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Prager Straße 31

Fakten

Prager Straße 31

Prager Straße 31, 1210 Wien

Baujahr: 1958-1960

Wohnungen: 333

Architekt: Otto Frank, Elisabeth Riegler, Friedrich (Fritz) Kastner, Friedrich Pangratz, Hans Riedl, Edith Matzalik, Wilhelm (Willi) Reichel, Norbert Schlesinger

Weitere Adressen

Tetmajergasse 11-19, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Grundstück, auf dem sich die heutige Wohnanlage befindet, grenzte ehemals direkt an eine Schienenstrecke der alten Kaiser-Ferdinand-Nordbahn und war Teil eines frühen Wiener Industriegebietes. Auf dem Gelände befand sich bereits im 18. Jahrhundert die Mautner-Markhof-Brauerei. Diese so genannte "St. Georgs-Brauerei" erzeugte hier bis 1926 das mehrfach ausgezeichnete St.-Georgs-Märzenbier. Infolge einer Fusionierung 1913 ging die Anlage in Besitz der "Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering AG" über. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Produktion hier weitgehend eingestellt beziehungsweise nach Simmering verlagert. Auf dem Gelände verblieben unterschiedliche Nutzbauten der Schwechater Brauerei. Zwei Ableger des Konzentrationslagers Mauthausen befanden sich zwischen 1944 und 1945 in Floridsdorf. Eines dieser Lager war in Räumlichkeiten der St.-Georgs-Brauerei untergebracht. Es handelte sich hierbei um ein Männerlager, Genaueres über die Insassen und deren Zahl ist leider nicht bekannt. Heute erinnert nur noch ein Mahnmal an der Prager Straße an deren traurige Geschichte. Bombentreffer während des Zweiten Weltkrieges zerstörten große Teile der Baulichkeiten auf dem Gelände. 1955 erfolgte die Abtragung und Sprengung der Gebäude. Die Gemeinde Wien erwarb das Grundstück und ließ in zwei Bauetappen ab 1958 den heutigen Komplex errichten. Unterschiedliche Architekten kamen dabei zum Einsatz. Der zweite Bauteil des Marianne-und-Oscar-Pollak-Hofes ist von der Dunantgasse 10 - 18 aus zu erreichen. Die Anlage wurde durch zahlreiche Umbauten laufend adaptiert.

Die Architektur

Die Wohnanlage in der Prager Straße 31 ist der erste Bauteil des nach Marianne und Oscar Pollak benannten Hofes. Die weitläufige Anlage erstreckt sich auf üppig begrüntem Terrain zwischen Prager Straße, Galvanigasse, Dunantgasse und Tetmajergasse. Bei der großzügige Verbauung des Geländes ließ man sehr viel Platz zwischen den freistehenden Blöcken. Die insgesamt 19 Stiegen sind teilweise in gekoppelter Bauweise errichtet und zu 12 Baublöcken zusammengeschlossen.
Die Stiegen 11 und 15 sind in zehnstöckigen Sternhäusern untergebracht. Diese ähneln formal schwedischen Beispielen der Nachkriegsarchitektur, insbesondere durch ihre T-Form, und erinnern auch an zeitgleich erbaute Sternhäuser, wie jene in der Schüttaustraße gegenüber des Goethehofs (22. Bezirk, 1958) und die zwei hohen Blöcke des Ernst-Bevin-Hofs in der Andergasse (17. Bezirk, 1958). Eine allgemeine Tendenz hin zu Hochhäusern ab Mitte der 1950er-Jahre ist hier zu beobachten.
Etwas abgelegen sind die Stiegen 16 - 19 zu erreichen. Sie befinden sich in zwei leicht versetzt gekoppelten, zweigeschoßigen Trakten. Einige mittige Glasziegelungen oberhalb der Eingangsbereiche und den Eingang flankierende Erker prägen oberhalb des schmalen Sockelpodestes das Fassadenbild dieser niedrigen Gebäude.
Die restlichen Stiegen sind in viergeschoßigen Blöcken zu beiden Seiten der durch die Anlage verlaufenden Tetmajergasse untergebracht. Die Fassadengestaltung ist hier äußerst schlicht. Rechteckfenster und Balkone öffnen die sonst planen Fassaden. Oberhalb der schmalen durchgängigen Hauptgesimse befinden sich unauffällige Giebeldächer. Die freistehende Wohnzeile ist eine in den 1950er-Jahren häufig propagierte Form der Bebauung und tritt auch andernorts in Kombination mit Sternhäusern auf (vgl. hierzu den Ernst-Bevin-Hof, 17. Bezirk, Andergasse, 1958).

... und die Kunst

Direkt hinter dem Beratungszentrum der Arbeiterkammer an der Prager Straße ist das Wandmosaik "Wasservögel beziehen ihr Winterquartier in der Großstadt" von Hans Stockbauer an der Hausmauer angebracht. Tierdarstellungen wie diese sind häufig gewählte Motive. Sie symbolisieren den Freizeitraum des Menschen im Einklang mit der Natur oder dienen als naturkundliche Anschauungstafeln.

Bei der Stiege 15 gestaltete Rudolf Hoflehner eine Trennwand als "Ornamentales Muster". Eine Trennwand des Vordaches bei Stiege 11 stammt von Hans Leinfellner. Sie trägt den Titel "Abstraktion" und besteht aus Lindabrunner Konglomerat. In der weitläufigen Grünanlage befindet sich die Plastik "Stehender junger Mann" von Franz Fischer. Die Kunstwerke entstanden alle zwischen 1958 und 1961.

