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Justgasse 9-27

Fakten

Justgasse 9-27

Justgasse 9-27, 1210 Wien

Baujahr: 1923-1924

Wohnungen: 111

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Um 1900 gab es in der Umgebung des heutigen Wohnbaus vor allem unverbaute landwirtschaftliche Nutzflächen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden östlich der Brünner Straße Wohnhäuser für die Arbeiter des Städtischen Gaswerks errichtet. Im Anschluss daran wurden in den 1920er-Jahren insgesamt drei Wohnanlagen vom gleichen Architektenteam geplant. Bei dem betreffenden Wohnbau handelt es sich um den ersten Bauteil, der vor allem einkommensschwachen Arbeitern und Angestellten als Unterkunft dienen sollte. Die Wohnanlagen gelten als Beispiele des frühen kommunalen Wohnbaus und stehen seit 2003 unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Der Wohnbau aus den 1920er-Jahren verläuft entlang der Justgasse und besteht aus zwei autonomen Bauteilen. Auffallend sind die Randverbauung und die zum Teil abgestuften Baukörper der langgestreckten Anlage. Die Stiegeneingänge sind durchwegs von der Straßenseite zugänglich und werden mittels kleiner Vorbauten und Vordächer akzentuiert. Die Fassade wird durch unterschiedliche Fensterachsen gegliedert, die sowohl in der Größe als auch in der Form variieren: Hochrechteckige Fenster wechseln mit breit angelegten Rundbogenfenstern. Polygonale Erker und risalitartige Anbauten geben dem Wohnbau eine plastische Wirkung. Der lebendige Gesamteindruck wird durch Walmdächer und spitze Giebel zusätzlich betont. Ein charakteristisches Merkmal der Anlage ist die Putzfärbung in Gelb und Weiß. Aufgrund der abwechslungsreichen Gestaltung und der verwendeten Formensprache wird der Wohnbau dem Heimatstil zugeordnet.

... und die Kunst

An der Hauptfassade in der Justgasse schmücken zwei Sgraffiti die Wandfläche. Die erste Darstellung nahe der Carrogasse zeigt eine Sonnenuhr. An der Ecke zur Skraupgasse ist eine idyllische Familie mit Vater, Mutter und Kind dargestellt.

Der Name

Die Gasse, in der der Wohnbau steht, ist seit 1914 nach Ferdinand Just (1843 - 1912) benannt. Er war zuerst als Pfarrer in Puchberg am Schneeberg tätig und kam 1890 in die Pfarre Groß-Jedlersdorf. Abschließend wirkte er in der Pfarre St. Brigitta.

Sanierung

von 2004 bis 2006

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2004 bis 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 4.320.100 Euro, davon konnten 2.916.068 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

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