Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Arltgasse 34-36

Fakten

Arltgasse 34-36

Arltgasse 34-36, 1160 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 28

Architekt: Karl Ehn

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Für die Architektur dieses Gemeindebaus zeichnet Karl Ehn für das Wiener Stadtbauamt, in dessen Dienst er bereits seit 1908 stand, verantwortlich. Im Vergleich zu den Superblocks der 1920er-Jahre - darunter sein wohl prominentestes Werk, der Karl-Marx-Hof - steht diese Wohnhausanlage mit nur zwei Stiegen in der Tradition der auf das Wesentliche reduzierten Wohnbauarchitektur der Nachkriegszeit. Die schmucklose Fassade präsentiert sich dennoch in einem ausgewogenen Stil zwischen elementaren baukünstlerischen Ansprüchen und funktionaler Architektur.

Die Architektur

Die glatte, zehn Fensterachsen breite Lochfassade ist streng symmetrisch aufgebaut. Die Mitte betont ein breiter Balkon, der optisch auf den darunter liegenden Pfeilern des Geschäftslokals ruht. Das Sockelgeschoß zwischen den beiden Stiegen ist grob verputzt und horizontal genutet, die äußeren Ecken der zurückversetzten Hauseingänge sind rustiziert. Runde Fenster belichten den Eingang, in dem Treppenaufgänge zum Mezzanin führen. Das abfallende Straßenniveau wird bei der ersten Stiege über eine zusätzliche Vortreppe überwunden. Alle Fenster der fünf Geschoße sind mit Putzrahmen versehen, den oberen Abschluss der sonst schmucklosen Fassade bildet ein stark auskragendes Dachgesims. Ungewohnt unauffällig erscheint der mittig an der Straßenfassade sitzende Schriftzug der Gemeinde Wien.

Die Hoffassade ist durch die unterschiedlichen Fenstergrößen und -formen locker gestaltet. Die beiden vorspringenden Stiegenhaustürme verleihen der Fassade eine vertikale Komponente. Die Sockelzone hebt sich auch hier durch ein durchlaufendes Gesims von der restlichen Fassade ab, die ihren oberen Abschluss in einem durchlaufenden Dachgesims findet.

Der Name

Die Arltgasse wurde 1887 nach Prof. Dr. Ferdinand Ritter von Arlt (1812-1887) benannt. Er war zwischen 1849 und 1856 Vorstand der Prager Universitäts-Augenklinik, von 1856 bis 1883 Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Wien und zählte zu den führenden Augenärzten der Welt.

Sanierung

von 1988 bis 1990

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988 bis 1990 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 199.632 Euro, davon konnten 119.779 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Ehn - Karl Ehn (1884-1959) studierte von 1904 bis 1907 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Otto Wagner. Bereit 1908 trat er in den Dienst des Wiener Stadtbauamts. Vor dem Ersten Weltkrieg errichtete er vor allem Nutzbauten wie etwa Lagerhäuser für die Gemeinde Wien. In den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden zahlreiche Wohnhausanlagen nach seinen Entwürfen, darunter auch sein prominentestes Bauwerk: der Karl-Marx-Hof in Wien 19. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ehn noch als Architekt tätig. Sein letztes Bauwerk, der Karl-Schönherr-Hof in Wien 9, wurde 1952 vollendet.

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+