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Feßtgasse 12-14

Fakten

Feßtgasse 12-14

Feßtgasse 12-14, 1160 Wien

Baujahr: 1977-1980

Wohnungen: 39

Architekt: Ottokar Uhl

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Das rautenförmige Grundstück zwischen Johann-Nepomuk-Berger-Platz, Eckmüllergasse, Friedrich-Kaiser-Gasse und Feßtgasse wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in 17 Parzellen geteilt und in der für Ottakring typischen Blockrandbebauung verbaut. Heute bestehen nur noch wenige dieser Wohnhäuser, die teils wegen Kriegsschäden, aber auch zugunsten von mehr Grünraum ab den 1950er-Jahren abgetragen und durch neue Wohnbauten ersetzt wurden.

Die Architektur

Die Wohnhäuser am Johann-Nepomuk-Berger-Platz und in der Feßtgasse (1977-83) wurden zu einem Vorreitermodell für partizipatives Bauen. Ottokar Uhl entwickelte eine "demokratisierte Ästhetik", die die Mitwirkung der Benutzer am Gestaltungsprozess propagierte. Die aufgelockerte Fassade des acht Geschoße hohen und zwölf Fensterachsen breiten Wohnhauses in der Feßtgasse 12-14 spiegelt die unterschiedlichen Nutzeransprüche wider: Loggien, mehrheitlich mit über die benachbarte Fensterachse reichenden, vorgelagerten Balkonen ausgestattet, sind scheinbar willkürlich, den unterschiedlichen Nutzeransprüchen folgend, angeordnet und erzeugen ein aufgelockertes Erscheinungsbild. Regenrohre, die im Abstand von jeweils zwei Fensterachsen geführt werden, die vollverglasten Stiegenhäuser und Lifttürme gliedern die Fassade. In der Erdgeschoßzone befinden sich zwei Geschäftslokale sowie ein Kindergarten, deren verglaste Front über zwei Geschoße reicht. Das achte Geschoß ist zwischen den Erschließungstürmen terrassiert ausgeführt, darüber befindet sich ein begehbares Dach. Die Hoffassade folgt denselben Gestaltungsprinzipien, die Balkone konzentrieren sich auf den unteren Bereich. Das achte Geschoß ist nach hinten versetzt, die Terrasse läuft hier über die gesamte Fassadenlänge.

Der Name

Die Feßtgasse wurde 1856 nach dem Fleischhauer Jakob Feßt (1778-1858) benannt. Er ließ hier den Grund parzellieren und das erste Haus errichten.

Sanierung

von 2002 bis 2005

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2002 bis 2005 saniert. Durch das Wärmedämmverbundsystem an der Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 476.100 Euro, davon konnten 127.566 Euro durch Förderungen gedeckt werden.
Bereits 1998 wurden die Fenster erneuert.

Architekten

Ottokar Uhl - Ottokar Uhl wurde 1931 in Wolfsberg, Kärnten, geboren und zählt zu den bedeutendsten österreichischen Architekten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1950 bis 1953 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Lois Welzenbacher Architektur. Ab 1959 war er als freischaffender Architekt in Wien tätig und wurde 1963 für seine demontierbare Kirche in der Wiener Siemensstraße mit dem Österreichischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet. Uhl entwarf Ende der 1970er-Jahre Mitbestimmungsmodelle im Geschoßwohnbau (Wohnhaus Feßtgasse, Wien 16, 1977 - 1981). Zwischen 1974 bis 1996 hatte er den Lehrstuhl für Bauplanung und Entwerfen an der Universität Karlsruhe inne und unterrichtete als Gastprofessor Liturgiewissenschaft an der Universität Wien. Den Schwerpunkt seiner umfangreichen Tätigkeit im In- und Ausland legte Uhl auf den Wohn- und Sakralbau.

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