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Brunner Straße 18

Fakten

Brunner Straße 18

Brunner Straße 18, 1230 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 42

Architekt: Josef Leitner, Emil Nibio

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 m² auf 55 m² angehoben.

Geschichte

Aufgrund der akuten Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ab den 1950er-Jahren im Zuge der Erschließung des 23. Bezirkes für den kommunalen Wohnungsbau zahlreiche Gemeindebauten in Atzgersdorf und Umgebung auf bis dato unbebautem Gebiet. Da genügend Baufläche vorhanden war und es in den Außenbezirken weniger um die Auffüllung der Lücken durch im Krieg zerstörte Häuser ging, ließ die Stadt Wien einige großzügige Wohnhausanlagen und Wohnsiedlungen erbauen.

Die Architektur

Die Architektur ist in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich für den kommunalen Wohnungsbau Anfang der 50er-Jahre. Zum einen besteht die Anlage aus einem dem Straßenverlauf folgenden, länglichen Baukörper und einem rechtwinkelig dazu etwas von der Straßenfront hinein versetzten kürzeren Bauquader. Dabei verläuft die Straßenfassade des größeren Hauses entlang des konvexen Straßenverlaufs und passt sich so den Gegebenheiten des Geländes an. Zum anderen wird das Eingangsportal an der Schnittstelle der beiden Häuser durch eine Reliefzone betont und wirkt fast theatralisch inszeniert. Die beiden Architekten schufen mit der Hofanlage an der Brunner Straße einen ihrer Ausbildung als Bühnenraumbildner entsprechenden Bau.
Die strenge Gliederung der Fensterreihen zur Straßenfront wird durch die konvexe Krümmung der Fassade zudem geschickt aufgelockert.

... und die Kunst

Über dem Eingangsportal zur Hofanlage befindet sich ein Kunststein-Wandrelief aus den Jahren 1952/53 von Josef Seebacher, genannt " Afrikanische Tiere". Es zeigt teilweise heimische, teilweise exotische Tiere, die allerdings nichts Animalisches, Wildes an sich haben, sondern ausschließlich als ruhige, trieblose Wesen charakterisiert sind. Mit Motiven aus Flora und Fauna wurde die Idealvorstellung vom urbanen Wohnen im Grünen bildlich realisiert.

Der Name

Das Benennungsdatum der Brunner Straße ist unbekannt. Sie führt von Atzgersdorf in den Süden nach Brunn/Gebirge und verläuft an der Stelle der Wohnhausanlage noch parallel zum Naherholungsgebiet Liesingbach.

Sanierung

von 2014 bis 2017

Die Wohnhausanlage wird seit 2014 saniert. Es werden unter anderem das Dach instandgesetzt, die Fenster und Türen getauscht sowie eine Fassadendämmung durchgeführt. Dadurch sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch der Kohlendioxidausstoß für die Umwelt verringert werden.

Architekten

Josef Leitner - Josef Leitner (1918-1985) studierte ab 1938 bei Alexander Popp an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zusammen mit Emil Nibio entwarf er die Wohnhäuser Brunner Straße 18 in Wien 23 (1952/53) und Steinhagegasse 9 in Wien 12 (1950/51). Josef Leitner war auch an der Planung zur Anlage Gußriegelstraße 51-59 in Wien 10 (1957-1959) beteiligt.

Emil Nibio - Emil Nibio (1916-1969) studierte zunächst Malerei, ehe er 1941/42 zur Architektur wechselte. Er nahm Unterricht bei Emil Pirchan, mit dem er an der Umgestaltung der Felsenreitschule in Salzburg arbeitete. Zusammen mit Josef Leitner konzipierte Nibio für die Stadt Wien das Wohnhaus in der Brunner Straße 18 in Wien 23.

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