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Altmannsdorfer Straße 164-182

Fakten

Altmannsdorfer Straße 164-182

Altmannsdorfer Straße 164-182, 1230 Wien

Baujahr: 1961-1965

Wohnungen: 1162

Weitere Adressen

Putzendoplergasse 2-28, 1230 Wien

Putzendoplergasse 1, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

In der Umgebung der U-Bahnstation Alterlaa existierte schon lange vor dem Wohnpark Alt-Erlaa aus den 1970er- und 1980er-Jahren auf der östlichen Seite der Altmannsdorfer Straße eine Besiedelung vor allem mit Einfamilienhäusern und nördlich der Anton-Baumgartner-Straße gab es die Kleingartensiedlungen um den Steinsee und den Schlosssee, zwei ehemalige Ziegelteiche. Westlich der Altmannsdorfer Straße war nur weites Grünland. Auf den Plänen von Elise Sundt für den Kindergarten dieses Gemeindebauprojekts von Anfang der 1960er-Jahre wird die Riesenanlage "Tochterstadt Inzersdorf" genannt. Es entstand hier also damals erstmals eine Art Satellitenstadt in der Liesinger Vorstadt mit eigenen Geschäften und zwei Schulen an der Anton-Baumgartner-Straße. Diese Bezeichnung wurde allerdings nicht beibehalten, weil der Ortskern von Inzersdorf doch zu weit entfernt liegt und der neue Wohnpark Alt-Erlaa auf der anderen Seite der U-Bahntrasse den Gemeindebauten später mit noch besserer Infrastruktur ganz spektakulär den Rang abgelaufen hat. Immerhin zeigt sie noch die Größenordnung dieses Projekts und die gewaltige Ausdehnung des Areals, das als Naherholungsgebiet und Park ausgewiesen war, bevor das Gemeindewohnprojekt bewilligt wurde.

Die Architektur

Die ausgedehnte Wohnhausanlage umfasst insgesamt 70 Stiegen. Sie sind auf 3 neungeschoßige Hochhäuser, auf 18 viergeschoßige Wohnhäuser unterschiedlicher Länge und 2 zweigeschoßige Altenwohnheime aufgeteilt. Etwas abgerückt von der Bahntrasse im Westen wird der Baugrund im Osten von einer Nebenfahrbahn der Altmannsdorfer Straße begrenzt. Die beiden südlichsten Bauten wurden noch jenseits der Kwietongasse errichtet. Die Putzendoplergasse und die Gerögasse queren das Grundstück horizontal bzw. vertikal. Beinahe alle Bauten liegen parallel zueinander und sind von Westen nach Osten orientiert. Eine Ausnahme bilden die eingeschoßigen Zeilenbauten entlang der Einkaufsgasse und ein Hochhaus am südlichen Ende des Grundstücks. Der Kopfbau der Siedlung ist das Hochhaus im Norden, das sich von den beiden anderen durch die breite Unterfahrt mit mächtigen Betonrundpfeilern unterscheidet. An der Seitenwand der Unterfahrt ist ein Mosaik angebracht. Die nordseitigen Stiegenaufgänge sind durch seichte Risalite an der Fassade kenntlich gemacht. Optisch ansprechend im Zickzackkurs sind die Aufgangsfenster abwechselnd an die linke oder rechte Risalitkante herangeführt. Auf der Südseite des Hochhauses sind in breiten Mauerausnehmungen weit vorkragende Betonrahmen vom ersten Obergeschoß bis zum Dach eingelassen. Darin sind dreiteilige Loggien eingehängt. Beim gleich organisierten zweiten Hochhaus kommt an der östlichen Schmalseite ein ebenerdiges Heizhaus hinzu, dessen hoher Kamin über das Dach hinausragt. Die vorletzte Stiege enthält eine Durchfahrt. Den Höhepunkt im südlichen Teil der Wohnhausanlage bildet das dritte Hochhaus. Aufgrund seiner abweichenden Nord-Süd-Orientierung sind beide Längsseiten mit Loggienachsen ausgestattet. Die Stiegenaufgänge befinden sich auf der Westseite in tiefen Mauerrücklagen. Im Bereich zwischen den ersten beiden Hochhausbauten liegen parallel dazu in einer Grünzone zwei Langbauten mit je zwei Geschoßen, die als Seniorenwohnheime konzipiert wurden. Im rechten Winkel dazu erstreckt sich zwischen den Hochhäusern eine Einkaufsgasse. Die eingeschoßigen Zeilenbauten entlang dieser beherbergen das Volksbildungsheim und Geschäftslokale. Südlich des zweiten Hochhauses liegt ein ebenfalls ebenerdiger Kindergarten, der von Elise Sundt entworfen wurde. Die zahlreichen viergeschoßigen Wohnhäuser der Anlage umfassen drei oder vier Stiegen. Nur am südlichen Ende des Grundstückes befindet sich ein lang gezogener Block mit sechs Stiegen. Alle Wohnhäuser besitzen ein Satteldach. Die Stiegenaufgangsachsen liegen meist in seichten Mauerrücklagen. Auf den Südfassaden sind dreiteilige, fallweise auch vierteilige Loggienachsen in breiten Betonrahmen angebracht. Die auf den ersten Blick sehr gleichförmig wirkenden Gebäude sind durch das Spiel mit Symmetrien und leichten Asymmetrien variiert.

