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Werndlgasse 11-19

Fakten

Werndlgasse 11-19

Werndlgasse 11-19, 1210 Wien

Baujahr: 1930-1932

Wohnungen: 181

Architekt: Hermann Aichinger, Heinrich Schmid

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Entlang der Brünner Straße siedelten sich im 19. Jahrhundert von allem Industriebetriebe und Werkstätten an. In den 1930-Jahren wurden zwischen einem ehemaligen Gaswerk und einer Jutespinnerei zwei Wohnhausanlagen errichtet. Direkt gegenüber dem ersten Bauteil wurde der aus zwei Blocks bestehende zweite Bauteil angelegt. Südöstlich der damals noch unbebauten Grünfläche verlief auf der Nordbahnstrecke die damals wichtigste Eisenbahnlinie von Floridsdorf.

Die Architektur

Der Wohnbau aus den frühen 1930er-Jahren schließt mit der Hauptfront im Süden direkt an die Werndlgasse an. Die Anlage ist Teil eines Gesamtkonzeptes und wurde von einem Architektenteam geplant und ausgeführt. Direkt gegenüber erstreckt sich in zwei Teilen ein weiterer Wohnbau, der allerdings gänzlich anders angelegt und gestaltet ist. Der massive Baublock verfügt über vier Geschoße und ist um einen zentralen Innenhof angelegt. Die sachliche Gestaltung der Fassade wird durch die Verwendung von Balkonen und risalitartigen Bauteilen aufgelockert und nach außen hin geöffnet. Dekorative Details wie klinkerverkleidete Eingangsbereiche oder Fensterrahmungen werden nur sehr zurückhaltend angewendet.

Der Name

Die Gasse, in der der Wohnbau steht, wurde ursprünglich als Nordbahngasse und später als Rieplgasse geführt. Seit 1913 ist sie nach dem österreichischen Waffentechniker Josef Werndl (1831-1889) benannt. Der gelernte Waffenschmied interessierte sich sehr für moderne Produktionstechniken und entwickelte ein Hinterladegewehr.

Sanierung

von 2004 bis 2007

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2004 bis 2007 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 6.426.800 Euro, 5.944.790 Euro konnten durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hermann Aichinger - Hermann Aichinger (1885-1962) studierte - ebenso wie sein späterer Arbeitskollege Heinrich Schmid - an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Das 1912 gegründete Architekturbüro Schmid & Aichinger war das meistbeschäftigte des Wohnbauprogramms des "Roten Wien". Auch in den späten 1930er- und in den 1940er-Jahren erhielt das Büro noch prestigeträchtige Aufträge. In dieser Zeit entstanden unter anderem das Wohn- und Geschäftshaus "Bärenmühle" (Wien 4, Operngasse 18-20) und das RAVAG-Gebäude (Wien 4, Argentinierstraße 30a; gemeinsam mit Clemens Holzmeister).

Heinrich Schmid - Heinrich Schmid (1885-1949) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er die Meisterschule Otto Wagners besuchte. 1912 eröffnete er mit seinem Studienkollegen Hermann Aichinger ein gemeinsames Atelier in Wien, das bald zu einem der führenden Architekturbüros der Zwischenkriegszeit wurde. Neben zahlreichen Wohnhausanlagen wie etwa dem Rabenhof (Wien 3) und dem Julius-Popp-Hof (Wien 5) wurden auch das Hanusch-Krankenhaus (Wien 14, Heinrich-Collin-Straße 30) und das Österreichische Verkehrsbüro (Wien 1, Friedrichstraße 7) nach ihren Entwürfen errichtet.

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