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Albert-Schultz-Hof

Fakten

Albert-Schultz-Hof

Erzherzog-Karl-Straße 65-79, 1220 Wien

Baujahr: 1927-1928

Wohnungen: 189

Architekt: George Karau

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Areal der heutigen Wohnhausanlage lag vor der Donauregulierung im Aubereich, unmittelbar an einem Seitenarm der Donau. Wie dem Generalstadtplan von 1912 zu entnehmen ist, befand sich entlang der Gumplowiczstraße eine große Lederfabrik. Drei Straßen teilten den damals noch unbebauten Bauplatz in drei Teile: Im Bereich Gumplowiczstraße/Siebenbürgerstraße plante man einen öffentlichen Platz, während für die beiden anderen Teile eine Verbauung vorgesehen war.

Baubeginn für die in zwei Abschnitten errichtete Wohnhausanlage war 1928. Die Benützungsbewilligung des ersten Bauteils stammt aus dem Jahr 1929, die des zweiten aus dem Jahr 1930. 1934 wurde das in der Wohnhausanlage untergebrachte Jugendheim aufgelassen und zu Wohnungen umgebaut. 1936 errichtete die Pfarre Kagran in den Räumlichkeiten des Jugendhortes eine Gottesdienststätte samt Sakristei für 120 Personen.

Die Architektur

Die drei- bzw. viergeschoßige Wohnhausanlage wurde als geschlossene Blockrandbebauung um einen begrünten Innenhof auf einem annähernd dreieckigen Grundstück errichtet. Sie entstand in zwei Bauabschnitten, was auch im Rhythmuswechsel der Fenster und Loggien sichtbar wird. Der Haupteingang liegt in einem dreistöckigen, deutlich hinter die Baulinie zurückversetzten Trakt. Mit seiner Ladenzeile, einer durchlaufenden Terrasse, Gitterbalkonen und einem mittigen Giebelfeld weicht dieser von der sonstigen Gestaltungsweise ab. Als gliedernde Elemente dienen vor allem die vor die Fassade gesetzten und über die gesamte Höhe reichenden Doppelloggien sowie die das Gesims durchbrechenden Stiegenhaustürme. Bemerkenswert sind die original erhaltenen, skulptural gestalteten Eingangstüren zu den Stiegenhäusern.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde nach dem Feldmarschall Erzherzog Karl (1771-1847) benannt. Dieser war 1809 einer der kommandierenden Offiziere in der Schlacht von Aspern, als Napoleon von den österreichischen Truppen geschlagen wurde.
2008 wurde die Wohnhausanlage nach dem Politiker Albert Schultz (1940-1993) benannt. Albert Schultz war von 1981 bis 1993 Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt.

Sanierung

von 2017 bis 2020

Im Albert-Schultz-Hof ist für die Jahre 2017 bis 2020 eine Sockelsanierung geplant. Das Dach soll neu gedeckt werden, und durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie durch ein Wärmedämmverbundsystem für die Fassade sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem soll die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen werden, und im Dachgeschoß sollen 50 neue Wohnungen entstehen.

Architekten

George Karau - George Karau wurde am 24.6.1876 in Wien geboren und studierte in Berlin und Amsterdam. 1914 übersiedelte Karau nach Wien, wo er als Grafiker, Maler und Architekt arbeitete. Sein Unternehmen trug den Namen "Atelier George Karau", später auch "Werkstatt für neuzeitliche Kundenwerbung" genannt. In den Jahren 1922 bis 1924 war Karau als Chefarchitekt im Baubüro des Hauptverbandes zusammen mit Margarete Lihotzky sowie Hans und Wilhelm Waloschek für das Siedlungswesen tätig. Ab 1933 arbeitete er für die "Bauwig", eine Einkaufs- und Produktivgenossenschaft von Baumeistern und Baugewerbetreibenden, deren Direktor er 1934 wurde. Nach der Liquidation der Genossenschaft im Jahr 1936 starb George Karau am 14. 4. 1936 völlig verarmt in Berlin. Zu seinen architektonischen Werken zählen unter anderem die Kriegerheimstätte Hirschstetten in Wien 22 (1921; gemeinsam mit Adolf Loos, Franz Schuster und Walter Schacherl), die Siedlungen "Favorit" in Wien 10 und "Friedensstadt" in Wien 13 (1921-1922) sowie die Wohnhausanlage Erzherzog-Karl-Straße 65-79 in Wien 22 (1928-1930).

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