... und die Kunst

In der breiten und über 3 m hohen Passage unter dem Hochhaus Nr. 1 sind an der Hausmauer übereinander zwei lange Mosaikstreifen von Josef Seger angebracht. Sie haben den Titel "Ordnungssysteme der Natur" und zeigen eine sehr geschmackvoll kolorierte und geometrisch komponierte Reihung von Kristallformen und verschiedenen Tier- und Pflanzenformen aus dem Meer.

Im Kindergarten an der östlichen Außenwand hat Lois Pregartbauer ein stark farbiges, geometrisiertes Mosaikwandbild mit dem Titel "Abstraktion" geschaffen.

Plastiken:
Ein "Weiblicher Torso" von Alfred Czerny steht in der Wiese vor der Eingangsseite des Hochhauses Nr. 3. Alfred Czerny kommt aus der Wotruba-Schule und kann nach Meinung von G. Tichy in eine Reihe mit Alfred Hrdlicka, Andreas Urteil und Joannis Avramidis gestellt werden. Nach der Teilnahme an dem legendären Symposium in St. Margarethen entzog sich Alfred Czerny dem Kunstbetrieb, um ausschließlich nach seinen persönlichen Vorstellungen zu leben.
Etwas weiter an der Nordecke des Rasenstücks vor Hochhaus Nr. 3 steht die Steinplastik "Eulenturm" von Hans Knesl. Nach Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien und einer freien Schaffensphase war er von 1951 bis 1971 selbst Leiter der Meisterklasse für Bildhauerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. In seinen Skulpturen und Reliefs verband er figurale und abstrakte Elemente, wie auch in dieser etwas düsteren Stele, die neben Eulen auch die mit ihnen verbundenen widersprüchlichen Assoziationen gefühlsmäßig durch fortschreitende Abstrahierung der Vögel sichtbar macht.
Ein Haus weiter steht in der Wiese unter Bäumen der "Kaskadenbrunnen" von Alfons Loner, eine sehr abstrakte Brunnenplastik aus Eisen mit trichterförmigen Ausnehmungen, die sowohl pflanzliche wie technische Assoziationen erwecken.
Die Bronzeplastik "Junge Menschen" vom Hanak-Schüler Siegfried Charoux nahe der Kwietongasse zeigt ein nacktes Menschenpaar, das von der Qualität der Formung her ohne Weiteres mit Hanaks Arbeiten mithalten kann.
Vor der Ökoschule an der Anton-Baumgartner-Straße, die nicht direkt zum Gemeindebauareal gehört, steht in der Wiese vor dem Eingang die "Figurale Form" von Hannes Turba, eine asymmetrisch komponierte, völlig abstrakte kubische Plastik aus Stein.

Der Name

Die Altmannsdorfer Straße ist seit 1894 so benannt, nach dem Ort Altmannsdorf, der wiederum nach dem heiligen Altmann, einem Bischof von Passau (1015-1091), benannt wurde.

Sanierung

von 1995 bis 2000

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 2000 saniert. Neben der Erneuerung der Fenster und Türen wurde die Fassade mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

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