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Josef-Scheu-Hof

Fakten

Josef-Scheu-Hof

Ehamgasse 4, 1110 Wien

Baujahr: 1925-1926

Wohnungen: 187

Architekt: Franz Wiesmann

Weitere Adressen

Zehetbauergasse 2, 1110 Wien

Drischützgasse 5, 1110 Wien

Herbortgasse 7, 1110 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Während des Ersten Weltkriegs und bis in die 1920er-Jahre waren auf dem Gelände des heutigen Herderparks Kleingärten angelegt. Kurz nach 1920 begann die großzügige Randverbauung mit Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien. Insgesamt sechs kommunale Wohnbauten entstanden rund um das Gelände, darunter auch der Josef-Scheu-Hof. Das Areal wurde nach Entwürfen des Gartenarchitekten Fritz Kratochwjle zu einer Parkanlage mit integriertem Kinderfreibad, eines der letzten noch original erhaltenen Kinderfreibäder aus dieser Zeit, umgestaltet, deren Eröffnung am 4. Mai 1930 erfolgte. Die Namensgebung des Parks folgte der Benennung des nahen Herderplatzes, der bereits 1911 nach dem deutschen Dichter, Philosophen und Theologen Johann Gottfried von Herder (1744-1803) benannt worden war.

Die Architektur

Die 12 Stiegenhäuser beherbergende Wohnhausanlage nimmt vollständig das fast quadratische Grundstück zwischen Ehamgasse, Herbortgasse, Drischützgasse und Zehetbauergasse ein. Die Mittelteile alle vier Fronten treten deutlich von der Baulinie zurück, wodurch kleine begrünte Vorplätze entstehen, die die geschlossene Verbauung weniger massiv erscheinen lassen. Die glatten Fassaden werden durch die markant gefärbten Gesimse der scharf eingeschnittenen Fenster strukturiert. Für zusätzliche Belebung der Fronten sorgen flache Spitzerker, die aus den nochmals vorgestuften Seitenteilen emporwachsen, und die Glastürme der nachträglich installierten Aufzüge. Sowohl an der Ehamgasse als auch an der Herbortgasse befindet sich ein tonnengewölbter, in Klinker gefasster Durchgang zum Innenhof. Beiden Durchgängen wurden spitz überdachte Dachaufbauten aufgesetzt, die zusammen mit kleinen, floralen Ornamenten die Eingangsachse markieren. Die seitlich gelegenen Dachaufbauten sind das Ergebnis späterer Umbauten. Der Hof wird von einer Pergola mit begrünter Brunnenanlage eingenommen. Durch die vorgezogenen Mittelteile entstehen in den Ecken jeweils isolierte Wirtschaftshöfe. Die mit einem breiten und zwei schmalen, seitlichen Glasbändern versehenen Aufzugstürme fügen sich unauffällig in die in sich ruhende Baumasse ein.

... und die Kunst

Im Innenhof befindet sich eine Pergola mit einer Brunnenanlage, die von der von Anton Endstorfer geschaffenen Skulptur einer Nixe geschmückt wird. Die Anlage ist leider nicht mehr im Original erhalten. Der Brunnen stand ursprünglich in einem rechteckigen Wasserbecken, in das ein Wasserstrahl aus dem von der Nixe gehaltenen Fisch sprühte.

Der Name

Benannt ist die Wohnhausanlage nach dem Komponisten und Chorleiter Josef Scheu (1841-1904). Scheu war zunächst Chorsänger im Theater an der Wien und Hornist am Burgtheater, hatte jedoch bald auch mit eigenen Kompositionen Erfolg. Berühmtheit erlangte er mit dem "Lied der Arbeit", das er nach einem Text von Josef Zapf komponierte und das erstmals 1868 zur Darbietung kam. Scheu ist Begründer des Arbeiter-Sängerbundes Wien und des Wiener Musikerbundes, der ersten Interessensvertretung von Musikern.

Aufgrund seiner in Hell- und Dunkelbraun gehaltenen Farbgebung wurde das Wohnhaus im Volksmund auch als "Schokoladenhof" bezeichnet.

Sanierung

von 2004 bis 2006

Im Josef-Scheu-Hof wurde in den Jahren 2004 bis 2006 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen. Im Dachgeschoß entstanden 24 neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 9.897.700 Euro, davon konnten 5.174.213 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Franz Wiesmann - Franz Wiesmann (1888-1959) studierte von 1907 bis 1913 an der Technischen Universität Wien. Nachdem er eine kurze Zeitspanne als freier Architekt in Baden tätig gewesen war, erhielt er 1914 eine Anstellung am Wiener Stadtbauamt und gehörte diesem bis zu seiner Pensionierung an. Zahlreiche Wohnhausanlagen der Zwischenkriegszeit entstanden nach seinen Plänen.

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