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Wohnhausanlage Roter Berg

Fakten

Wohnhausanlage Roter Berg

Horeischygasse 3-7, 1130 Wien

Baujahr: 1948-1949

Wohnungen: 107

Architekt: Franz Gomsi, Karl Raimund Lorenz, Walter Foral, Friedrich Lehmann, Egon Karl Fridinger

Weitere Adressen

Nothartgasse 60-64, 1130 Wien

Gogolgasse 45-49, 1130 Wien

Gogolgasse 46-52, 1130 Wien

Nothartgasse 36-52, 1130 Wien

Wohnen in Wien

1945 waren rund 28 Prozent der Gebäude Wiens durch die Kriegshandlungen schwer beschädigt oder zerstört - im Hinblick auf den Wohnungsbau eine Phase, in der eine rasche Linderung der Wohnungsnot notwendig war. Infrastruktur fehlte völlig, das entsprechende Baumaterial ebenfalls. Die Stadtverwaltung beriet sich in einer "Enquete über den Wiederaufbau der Stadt Wien" und ab 1947 konnte die planmäßige Errichtung von Neubauten beginnen. Eine wichtige technische Errungenschaft, die aus Bauschutt Ziegel machte - die Vibro-Technik -, kam zum Einsatz. Mit dem Bau erster großer Wohnanlagen wie der Per-Albin-Hansson-Siedlung wurde Ende der 1940er-Jahre begonnen. Die 1948 mit dem Marshall-Plan durch die USA zugesicherte Wirtschafts- und Wiederaufbauhilfe war dringend nötig.

Geschichte

Die Wohnhausanlage entstand in den Jahren 1948/49 im Rahmen des ersten Wohnbauprogramms nach dem Zweiten Weltkrieg am Nordosthang des "Roten Berges", eines Ausläufers der Wienerwaldberge. Sie ist eine der ersten Wohnhausanlagen nach dem Zweiten Weltkrieg im 13. Bezirk. Seit 1918 befanden sich an dieser Stelle am Rande des Naherholungsgebietes "Roter Berg" Kleingärten. Im Juni 1948 fand die feierliche Grundsteinlegung in Anwesenheit des damaligen Bürgermeisters und späteren Bundespräsidenten Dr. Theodor Körner statt. Zur Nahversorgung der Bewohner wurde beim Bau der Anlage auch ein separates Gebäude für ein Lebensmittelgeschäft eingeplant.

Die Architektur

Die von einem Architektenteam geplante Wohnhausanlage gliedert sich in drei Baugruppen. Die erste Gruppe liegt auf einem Grundstück zwischen Horeischygasse und Gogolgasse und besteht aus sechs senkrecht und parallel zu den Straßen angeordneten Wohngebäuden. Die Straßenfronten der Häuser werden entweder durch Erker über den Hauseingängen oder durch Giebelfronten und Balkone akzentuiert. Die zweite Baugruppe liegt auf einem Hanggrundstück zwischen Gogolgasse und Nothartgasse. Am unteren Grundstücksende wird der parallel zur Straße angeordnete Wohntrakt straßenseitig durch die über die Traufenhöhe reichenden Stiegenhausachsen in der Länge gegliedert und durch Loggien an den Stirnseiten aufgelöst. Drei weitere Wohnhäuser liegen an der Nothartgasse am oberen Grundstücksrand. Die dritte Baugruppe entlang der Nothartgasse hebt sich durch ihre Satteldächer von den anderen ab und besteht aus sieben frei stehenden Häusern, die senkrecht und parallel zur Straße angeordnet sind und mit dem Gebäude des Lebensmittelgeschäfts das ehemalige Herzstück der Anlage bilden.

Flächige Putzfassaden, regelmäßig durch Fenster strukturierte Hausfronten sowie Sattel- und Walmdächer sind Kennzeichen der schlichten Architektur, wie sie für die frühe Nachkriegszeit charakteristisch war. Mit einfachen gestalterischen Mitteln wurde den einzelnen Trakten eine individuelle Note verliehen und durch die offene Bauweise - die Gruppierung der Baukörper und die Anlage großzügiger Grünbereiche - auf die markante Topographie reagiert. Dabei wurde die Hanglage optimal ausgenutzt und auch das Untergeschoß der durchgängig zweigeschoßigen Wohnhäuser für Wohnungen genutzt.

