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Prager Straße 31

Fakten

Prager Straße 31

Prager Straße 31, 1210 Wien

Baujahr: 1958-1960

Wohnungen: 333

Weitere Adressen

Tetmajergasse 11-19, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Grundstück, auf dem sich die heutige Wohnanlage befindet, grenzte ehemals direkt an eine Schienenstrecke der alten Kaiser-Ferdinand-Nordbahn und war Teil eines frühen Wiener Industriegebietes. Auf dem Gelände befand sich bereits im 18. Jahrhundert die Mautner-Markhof-Brauerei. Diese so genannte "St. Georgs-Brauerei" erzeugte hier bis 1926 das mehrfach ausgezeichnete St.-Georgs-Märzenbier. Infolge einer Fusionierung 1913 ging die Anlage in Besitz der "Vereinigten Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering AG" über. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Produktion hier weitgehend eingestellt beziehungsweise nach Simmering verlagert. Auf dem Gelände verblieben unterschiedliche Nutzbauten der Schwechater Brauerei. Zwei Ableger des Konzentrationslagers Mauthausen befanden sich zwischen 1944 und 1945 in Floridsdorf. Eines dieser Lager war in Räumlichkeiten der St.-Georgs-Brauerei untergebracht. Es handelte sich hierbei um ein Männerlager, Genaueres über die Insassen und deren Zahl ist leider nicht bekannt. Heute erinnert nur noch ein Mahnmal an der Prager Straße an deren traurige Geschichte. Bombentreffer während des Zweiten Weltkrieges zerstörten große Teile der Baulichkeiten auf dem Gelände. 1955 erfolgte die Abtragung und Sprengung der Gebäude. Die Gemeinde Wien erwarb das Grundstück und ließ in zwei Bauetappen ab 1958 den heutigen Komplex errichten. Unterschiedliche Architekten kamen dabei zum Einsatz. Der zweite Bauteil des Marianne-und-Oscar-Pollak-Hofes ist von der Dunantgasse 10 - 18 aus zu erreichen. Die Anlage wurde durch zahlreiche Umbauten laufend adaptiert.

Die Architektur

Die Wohnanlage in der Prager Straße 31 ist der erste Bauteil des nach Marianne und Oscar Pollak benannten Hofes. Die weitläufige Anlage erstreckt sich auf üppig begrüntem Terrain zwischen Prager Straße, Galvanigasse, Dunantgasse und Tetmajergasse. Bei der großzügige Verbauung des Geländes ließ man sehr viel Platz zwischen den freistehenden Blöcken. Die insgesamt 19 Stiegen sind teilweise in gekoppelter Bauweise errichtet und zu 12 Baublöcken zusammengeschlossen.
Die Stiegen 11 und 15 sind in zehnstöckigen Sternhäusern untergebracht. Diese ähneln formal schwedischen Beispielen der Nachkriegsarchitektur, insbesondere durch ihre T-Form, und erinnern auch an zeitgleich erbaute Sternhäuser, wie jene in der Schüttaustraße gegenüber des Goethehofs (22. Bezirk, 1958) und die zwei hohen Blöcke des Ernst-Bevin-Hofs in der Andergasse (17. Bezirk, 1958). Eine allgemeine Tendenz hin zu Hochhäusern ab Mitte der 1950er-Jahre ist hier zu beobachten.
Etwas abgelegen sind die Stiegen 16 - 19 zu erreichen. Sie befinden sich in zwei leicht versetzt gekoppelten, zweigeschoßigen Trakten. Einige mittige Glasziegelungen oberhalb der Eingangsbereiche und den Eingang flankierende Erker prägen oberhalb des schmalen Sockelpodestes das Fassadenbild dieser niedrigen Gebäude.
Die restlichen Stiegen sind in viergeschoßigen Blöcken zu beiden Seiten der durch die Anlage verlaufenden Tetmajergasse untergebracht. Die Fassadengestaltung ist hier äußerst schlicht. Rechteckfenster und Balkone öffnen die sonst planen Fassaden. Oberhalb der schmalen durchgängigen Hauptgesimse befinden sich unauffällige Giebeldächer. Die freistehende Wohnzeile ist eine in den 1950er-Jahren häufig propagierte Form der Bebauung und tritt auch andernorts in Kombination mit Sternhäusern auf (vgl. hierzu den Ernst-Bevin-Hof, 17. Bezirk, Andergasse, 1958).

... und die Kunst

Direkt hinter dem Beratungszentrum der Arbeiterkammer an der Prager Straße ist das Wandmosaik "Wasservögel beziehen ihr Winterquartier in der Großstadt" von Hans Stockbauer an der Hausmauer angebracht. Tierdarstellungen wie diese sind häufig gewählte Motive. Sie symbolisieren den Freizeitraum des Menschen im Einklang mit der Natur oder dienen als naturkundliche Anschauungstafeln.

Bei der Stiege 15 gestaltete Rudolf Hoflehner eine Trennwand als "Ornamentales Muster". Eine Trennwand des Vordaches bei Stiege 11 stammt von Hans Leinfellner. Sie trägt den Titel "Abstraktion" und besteht aus Lindabrunner Konglomerat. In der weitläufigen Grünanlage befindet sich die Plastik "Stehender junger Mann" von Franz Fischer. Die Kunstwerke entstanden alle zwischen 1958 und 1961.

Das Mahnmal "Niemals Vergessen" direkt vor dem Gelände der Anlage in der Prager Straße erinnert an die Insassen des Ablegers des Konzentrationslagers Mauthausen, das sich auf diesem Gelände befand.

An einer Hausmauer nahe der Prager Straße befindet sich eine Gedenktafel für Marianne und Oscar Pollak.

Der Name

Die Prager Straße wurde zwischen 1728 und 1735 als "(Prager) Reichsstraße" angelegt und 1875 "Prager Straße" - nach der Zielrichtung Prag - benannt. Der Straßenzug wurde mit der am Floridsdorfer Spitz verlaufenden "Hauptstraße" vereinigt und 1901 nochmals verlängert. Die Prager Straße verlief zunächst außerhalb der Ortskerne. Jedlesee wuchs erst allmählich an die Straße heran.

Sanierung

von 2009 bis 2013

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2009 bis 2013 saniert. Unter anderem wurden das Dach und die Fenster und Türen erneuert und ein Wärmedämmverbundsystem angebracht. Dadurch sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter und die Umweltbelastung gesenkt werden.

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