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Rudolf-Huber-Hof

Fakten

Rudolf-Huber-Hof

Quadenstraße 6-8, 1220 Wien

Baujahr: 1968-1970

Wohnungen: 743

Architekt: Oskar Payer, Peter Payer

Weitere Adressen

Guido-Lammer-Gasse 1, 1220 Wien

Kartouschgasse 2-4, 1220 Wien

Emichgasse 1-3, 1220 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Rudolf-Huber-Hof wurde von der gemeindeeigenen Plattenbaufirma Montagebau Wien GmbH auf vormals von Hirschstettner Landwirten genutzten Flächen errichtet.

Die Architektur

Der Rudolf-Huber-Hof zählt zur zweiten Generation der Wiener Plattenbausiedlungen. Bedingt durch die stärker werdende Kritik an der frei stehenden Zeilenbebauung der ersten Generation wurde nunmehr versucht, an das traditionelle Wiener Modell der Hofbebauung anzuschließen und daher schloss man die orthogonal stehenden Scheibenbauten zu einer hofbildenden Bebauung zusammen. Darüber hinaus zeichnet sich die zweite Phase des Wiener Plattenbaus durch die Abkehr von den ausschließlich vier- und neungeschoßigen Wohnbauten aus. Davon versprach man sich mehr Variabilität. Die Wohnhausanlage steht auf einem annähernd quadratischen Grundstück, das im Osten an die aus der Zwischenkriegszeit stammende Kriegerheimstätten-Siedlung anschließt bzw. vis-a-vis des Reservegartens der Stadt Wien liegt. Die Siedlung besteht aus insgesamt zehn neungeschoßigen Wohnblöcken, die zu zwei Gebäudegruppen zusammengefasst sind - sechs davon sind parallel, vier orthogonal zur südlich gelegenen Guido-Lammer-Gasse angeordnet. Lediglich im Nordosten, entlang der Quadenstraße, steht etwas abseits der geschlossenen Wohnanlage ein Wohnblock mit sieben Stiegenhäusern, dessen frei stehende Bebauung an die erste Generation der Wiener Plattenbauten erinnert. An den Nahtstellen der einzelnen Wohnblöcke sind Durchgänge platziert, die den Innenhof mit der äußeren Umgebung verbinden. Dies ist auch insofern notwendig, als der Innenhof dadurch von jeglichem motorisierten Verkehr frei gehalten wird. Die Wohngebäude sind allesamt unterkellert, wobei der Keller ein halbes Geschoß aus dem Terrain ragt, was wiederum die - auch farblich abgesetzte - Sockelzone bildet. Durch die bereits durchgeführte thermische Sanierung ist die für die Fertigteilbauweise typische Fassadenrasterung nicht mehr sichtbar. Die den Loggien jeweils gegenüberliegenden Fassaden werden von den je Stiegenhaus vorgesetzten Lifttürmen dominiert, die auch zugleich - in Kombination mit von zwei Stahlsäulen gestützten Betonvordächern - die Eingänge markieren. Die beiden Giebelseiten sind fensterlos.

... und die Kunst

Im Hofinneren befindet sich die Plastik "Mutter mit Kind" von Georg Zauner aus dem Jahr 1970, hergestellt aus Mannersdorfer Naturstein. Die Außenwandplatten, in welchen sich die Hauseingangstüren befinden, sind noch original mit einer Glasmosaikoberfläche versehen. An dieser sind auch die künstlerisch gestalteten Hauszeichen befestigt. Diese sollen aufgrund der Uniformität der Fertigteilbauten den Bewohnern als Orientierungshilfe dienen. Für die insgesamt 37 Hauseingänge haben die Künstler Hubert Pfaffenbichler, Joana Steinlechner-Bichler, Peppinio Wieternik, Reimo Wukounig sowie Othmar Zechyr Hauszeichen gestaltet.

Der Name

Die Wohnhausanlage wurde im Jahr 2010 nach dem Wiener Politiker Rudolf Huber (1924-1997) benannt. Er engagierte sich in sozialdemokratischen Organisationen, war von 1975 bis 1977 Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter; von 1977-1981 erwarb er sich als Bezirksvorsteher des 22. Wiener Gemeindebezirks große Verdienste. Auch der Rudolf-Huber-Weg im 22. Bezirk trägt seit 2003 seinen Namen.

Architekten

Oskar Payer - Oskar Payer (1903-1973) erlernte zunächst das Tischlerhandwerk, bevor er die Staatsgewerbeschule in Wien besuchte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich vor allem für eine Verbesserung der Wohnkultur sowie auch für die Funktionalität der Wohnung selbst ein. Dies stellte er u.a. in zahlreichen Publikationen, wie z.B. "Die praktische Wohnungskunde", und als Obmann des Vereins "Die Frau und ihre Wohnung" unter Beweis. Für die Stadt Wien plante Oskar Payer gemeinsam mit seinem Sohn Peter Payer mehrere Tausend Wohnungen, allen voran die zahlreichen Montagebau-Wohnungen.

Peter Payer - Peter Payer wurde am 5. Dezember 1932 in Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der angewandten Kunst in Wien und diplomierte im Jahr 1956 bei Prof. Franz Schuster. Gleich seinem Vater Oskar Payer konzentrierte er sich auf die Verbesserung der Wohnkultur sowie die Rationalisierung des Wohnungsbaus. Zahlreiche Publikationen zeugen vom Engagement der beiden Architekten. Neben der Planung Tausender Wohnungen für die Gemeinde Wien entwarfen Oskar und Peter Payer auch Möbel und gründeten das Einrichtungshaus "Payer-Dekor". Im Jahr 1970 erhielten sie den Staatspreis für ein Sitzliegemöbel.