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Brunngraberhof

Fakten

Brunngraberhof

Arthaberplatz 12-15, 1100 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 159

Architekt: Eduard Berger, Leopold Tinhof, Bruno Tinhofer

Weitere Adressen

Rotenhofgasse 31-37, 1100 Wien

Siccardsburggasse 57, 1100 Wien

Jagdgasse 40, 1100 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Auf dem weitläufigen Areal, das von der Siccardsburggasse, der Rotenhofgasse, der Jagdgasse und dem Arthaberplatz begrenzt wird, stand einst ein um 1906 errichteter Schulkomplex, bestehend aus vier Volks- und Bürgerschulen mit bis zu 30 Klassen. Noch bevor die Schule im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer komplett zerstört wurde, fand eine Umwidmung in ein Oberrealgymnasium statt. Nach Ende des Krieges wurden die baufälligen Gebäude abgetragen und stattdessen mit dem Bau der städtischen Wohnhausanlage begonnen. Am 12. 4. 1962 erhielt die Anlage schließlich ihren heutigen Namen nach dem Wiener Schriftsteller Prof. Rudolf Brunngraber. Im näheren Umfeld befanden sich das 1928 durch das Wiener Stadtbauamt (MA 22) errichtete, ehemalige Kinderfreibad am Arthaberplatz, das heute ein Jugendzentrum beherbergt, sowie der Arthaberbrunnen, der 1906 nach Plänen von Theodor Bach (Architektur) und Rudolf Schröer (Porträtrelief Rudolf Arthaber) aufgestellt und nach 1945 geringfügig verändert wurde.

Die Architektur

In U-Form konzipiert, öffnet sich die sechsgeschoßige Wohnhausanlage Richtung Süden zum Arthaberplatz. An der Rotenhofgasse werden durch das Vorspringen des mittleren Gebäudeteiles zwei seitliche Straßenvorplätze ausgebildet. Von hier aus führt - mittig platziert - eine riesige Toranlage in den weitläufigen Innenhof, von dem aus alle acht Stiegen erschlossen werden. In ihrem Aufbau und dem äußeren Erscheinungsbild entspricht die Anlage im Wesentlichen den Bauten der Nachkriegszeit. Vor allem die einheitlich und nüchtern gestalteten Gebäudetrakte mit ihren regelmäßigen Achsen und Fensteröffnungen sind charakteristisch für die Architektur der 1950-Jahre. An den beiden Stirnseiten sind dem Gebäude verglaste Loggiengruppen vorgelagert, die der Anlage einen offenen Charakter verleihen. Die zurückversetzte, mit Kunststein versehene Erdgeschoßzone beherbergt mehrere Geschäftslokalitäten.

Hofseitig durchbrechen vertikale Balkonreihen den geschlossenen und strengen, fast wehrhaften Eindruck der Straßenfronten; durch die teilweise Öffnung des Gebäudes zum Garten wird die Strenge jedoch etwas abgemildert. Satteldächer mit losen und in Gruppen zentrierten Gauben schließen die Anlage nach oben hin ab.

... und die Kunst

In der Anlage selbst gibt es keine Kunstwerke. Gegenüber der Wohnhausanlage am Arthaberplatz befindet sich jedoch am Gebäude der Volkshochschule ein keramisches Wandmosaik des Malers Wilhelm Hochmeister (1961) mit dem Titel "Menschengruppe". Die frei stehende Plastik aus Zementguss mit dem Titel "Diskussion" von Gottfried Buchberger (1961) wurde in die Parkanlage integriert.

Der Name

Rudolf Brunngraber (1901-1960) stammte aus einer Handwerkerfamilie und studierte an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Nach seiner Lehrtätigkeit in sozialdemokratischen Bildungseinrichtungen arbeite er als Maler, Journalist und später als freier Schriftsteller, nach 1945 auch als Filmautor. Brunngraber war Mitglied des PEN-Clubs; für seine kultur- und gesellschaftskritischen Romane (unter anderem "Opiumkrieg", 1939, "Pogrom", 1948, "Heroin", 1952) und Essays erhielt er den Julius-Reich-Preis sowie den Literaturpreis der Stadt Wien.

Sanierung

von 1996 bis 1997

Im Brunngraberhof wurden in den Jahren 1996 und 1997 Fenster und Türen erneuert. Außerdem wurde der Hof an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Eduard Berger - Eduard Berger (geb. 1924) absolvierte zunächst die Höhere Technische Bundeslehranstalt für Hoch- und Tiefbau in der Schellinggasse, bevor er von 1945 bis 1949 an der Akademie der bildenden Künste Wien studierte, wo er die Meisterklasse von Lois Welzenbacher besuchte. Nach einigen Praxisjahren machte sich Berger 1954 als Architekt selbstständig. Er entwarf neben zahlreichen Wohnbauten unter anderem auch eine Sportanlage in Traiskirchen, eine Hotelanlage nahe dem Triebener Tauern und ein Ferienheim in Seewalchen am Attersee.

Leopold Tinhof - Leopold Tinhof (1919-2000) studierte ab 1947 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sein Atelier hatte Leopold Tinhof in Eisenstadt, wo er vorwiegend tätig war. Für die Gemeinde Wien plante er in Arbeitsgemeinschaften unter anderem den Brunngraberhof in Wien 10, Arthaberplatz 12-15 (1957-1959), und den Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966). Zusammen mit Eduard Berger und Bruno Tinhofer entwarf Leopold Tinhof auch die Volkshochschule Favoriten, Arthaberplatz 18 (1960/61).

Bruno Tinhofer - Bruno Tinhofer (1924-2005) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Lois Welzenbacher, wo er später auch als Hochschulassistent tätig war. Neben dem Wohnbau gehörte vor allem auch der Schulbau zu seinem Schaffensschwerpunkt. Zu seinen Bauten zählen unter anderem die Volkshochschule am Arthaberplatz 18 in Wien 10 (mit Eduard Berger, Leopold Tinhof, 1960/61) und das Wohnhaus Rainergasse 6-8 in Wien 4 (1975-81).

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