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Siebenbürgerstraße 2-12

Fakten

Siebenbürgerstraße 2-12

Siebenbürgerstraße 2-12, 1220 Wien

Baujahr: 1962-1964

Wohnungen: 858

Architekt: Oskar Payer, Peter Payer

Weitere Adressen

Rugierstraße 3, 1220 Wien

Siebenbürgerstraße 16-26, 1220 Wien

Welzenbachergasse 1, 1220 Wien

Erzherzog-Karl-Straße 83, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Bereits zu Beginn der 1960er-Jahre gab es für dieses Areal unter dem damaligen Stadtplanungsdirektor Roland Rainer konkrete Bebauungsvorschläge in Form von eingeschoßigen Flachbauten. Zwei Jahre später wurden anstatt der Flachbausiedlungen mehrgeschoßige Wohnbauten in Plattenbauweise auf der davor landwirtschaftlich genutzten Fläche realisiert. Am 3. Mai 1962 wurde das erste Fertigteil für diese Siedlung im nur 300 m entfernten Plattenbauwerk der "Montagebau Wien GmbH" produziert. Es war dies die erste Siedlung in Wien, die komplett aus vorgefertigten, großformatigen Bauelementen errichtet wurde. Schon Ende des Jahres 1962 konnten die ersten bezugsfertigen Wohnungen an die neuen Bewohner übergeben werden. Am 26. September 1964 wurde die erste Wiener Plattenbausiedlung durch Bürgermeister Franz Jonas offiziell eröffnet.

Die Architektur

Die Siedlung ist durch die für die Plattenbauweise anfänglich typische Zeilenbebauung gekennzeichnet. Die geradlinigen Baukörper liegen ausschließlich parallel bzw. orthogonal zueinander und sind Ausdruck einer äußerst rationellen Bauweise. Die Abstände zwischen den einzelnen Gebäuden wurden häufig durch die Dimension der Montagekräne bestimmt.
Die Wohnhausanlage umfasst drei parallel zur Siebenbürgerstraße liegende Wohnblöcke mit neun Stockwerken sowie zwölf orthogonal dazu angeordnete Wohngebäude mit vier Etagen. Dabei sind jeweils ein neun- und vier viergeschoßige Wohnblöcke zu einer Bebauungsgruppe zusammengefasst. Nördlich der Erzherzog-Karl-Straße, zwischen der ersten und zweiten Häusergruppe, befinden sich ein Einkaufszentrum sowie ein Kindergarten.
Die Wohngebäude sind alle unterkellert, wobei der Keller um ein halbes Geschoß aus dem Terrain ragt und so die Sockelzone bildet. Aufgrund der bereits durchgeführten thermischen Sanierung ist die für die Fertigteilbauweise typische Fassadenrasterung nicht mehr zu erkennen. Die südseitigen Loggien der viergeschoßigen Wohngebäude sind zur Hälfte in das Gebäude integriert - ein Stilelement, das die Fassade strukturiert. Die an der Nordseite gelegenen Eingänge zu den insgesamt 48 Stiegenhäusern der viergeschoßigen Wohnbauten sind durch Betonvordächer gekennzeichnet, die von zwei Stahlsäulen gestützt werden. Darüber hinaus ist die Nordfassade im Bereich der Hauseingänge über eine Breite von jeweils 13 Meter um 75 cm nach vorne versetzt, was dem Gebäude mehr Plastizität verleiht. Die beiden Giebelseiten sind fensterlos.

... und die Kunst

Die Stiegenhauseingänge sind jeweils durch eigene, künstlerisch gestaltete Hauszeichen gekennzeichnet. Diese sollten aufgrund der Einförmigkeit der Fertigteilbauten den Bewohnern als Orientierungshilfe dienen. Neben Hilde Prinz (Stg. 1-7), Egon Haug (Stg. 23-29) und Josefine Sokole (Stg. 62-68) hat vor allem Hans Fabigan mit 48 gestalteten Eingängen den quantitativ größten künstlerischen Anteil.
In der Grünanlage im Bereich Ecke Siebenbürgerstraße/Erzherzog-Karl-Straße seht eine Plastik aus poliertem Stahl von Wander Bertoni.

Der Name

Die Siedlung trägt den Namen der im Westen angrenzenden Straße, die nach Martin Siebenbürger (1475-1522) benannt ist. Siebenbürger wurde vermutlich in Hermannstadt im heutigen Rumänien geboren. In Wien studierte er Rechtswissenschaften, um schon im Jahr 1512 Stadtrichter zu werden. 1521 wurde er Bürgermeister von Wien.

Sanierung

von 1986 bis 2005

In der Wohnhausanlage wurden in den Jahren 1986 und 1987 diverse Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Kosten beliefen sich auf 569.682 Euro, davon konnten 406.753 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Von 1999 bis 2005 wurden die Fenster und Türen erneuert, drüber hinaus wurde die Wohnhausanlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

Peter Payer - Peter Payer wurde am 5. Dezember 1932 in Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der angewandten Kunst in Wien und diplomierte im Jahr 1956 bei Prof. Franz Schuster. Gleich seinem Vater Oskar Payer konzentrierte er sich auf die Verbesserung der Wohnkultur sowie die Rationalisierung des Wohnungsbaus. Zahlreiche Publikationen zeugen vom Engagement der beiden Architekten. Neben der Planung Tausender Wohnungen für die Gemeinde Wien entwarfen Oskar und Peter Payer auch Möbel und gründeten das Einrichtungshaus "Payer-Dekor". Im Jahr 1970 erhielten sie den Staatspreis für ein Sitzliegemöbel.

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