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Mühlschüttelgasse 55-57

Fakten

Mühlschüttelgasse 55-57

Mühlschüttelgasse 55-57, 1210 Wien

Baujahr: 1936-1936

Wohnungen: 73

Architekt: Engelbert Mang

Weitere Adressen

Fultonstraße 1-3, 1210 Wien

Floridusgasse 42-44, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Der Wohnbau entstand im Rahmen eines Wohnbauprogramms, das im austrofaschistischen Ständestaat zwischen 1934 und 1938 betrieben wurde. In sieben Familienasylen wurden insgesamt 1.000 Wohnungen untergebracht, die vor allem kinderreichen, von der Obdachlosigkeit bedrohten Familien Wohnraum bieten sollten. Die Familienasyle wurden nach Heiligen benannt, der Wohnbau in der Mühlschüttelgasse wird demnach als "St.-Anna-Hof" bezeichnet.

Die Architektur

Wo die Mühlschüttelgasse auf die Fultonstraße trifft, liegt dieser Wohnbau aus den 1930-Jahren. Die Anlage ist in Form eines Vierkanthofes angelegt, im Süden schließt eine unverbaute Grünfläche an die Fassade an. Der Bau besticht vor allem durch die klare, zurückhaltende Gestaltung und durch den einheitlichen Charakter. Die Wandfläche ist genutet und erfährt so eine horizontale Gliederung. Die Nut setzt an den Ober- und Unterkanten der Fenster an und zieht sich über die gesamte Wandfläche. Der Eingang zum Innenhof liegt in der Mitte der Hauptfassade und ist als offener Durchgang gestaltet. Er wird durch zwei risalitartige Bauteile hervorgehoben, die über drei Geschoße und ein eigenes Dach verfügen. Der restliche Bauteil ist U-förmig angelegt und schließt mit vier Geschoßen direkt an die beiden Seitenteile an.

... und die Kunst

An der südöstlichen Stirnfassade des Osttraktes ist ein buntes, flaches Wandbild von Fritz Zerritsch (1888-1985) angebracht. Das Bild zeigt die Hl. Anna, die Namensgeberin und gleichzeitig auch Schutzherrin des Wohnbaus.

Der Name

Die Mühlschüttelgasse ist seit 1901 nach der Ortschaft Mühlschüttel benannt. Dabei handelte es sich um einen angeschütteten Grund, auf dem sich Schiffmüller angesiedelt hatten. Zwischen 1875 und 1904 war die Ortschaft Mühlschüttel als eigene Gemeinde eingetragen.

Sanierung

von 2003 bis 2005

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2005 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 3.448.700 Euro, davon konnten 2.327.873 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Engelbert Mang - Engelbert Mang (1883-1955) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Otto Wagner. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt ein, wo er von 1923 bis 1932 an der Realisierung zahlreicher Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien mitwirkte. Nach seinen Entwürfen entstanden etwa der Viktor-Adler-Hof in Wien 10, der Widholzhof in Wien 11 und der Fröhlichhof in Wien 12.

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