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Widholz-Hof

Fakten

Widholz-Hof

Geiselbergstraße 60-64, 1110 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 181

Architekt: Engelbert Mang

Weitere Adressen

Ehamgasse 3, 1110 Wien

Greifgasse 4, 1110 Wien

Herderplatz 9, 1110 Wien

Lorystraße 22, 1110 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Den Ersten Weltkrieg hindurch bis in die 1920er-Jahre waren auf dem Gelände des Herderparks Kleingärten angelegt. Kurz nach 1920 begann die großzügige Randverbauung mit Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien. Insgesamt sechs kommunale Wohnbauten entstanden rund um das Gelände, darunter auch der Widholz-Hof. Das Areal wurde nach Entwürfen des Gartenarchitekten Fritz Kratochwjle zu einer Parkanlage mit integriertem Kinderfreibad - eines der letzten noch original erhaltenen Kinderfreibäder aus dieser Zeit - umgestaltet, dessen Eröffnung am 4. Mai 1930 erfolgte. Während der Februarkämpfe 1934 war das Wohnhaus heftig umkämpft. Am 12. Februar 1934 verschanzten sich kampfbereite Schutzbündler in dem Gebäude, das am darauf folgenden Tag vom Bundesheer unter Beschuss genommen wurde. Als am 14. Februar auch Gebirgskanonen und Minenwerfer in Stellung gebracht wurden, ergaben sich die Arbeiter der Übermacht.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage umschließt beinahe vollständig das Dreieck zwischen Geiselbergstraße, Lorystraße und Ehamgasse. Nur an der Ecke Ehamgasse/Geiselbergstraße besteht ein Bau aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Markanter Blickfang ist der dreieckige Straßenhof zur Geiselbergstraße mit der dekorativen Brunnenanlage. Den vier Geschoße umfassenden Trakten sind hier langgezogene Balkone vorgelagert. Die beiden Stiegenhauszugänge werden von breiten, abgeschrägten und strukturierten Wandbändern gerahmt. Die Fenster des Stiegenhauses sind etwas vertieft in die Wand eingesetzt und fügen sich, nur von schmalen Mauerstreifen voneinander getrennt, zu vertikalen Glasbändern zusammen. In den Zwickel ist ein zwei breite und eine schmale Fensterachse umfassender, turmartig überhöhter Bauteil eingestellt. Er wird von einem spitzen Dreiecksgiebel bekrönt, worin sich die Grundrissform des Hofes und der gesamten Anlage widerspiegelt. Die kantige, immer wiederkehrende Form des Dreiecks steht im starken Kontrast zu den beinahe weich anmutenden, gerundeten Balkonen. Über Eck geführte Balkone leiten zur schmalen Straßenfront an der Geiselbergstraße und zur Greifgasse über. Interessant sind dabei die trägerähnlichen Konsolen, auf denen die Balkone lasten, sie sind zugleich Dekor und Konstruktionselemente. Die Fassade ist an der Greifgasse zur Mitte hin hoch gestaffelt und mündet über ein vertikales Glasband und ein kleines Rautenfenster wiederum in einen schlichten Dreiecksgiebel. Der Eingangsbereich ist, über fünf Achsen und zwei Geschoße reichend, deutlich vor die Fassadenflucht gezogen. Der massive Eingangsrahmen und die glatten Wandvorlagen, die ihre Verlängerung in den Podesten des aufgesetzten Balkons finden, monumentalisieren diese Zone und wecken den Eindruck einer Wehranlage. Die Schmalseite zum Herderplatz ist hingegen abgerundet und wird durch lange Loggien aufgebrochen, die durch ebenfalls gerundete Balkone vor die Front gezogen sind. An der Ehamgasse dominieren wiederum scharfe, kantige Formen.

... und die Kunst

Im Straßenhof an der Lorystraße befindet sich ein von Alfred Hoffmann gestalteter Brunnen, der mit drei Pelikanskulpturen besetzt ist.

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach Laurenz Widholz (1861-1926). Widholz war Obmann der Gebietskrankenkasse der Tischler und des Verbandes der Genossenschaftlichen Krankenkassen Niederösterreichs, er erkämpfte 1907 in Simmering das erste sozialdemokratische Direktmandat zum Reichsrat, dem er bis 1918 angehörte. Von 1918 bis zu seinem Tod hatte Widholz einen Sitz im Nationalrat. In den Jahren 1919 und 1920 war er außerdem Landeshauptmannstellvertreter von Niederösterreich. Seine Tätigkeit war von den Bemühungen um eine Vereinheitlichung des Sozialversicherungswesens geprägt, wobei ihm der Lehrlingsschutz und die Jugendfürsorge ein besonderes Anliegen waren.

Sanierung

von 2005 bis 2007

Im Widholzhof wurde in den Jahren 2005 bis 2007 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 7.076.900 Euro, davon konnten 4.776.908 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Engelbert Mang - Engelbert Mang (1883-1955) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Otto Wagner. Nach seinem Studium trat er in das Wiener Stadtbauamt ein, wo er von 1923 bis 1932 an der Realisierung zahlreicher Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien mitwirkte. Nach seinen Entwürfen entstanden etwa der Viktor-Adler-Hof in Wien 10, der Widholzhof in Wien 11 und der Fröhlichhof in Wien 12.

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