Der Name

Die Wohnhausanlage ist nach dem gleichnamigen, 262 Meter hohen "Roten Berg" benannt. Der Name "Roter Berg" leitet sich von der rötlichen Erdschicht ab, die auf den hohen Anteil an Eisenoxid im Erdreich zurückzuführen ist.

Sanierung

von 1989 bis 1990

In der Wohnhausanlage Roter Berg wurde in den Jahren 1989 bis 1990 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurden Gas-Kombi-Thermen eingebaut.

Architekten

Franz Gomsi - Franz Gomsi (1904-2000) studierte ab 1937 bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien entwarf er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften mehrere Wohnhäuser, wie etwa den Franz-Novy-Hof in Wien 16 (Koppstraße 97-101, 1950-1954) und die Anlage Czartoryskigasse 62-68 in Wien 18 (1953/54).

Karl Raimund Lorenz - Karl Raimund Lorenz (geb. 1909) studierte nach dem Besuch der Hochschule für Welthandel in Wien an der Technischen Hochschule Graz sowie an der Technischen Universität Berlin, wo er nach seinem Diplom 1934 Assistent und Mitarbeiter bei Hans Poelzig wurde. Zwischen 1938 und 1943 war Lorenz in Wien tätig. Ab 1946 war er Professor an der Technischen Hochschule Graz. Sein Tätigkeitsschwerpunkt lag sowohl im Schul- und Wohnbau als auch im Kirchenbau. In Wien plante er die Neulerchenfelder Pfarrkirche (Wien 16; 1953-1957) und die Erlöserkirche am Schüttel (Wien 2; 1960-1962).

Walter Foral - Walter Foral (1904-1965) studierte ab 1935 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Peter Behrens und legte 1938 sein Diplom bei Alexander Popp ab. Während der NS-Zeit plante Walter Foral Krankenhäuser, Lazarette und war für die Klöckner-Flugzeugmotorenwerke in Brünn tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte er sich vorwiegend am Wiederaufbau. Neben Teilen der Wohnanlage "Roter Berg" in Wien 13 gestaltete er auch das Ausflugslokal am Cobenzl und leitete das Projekt für den Bau einer Seilbahn auf den Untersberg in Salzburg. Auch in Wiener Neustadt plante er in den 1950er-Jahren mehrere Wohnhausanlagen und das Finanzamt.

Friedrich Lehmann - Friedrich Lehmann (1889-1957) studierte an den Technischen Hochschulen Prag und Wien, wo er auch promovierte und später als Professor lehrte. Von 1920 bis 1945 war Friedrich Lehmann als selbständiger Architekt in Prag tätig und realisierte dort unter anderem die Moderne Galerie (1932/33). Daneben plante er Wohnbauten, Siedlungen sowie Gewerbebauten in Österreich, der ehemaligen Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien. Während der NS-Zeit arbeitete er vorwiegend im Industrie- und Gewerbebau, verlor jedoch wegen "politischer Unzuverlässigkeit" seine Anstellung. 1945 übersiedelte er von Prag nach Wien, wo er 1946 eine Professur an der Technischen Hochschule erhielt. Friedrich Lehmann war maßgeblich an der Entwicklung der Stahlbetonbauweise aus Leichtbeton beteiligt. Im Jahr 1952 wurde die von ihm geplante Volksschule Jedlesee in Wien 21, Dunantgasse 2, eröffnet.

Egon Karl Fridinger - Egon Karl Friedinger (1896-1970) machte sich nach seinem Studium an der Technischen Hochschule in Wien selbstständig und war nebenbei Mitarbeiter in einer Arbeitsgemeinschaft mit Erwin Böck sowie später Assistent an der Technischen Hochschule. Für seine Entwürfe erhielt er zahlreiche Preise, doch wurden wenige Bauwerke realisiert. Friedinger errichtete Einfamilienhäuser, E-Werke, Tankstellen sowie Brücken und baute für die Brauerei Schwechat. Von den wenigen ausgeführten Arbeiten ist der Umbau seines Ateliers mit Dachgarten am Dannebergplatz 11 (1930/31) bedeutsam. Bekannt ist Egon Friedinger für seinen Entwurf für die Neugestaltung des Stephansplatzes 1946.

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