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Peterlinigasse 12-16

Fakten

Peterlinigasse 12-16

Peterlinigasse 12-16, 1230 Wien

Baujahr: 1953-1956

Wohnungen: 149

Architekt: Anton (Toni) Lenhardt, Josef Dobrowolny

Weitere Adressen

Schloßgartenstraße 11-15, 1230 Wien

Schlimekgasse 10, 1230 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Der Ort Mauer wird um 1210 erstmals erwähnt, doch schon seit Ende des 12. Jahrhunderts ist der Name "Gereut" überliefert, der sich auf die Burg Mauer bezieht, die 1895 abgerissen wurde. Mauer entwickelte sich südöstlich davon als Grabenangerdorf im Bereich von Hauptplatz und Endresstraße. Der Maurer Hauptplatz ist ein begrünter Rechteckplatz mit einem Kriegerdenkmal im Zentrum. Die ursprünglich dörfliche Verbauung wird heute überwiegend von modernen Wohnbauten überlagert. Das ehemalige Amtshaus auf Nr. 10 stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist ein breit angelegter Bau mit Krüppelwalmdach. In der Nähe des Hauptplatzes steht auch die Pfarrkirche, die in den Jahren 1934 bis 1936 nach Plänen von Clemens Holzmeister unter Einbeziehung von Teilen des spätgotischen Vorgängerbaus erbaut worden war. Daneben liegt das Maurer Schlössl, im 17. Jahrhundert als kleines Jesuitengut errichtet und 1968 zur Rudolf-Steiner-Schule adaptiert. Der dazugehörige Schlosspark ist der heutige Rathauspark.

Die Architektur

Die Anlage mit sechs dreigeschoßigen Gebäuden mit ausgebauten Dachgeschoßen wurde auf dem an drei Seiten von Gassen begrenzten Grundstück in trapezförmiger Anordnung und lockerer Randbebauung errichtet. Die Eingänge zu den Stiegen liegen meist hofseitig und sind mit weißem Stein eingefasst. Bei den drei östlichen Blöcken fallen zudem seichte Aufgangsrisalite auf. Das oberste Aufgangsfenster knapp unterhalb der Dachkante hat einen segmentbogenförmigen Sturz. Die den Eingangsseiten gegenüberliegenden Fassaden verfügen teilweise über schmale, zwei- oder mehrachsige Erker, welche bereits im obersten Sockelbereich ansetzen und mit dem Kranzgesims verkröpft sind; sie sind entweder stiegenübergreifend oder stiegenzentriert angeordnet. Dadurch entstehen zum Teil Achsen mit französischen Fenstern - allerdings nur an den drei westlichen Bauten. Die drei östlichen Gebäude weisen zwei bzw. vier Balkonachsen in unterschiedlicher Anordnung auf. Die beiden westlich gelegenen Gebäude haben an ihren Längsfassaden jeweils ein zusätzliches Außenfenster im Erdgeschoß.

Sowohl straßen- als auch hofseitig beleben ein- bzw. mehrachsige Gauben die Dachlandschaft. Sie sind harmonisch auf den Rhythmus der Fassadenachsen abgestimmt. Die Schmalseiten der Blöcke sind zweiachsig, die zur Peterlinigasse ausgerichtete Schmalseite des östlichsten Blocks verfügt über nur eine Balkonachse.

An der Ecke Peterlinigasse/Schlimekgasse ist vor den Schmalseiten der rechtwinkelig zueinander angeordneten Bauten ein Rasenstück mit Büschen ausgespart, auf dem die Bronzeplastik eines Ibis sowie drei hohe Fahnenstangen stehen. Dazwischen führt ein Weg in den Hof, über den Durchgang spannt sich eine Pergola. Die Gliederung der Fassaden ist durch das Spiel mit variierten Symmetrien und oft nicht auf den ersten Blick erkennbaren Asymmetrien geprägt. Ein zweites, wesentliches Gestaltungselement stellt die Fassadenfarbe dar, die über dem dunkelgrauen Sockelrauputz aller Häuser abwechselnd in Terrakotta oder hellem Ockergelb gestrichen ist. Die Farbe der Fensterrahmen wurde immer genau umgekehrt gewählt. Diese finden sich - im Sinne einer optischen Akzentsetzung - allerdings nur bei den Fenstern im Erdgeschoß, bei französischen Fenstern und bei den Balkontüren.

... und die Kunst

Alois Heidel (1915-1990) schuf die Bronzeplastik "Ibis", die Ecke Peterlinigasse/Schlimekgasse steht. Der Bildhauer wurde in Wien-Ottakring geboren und studierte 1952/53 bei Prof. Fritz Wotruba. In seiner Frühzeit schuf Heidel fast ausschließlich Tierplastiken, erst später ging er auch zur Abstraktion über. Aus den Jahren 1953 bis 1968 stammen zahlreiche Plastiken für Gemeindebauten. Der "Ibis" entstand 1954; im selben Jahr war Alois Heidel bei der 17. Biennale in Venedig mit einigen Arbeiten vertreten.

Der Name

Die Peterlinigasse (davor Draschestraße) ist seit 1954 nach Dominik Peterlini (1875-1944) benannt. Er war der Begründer der Maurer Knabensingschule und der Wiener Sängerknaben.

Architekten

Anton (Toni) Lenhardt - Anton Lenhardt (1919-1997) war für die Gemeinde Wien an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt. Unter anderem plante er den Professor-Rudolf-Boeck-Hof in Wien 23, Dr.-Barilits-Gasse 2-4 (1958/59), und das Wohnhaus Börnergasse 15 in Wien 19 (1963/64).

Josef Dobrowolny - Josef Dobrowolny (geb. 1910) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1937 zum Thema "Ein Vorschlag für die Umgestaltung des 7. Wiener Gemeindebezirkes" promovierte. Für die Gemeinde Wien plante er gemeinsam mit Anton Lenhardt die Wohnhausanlage Peterlinigasse 12-16 in Wien 23 (1953-1956).

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