Gebüsch und zeigt in leicht abstrahierter Weise einen menschlichen Vater auf allen Vieren in primatenähnlicher Pose, auf dessen Rücken sein kleiner Sohn reitend balanciert.

Der Name

Die Breitenfurter Straße hat Anfang des 19. Jahrhunderts ihren heutigen Verlauf bekommen. Sie ist nur im Ortsbereich von Atzgersdorf verbaut, da sie dort den gekurvten Altstraßenverlauf nachzeichnet und den Atzgersdorfer Platz berührt. Sie ist eine wichtige, den Bezirk durchquerende Ausfallsstraße nach Südwesten, im Bereich Atzgersdorf verläuft sie vorwiegend parallel zur Schnellbahn von der Bezirksgrenze mit dem 12. Bezirk zum ehemaligen Ortskern Liesing (Liesinger Platz). Nach einem Knick nach Westen führt sie als Grenze zwischen Mauer und Rodaun durch Kalksburg in den Wienerwald.

Sanierung

von 2005 bis 2010

Die Wohnhausanlage wurde von 2005 bis 2010 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade teilweise mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen und Aufzüge, Wasch-, Trocken- und Abstellräume sowie Keller wurden instandgesetzt.

Architekten

Jan Koci - Jan Koci (1922-2004) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1958 zum Thema "Vorgefertigte mehrgeschoßige Wohnhäuser und ihre Beziehung zur freien architektonischen Gestaltung" promovierte. Mit seiner Frau Ilse Koci plante er unter anderem für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Breitenfurter Straße 291-297 in Wien 23 (1976-1978). Zusammen mit Edgar Göth entwarf er das Pensionistenheim Liebhartstal II in Wien 16, Ottakringer Straße 264 (1984-1990).

Ilse Koci - Ilse Koci (geb. Wechta, 1919) studierte von 1938 bis 1942 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo sie 1947 auch promovierte. Noch während des Zweiten Weltkrieges leitete sie im Auftrag der Landeskonservatoren von Wien, NÖ und OÖ die Vermessung zahlreicher Bauwerke. Ab 1944 war sie Hochschulassistentin an der Lehrkanzel für Baukunst und Bauaufnahmen der TH Wien, übersiedelte jedoch 1948 mit ihrem Mann nach Bratislava, wo sie für das Denkmalamt und für eine Hotelgesellschaft tätig war. 1957 kehrte Koci nach Wien zurück. Auch hier war sie vorwiegend für das Denkmalamt tätig. Besonders hervorzuheben sind die Gestaltung und Sanierung des Platzes Am Gestade in Wien 1 und die Sanierung und Wiederherstellung der Otto-Wagner-Stationen am Karlsplatz. Auch am Bau mehrerer Wohnbauten war sie mit ihrem Mann beteiligt.

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