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Leopoldauer Straße 79-81

Fakten

Leopoldauer Straße 79-81

Leopoldauer Straße 79-81, 1210 Wien

Baujahr: 1900-1907

Wohnungen: 124

Architekt: Theodor Karl Bach, Leopold Simony

Weitere Adressen

Baumberggasse 1, 1210 Wien

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Auf ehemaligen Ackerflächen und Krautgärten wurde um die Jahrhundertwende der erste Sozialbau Wiens errichtet. Das Wohnhaus sollte den Arbeitern der Unfallversicherungsanstalt Niederösterreich eine Unterkunft bieten. Nachdem die Anlage im Zweiten Weltkrieg teilweise beschädigt worden war, wurde 1957 eine Generalrenovierung vorgenommen. Das Gebäude stand in den 1970er-Jahren wegen des schlechten Zustandes kurz vor dem Abbruch. Der Wohnbau wurde von der Stadt Wien erworben und steht heute unter Denkmalschutz.

Die Architektur

Der Wohnbau stammt aus der Zeit um 1900 und liegt direkt an der Leopoldauer Straße. Die Anlage ist in der Form eines Vierkanthofes angelegt und schließt einen begrünten Innenhof ein. Das Gebäude erinnert aufgrund der roten Ziegel und der Holzverkleidung an ein altes Fachwerkhaus. Über dem genuteten Erdgeschoß schließen drei ziegelverkleidete Geschoße an. Der Zugang zu den einzelnen Stiegen erfolgt ausschließlich über den Innenhof. Die stufenförmige Fassade und horizontale Wandstreifen zwischen den Stockwerken sorgen für eine Rhythmisierung. Einzelne dekorative Elemente nehmen die Formensprache der Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit vorweg. Rechteckige Giebelfelder über den Fenstern des Erdgeschoßes und Schlusssteine über den Eingängen setzen markante Akzente. Schopfwalmdächer betonen zusätzlich den lebendigen Gesamteindruck der Anlage.

Der Name

Die Straße, in der der Wohnbau steht, wurde ursprünglich als Hauptstraße bezeichnet. Seit 1911 trägt sie den Namen Leopoldauer Straße, um an den ehemaligen Ort Leopoldau zu erinnern. Nach seiner Gründung im 12. Jahrhundert wurde das Dorf von Leopold dem Heiligen dem Stift Klosterneuburg übergeben.

Sanierung

von 1993 bis 1997

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1997 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung von Dach, Fenstern und Türen. Außerdem wurde eine Gas-Kombi-Therme eingebaut. Die Kosten beliefen sich auf 4.316.600 Euro, davon konnten 4.217.982 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Theodor Karl Bach - Theodor Karl Bach (1858-1938) studierte zwischen 1877 und 1883 an der Technischen Hochschule in Wien, wo er auch als Assistent für Hochbau tätig war. Er war 14 Jahre lang als Chefarchitekt der Wiener Baugesellschaft für viele Projekte verantwortlich. Er errichtete aber auch als selbstständiger Architekt, vor allem in Gemeinschaft mit seinem Studienkollegen Leopold Simony, zahlreiche Wohnbauten. Bach war unter anderem am Bau des Studentenheims der Universität für Bodenkultur in Wien 18 (Peter-Jordan-Straße 65, 1904) und des Wohn- und Geschäftshauses "Casa Piccola" in Wien 6 (Mariahilfer Straße 1b-d, 1896; mit Carl Schumann) beteiligt. Besonders hervorzuheben sind die von ihm gemeinsam mit Simony geplanten Volkswohnungen und Arbeiterwohnhäuser, wie etwa der Lobmeyrhof in Wien 16 (Wernhardtstraße 13-19, 1900/01).

Leopold Simony - Leopold Simony (1859-1929) studierte 1877 bis 1883 an der Technischen Hochschule Wien bei Karl König und Heinrich Ferstel. Ab 1889 arbeitete Simony als selbständiger Architekt, wobei er bis etwa 1904 vor allem in Arbeitsgemeinschaft mit Theodor Bach tätig war. Simony war auf Industriebauten spezialisiert, die er in Galizien und am Balkan errichtete. Dabei entstanden oft auch gleichzeitig Arbeitersiedlungen. Er wurde immer mehr zum Fachmann für sozialen Wohnbau und setzte sich zunehmend für einen genossenschaftlichen Wohnungsbau ein. Ab 1900 war er Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft für Arbeiterwohnhäuser und leitete als solcher den Bau tausender sozialer Arbeiterwohnungen. Die von ihm entworfenen Wohnanlagen, wie etwa der Lobmeyrhof in Wien 16 (Wernhardtstraße 13-19, 1900/01), wurden in ihren riesigen Dimensionen mit Blockrandverbauung um Höfe und Gemeinschaftseinrichtungen für den späteren sozialen Wohnbau der Zwischenkriegszeit prägend.

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