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Kaltenleutgebner Straße 1

Fakten

Kaltenleutgebner Straße 1

Kaltenleutgebner Straße 1, 1230 Wien

Baujahr: 1955-1956

Wohnungen: 24

Architekt: Wilhelm Körner

Weitere Adressen

Hochstraße 10, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Zentrum von Rodaun liegt nur ungefähr 100 Meter weiter nördlich an der Ketzergasse, die hier früher Rodauner Hauptstraße hieß. Die Hochstraße mündet dort gegenüber dem alten Rodauner Amtshaus in die Ketzergasse ein. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahre 1170 als "Radune". 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde Rodaun von Wien eingemeindet. Nach dem Krieg wurde dies im Jahre 1954 bestätigt. Rodaun ist vor allem bekannt für das Schloss Rodaun, das vermutlich bereits zur Zeit der Babenberger erbaut wurde, sowie die daneben befindliche Bergkirche Rodaun, ein reiner Barockbau.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus zwei zweigeschoßigen Blöcken mit insgesamt drei Stiegen und wurde auf einem annähernd trapezförmigen Grundstück an der Ecke Kaltenleutgebner Straße/Hochstraße errichtet. Das längere Gebäude mit den ersten zwei Stiegen liegt an der leicht abfallenden Kaltenleutgebner Straße. An der Straßenfassade befinden sich die beiden Eingangsportale mit den Stiegenaufgangsachsen, die von je zwei Fensterachsen flankiert werden. Die beiden Dachgaupen des ausgebauten Satteldaches liegen über den vorletzten Achsen des Wohnblocks. Bedingt durch die unterschiedliche Stiegenlänge ist die Hoffassade des langen Blocks asymmetrisch gegliedert. Allerdings wird dies über die symmetrische Anordnung der Dachgaupen und der französischen Fenster an der Stiegengrenze überspielt. Die der Kreuzung zugewandte Schmalseite trägt die Gemeindebauaufschrift und die Widmungstafel. Der zweite, kürzere Block ist etwas von der Hochstraße abgerückt. Auf seiner der Kreuzung zugewandten Schmalseite ist ein monumentales Mosaik angebracht. Direkt an der Kreuzung ist den beiden Wohnblöcken zwischen den Schmalseiten ein kleiner Grünbereich vorgelagert. Der streng symmetrischen Ordnung der achtachsigen Straßenfassade des Wohnblocks an der Hochstraße verleihen zwei französische Fenster im Obergeschoß und die beiden Dachgaupen rhythmische Akzente. An der südlichen Schmalseite führt eine ummauerte Abfahrtsrampe zu einer Kellergarage. Der Hauseingang liegt hofseitig in der Fassadenmitte. Beim ersten Gebäude ist der hellgraue, beim zweiten der hellgelbe Glattputz vom dunkelgrauen Rauputzsockel abgesetzt. Alle Fenster sind mit weißen Putzfaschen gerahmt. Hinter den Bauten erstreckt sich ein trapezförmiger Gartenhof nach Westen.

... und die Kunst

Hermine Aichenegg (1915-2007) schuf das monumentale Mosaik "Gestalten aus den Werken Hugo von Hofmannsthals", das die nördliche Schmalseite von Stiege 3 ziert. Es zeigt Szenen aus den wichtigsten Theaterstücken des Autors, z. B. Ariadne auf Naxos. Die Malerin wurde in der Retrospektive der Galerie Suppan als "Malerin des Aufbruchs" bezeichnet, als eine zu Unrecht vergessene Vertreterin der Wiener Moderne. Im Nachkriegswien waren es die Jahre des Aufbruchs, in denen die versäumte Entwicklung der Mo¬derne auch von ihr mit umso mehr Begeisterung nachgeholt wurde. Monu¬mentalaufträge der Gemeinde Wien ermöglichten auch ihr nach dem Zweiten Weltkrieg das wirt¬schaftliche Überleben. 1953 erhielt sie z. B. als 2. Preis 3.000 Schilling für den Entwurf eines mehrfarbigen Sgraffitos. Sie orien¬tierte sich am optimistischen Zu¬kunftsprojekt der Moderne Fer¬nand Légers, während sie gleich¬zeitig in der Tafelmalerei nach neuen Wegen suchte.

Der Name

Die Kaltenleutgebner Straße trägt diesen Namen, weil sie in den niederösterreichischen Ort Kaltenleutgeben führt.

Architekten

Wilhelm Körner - Wilhelm Körner (1910-1980) studierte ab 1930 Architektur bei Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa die Wohnhausanlage Kaltenleutgebner Straße 1 in Wien 23 (1955/56).

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