Das Mahnmal "Niemals Vergessen" direkt vor dem Gelände der Anlage in der Prager Straße erinnert an die Insassen des Ablegers des Konzentrationslagers Mauthausen, das sich auf diesem Gelände befand.

An einer Hausmauer nahe der Prager Straße befindet sich eine Gedenktafel für Marianne und Oscar Pollak.

Der Name

Die Prager Straße wurde zwischen 1728 und 1735 als "(Prager) Reichsstraße" angelegt und 1875 "Prager Straße" - nach der Zielrichtung Prag - benannt. Der Straßenzug wurde mit der am Floridsdorfer Spitz verlaufenden "Hauptstraße" vereinigt und 1901 nochmals verlängert. Die Prager Straße verlief zunächst außerhalb der Ortskerne. Jedlesee wuchs erst allmählich an die Straße heran.

Sanierung

von 2009 bis 2013

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2009 bis 2013 saniert. Unter anderem wurden das Dach und die Fenster und Türen erneuert und ein Wärmedämmverbundsystem angebracht. Dadurch sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter und die Umweltbelastung gesenkt werden.

Architekten

Otto Frank - Otto Frank (geb. 1920) studierte von 1947-1951 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Schuster. Für die Gemeinde Wien arbeitete er vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an mehreren Wohnbauten mit. So war Frank unter anderem an den Entwürfen zum August-Fürst-Hof in Wien 12 (Meidlinger Hauptstraße 8-14, 1955-1957) und zum Salvador-Allende-Hof in Wien 11 (Simmeringer Hauptstraße 190-192, 1963-1968) beteiligt.

Elisabeth Riegler - Elisabeth Riegler (geb. Gottwald, 1923) wurde in Bad Aussee geboren und studierte ab 1941 an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war sie unter anderem an den Plänen zur Wohnhausanlage Prager Straße 31 in Wien 21 (1958-1960) beteiligt.

Friedrich (Fritz) Kastner - Friedrich (Fritz) Kastner (1910-2002) studierte an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1938 mit einer Arbeit über den Standort von Hochbauten (Raststätten, Tankstellen) an der deutschen Reichsautobahn (RAB) promovierte. Er absolvierte unter anderem ein Berufspraktikum im RAB-Büro in München, wo er für Raststätten, Tankstellen, Straßenmeistereien und andere Hochbauten zuständig war, die er später auch entlang der Alpenstraße und der RAB-Strecke München-Salzburg realisierte. Weiters entstanden im gesamten Reichsgebiet Volkswohnhäuser unter seiner Planung.

Friedrich Pangratz - Friedrich Pangratz (1910-1997) studierte von 1928 bis 1932 Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1933 die zweite Staatsprüfung ablegte. Friedrich Pangratz war für die Gemeinde Wien vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren an der Realisierung zahlreicher Wohnhausanlagen beteiligt. Eigenständig entwarf er unter anderem die Wohnhäuser Fasangasse 35-37 in Wien 3 (1954/55) und Krottenbachstraße 39-41 in Wien 19 (1954/55).

Hans Riedl - Hans (Johann) Riedl (1920-1993) studierte von 1940 bis 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Heinrich-Hajek-Hof in Wien 15, Oeverseestraße 13-19 (1954-1956), und der Anlage Engerthstraße 232-238 in Wien 2 (1963/64).

Edith Matzalik - Die in Brünn (Tschechien) geborene Edith Matzalik (1903-1968) studierte von 1921 bis 1924 unter anderem bei Josef Frank und Oskar Strnad an der Wiener Kunstgewerbeschule. Über ihr architektonisches Schaffen sind kaum Daten bekannt. Für die Gemeinde Wien war Edith Matzalik etwa an den Plänen zur Wohnhausanlage Prager Straße 31 in Wien 21 (1958-1960) beteiligt.

Wilhelm (Willi) Reichel - Wilhelm (Willi) Reichel (geb. 1917) studierte von 1935 bis 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien und besuchte ebendort 1951/52 auch die Meisterschule. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Anlagen Paulinengasse 13 in Wien 18 (1950-1952) und Ottakringer Straße 188 in Wien 16 (1984/85).

Norbert Schlesinger - Norbert Schlesinger (1908-1980) absolvierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschulen in Reichenberg (Tschechien) und in Wien 1 zunächst diverse Praktika, bevor er von 1927 bis 1931 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister studierte. Im Anschluss gründete er eine Bürogemeinschaft mit Rudolf Baumfeld, in der vor allem Geschäftseinrichtungen und Einfamilienhäuser realisiert wurden. 1936 ging Norbert Schlesinger allerdings nach Deutschland, wo er unter anderem als Leiter der Abteilung Städtebau am Aufbau der Stadt des Volkswagens in Wolfsburg tätig war (1938-1940). Ab 1940 wieder in Wien, widmete er sich neben dem Industriebau in den Nachkriegsjahren vor allem dem Wohnbau in NÖ und Wien. Eines seiner wichtigsten Bauwerke aus dieser Zeit ist die Hauptschule Grundsteingasse 48 in Wien 16 (1961-1963, mit Ernst Lichtblau). Ab 1958 war Norbert Schlesinger Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Kunst Wien, wo er von 1962 bis 1978 die Meisterklasse für Architektur leitete.

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